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Wieder über 10 % Wachstum in der häuslichen Pflege!

Auch für 2019 weist die aktuelle Statistik der Pflegekassen einen starken Anstieg der Pflegebedürftigen in Deutschland aus. Insgesamt über 330.000 (+8,5%) mehr Menschen als im Vorjahr werden durch Leistungen der Sozialen (SPV) und Privaten Pflegeversicherung (PPV) unterstützt.

Eines vorweg: Das Lesen der diesjährigen Statistik ist etwas komplizierter als in den Vorjahren geworden.Ich habe aber eine Lösung gefunden 😉 Zwei Neuerungen müssen wir berücksichtigen: 

1. SPV plus PPV = alle Pflegebedürftigen

Die zeitgleiche Veröffentlichung der Vorjahreszahlen durch die beiden Kassen-Systeme ermöglicht eine durchgängige Darstellung aller Aspekte und so habe ich mich dazu entschlossen, ab 2020 alle Pflegebedürftige in meiner Infografik zu berücksichtigen. In der Regel werden bei vielen Berichten nur die Sozialversicherten (SPV) ausgewiesen – aktuell 3.999.755.
Es macht aber bei der Bewertung des Bedarfs an Sorgenden und Pflegenden Angehörigen sowie Pflegefachkräften in der ambulanten und stationären Versorgung keinen Sinn, über 250.000 Menschen mit privater Versicherung (PPV) nicht zu berücksichtigen.

2. Änderung der GKV Statistik-Systematik

Den zweiten Punkt betrifft eine grundsätzliche Umstellung der Pflegestatistik. Ab 2019 zählen 70.248 auch ambulant versorgte Leistungsempfänger der „Pflege in vollstationären Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen“ (§ 43a SGB XI) bei der „stationären Versorgung“. Dieser Personenkreis wurde bis 2018 unter „Ambulant“ ausgewiesen.

In der Konsequenz „scheint“ es bei der „NEUEN“ Statistik zu einer deutlichen Zunahme in der stationären Versorgung gekommen zu sein. Für diese fast zusätzlichen 80.000 (+ 9,4%) Personen wurden jedoch keinen neuen Betten benötigt oder Fachkräfte eingestellt. Der REALE Zuwachs für die Heime betrug lediglich ca. 8.200 (+ 1%).

Diese Grafik verdeutlicht das Problem.
Umstellungseffekt
Im Gegenzug wird nun in allen NEUEN offiziellen Statistiken ein viel zu geringer Anstieg der ambulant versorgten Menschen ausgewiesen. Würde man es bei der bisherigen Form der Berichterstattung lassen (REAL), ist zu erkennen, dass wieder ein überproportional starker Anstieg bei den Daheim versorgten Menschen stattgefunden hat.

Mit über 323.000 (+10,5%) mehr Menschen werden aktuell über 80% in der privaten Häuslichkeit umsorgt und gepflegt.

Probleme macht die neue Ausweisung auch bei der Interpretation auf der Ausgabenseite der Pflegeversicherung (SPV). So stehen offiziell den um „nur“ 1,2 % angestiegenen Ausgaben von 14,93 Mrd. Euro für die stationäre Heimunterbringung über 10 % mehr Leistungsnehmer gegenüber. In der Konsequenz sinken scheinbar die Aufwendungen pro Heimbewohner um -8 %. Tatsächlich steigen diese Kosten jedoch.

Der Pflege-Dschungel empfiehlt für dieses Jahr die Version A. Real, wie sie oben im Blog-Titel zu sehen ist.

Ich habe zwei Infografiken für dieses Jahr erstellt. In der Version A. REAL werden die Zahlen so ausgewiesen, wie sie bei einer Fortführung der Systematik wie im Vorjahr dokumentiert werden. Zuwächse und Vergleichsgrößen werden REAListisch abgebildet und können für gesellschaftspolitische und/oder ökonomische Überlegungen und Entscheidungen sinnvoll genutzt werden.

In der Version B. NEU sind die Daten so abgebildet, wie sie sich aus der neuen Systematisierung  ergeben.

Infografik Version B NEU

grüne Eidechse

 

 

 

Mit der Fortschreibung dieses Vorgehens in 2021 werde ich dann diese Form als Standard übernehmen, weil dann die Logik der Datenfortschreibung wieder gegeben ist.

Soziale Pflegeversicherung: die 4 Mio.-Latte ist gerissen.

Gut, es fehlen ehrlicherweise noch 245 Pflegebedürftige, jedoch dürfte spätestens in der ersten Januarwoche 2020 diese Schwelle überschritten gewesen sein.

Noch wenige Monate zuvor hatte das BMG die veraltete Prognose von 2016 erneuert und kräftig angehoben. Sollte die demografische und gesundheitliche Entwicklung aber im Tempo der letzten drei Jahre anhalten, dürften in der 2020 Statistik gut 4,2 bis 4,3 Mio. statt der erwarteten runden 4,0 Mio. stehen. Helfen könnte hier eventuell Corona durch weniger Anträge zur Begutachtung durch den MDK. Aber: Aufgeschoben ist bekanntlich nicht immer auch aufgehoben.

Stark überproportionales Wachstum beim neuen PG 1

Der mit der Pflegereform 2017 eingeführte Pflegegrad 1 wächst mit über 100.000 neuen Empfängern um fast 29 %. Hierdurch steigen die Kosten im ambulanten Bereich um fast 12 % geringer, als von dem Zuwachs (10,5%) eigentlich zu erwarten gewesen wäre. In der Folge sinken die Kosten je Versicherten auch leicht um 92 Euro auf 7.921 Euro.

Fazit

So langsam wird es Zeit, sich über die Zukunft und Sicherstellung der häuslichen Pflege intensiv Gedanken zu machen.

Der bisherige Erfolg bei der Gewinnung neuer Pflegefachkräfte treibt jedem Betroffenen tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Von den Anfang 2019 mit dem “Pflege-Sofortprogramm” geplanten zusätzlich 13.000 Einstellungen in der Altenpflege konnte erst 2.600 realisiert werden. Der Fachkräftemangel wird sich in den kommenden 10 Jahren dramatisch verschärfen.

Das wissen alle schon spätestens seit der Bertelsmann-Studie „Pflege 2030“ von Prof. Rothgang (Versorgungslücke von 350.000 Vollzeitäquivalenten.) Anmerkung: Die Studie ging vor 8 Jahren davon aus, dass wir im Deutschland 2030 „nur“ 3,4 Mio. Pflegebedürftige haben werden, so berichtete das Ärzteblatt damals. Es sind heute, eine Dekade vorher, schon fast 1. Mio. mehr!

Wie sollen die vielen Pflegebedürftigen zukünftig versorgt werden, wenn Aufgrund des demografischen Wandels auch noch die bisher kostenlose Ressource der Sorgenden und Pflegende Angehörigen (SPA) kontinuierlich geringer wird? Die zunehmende Singularisierung bei den älteren Menschen verschärft die Herausforderung. 

Innovative Zukunftskonzepte für die häusliche Versorgung sind dringend gesucht.

Hendrik Dohmeyer

Als pflegender Angehöriger mit über 13 Jahren Erfahrung kenne ich den Pflege-Dschungel inzwischen recht gut. Das erlernte Wissen als § 7a Pflegeberater nützt ebenfalls.

Ich möchte Ihnen helfen, die organisatorischen Aufgaben der Pflege leichter zu bewerkstelligen.

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Alle Pflegeleistungen der Pflegeversicherung im Überblick

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