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Umfrage: Nutzen Sie den Entlastungsbetrag?

Der Entlastungsbetrag verfällt millionenfach. Eine Umfrage nach den Gründen.

Veröffentlicht am 02.05.2018 Aktualisiert am 18.09.2026 3 Minuten

Infografik „Wie kommt der Entlastungsbetrag an?": ein Ringdiagramm zeigt, dass 49 Prozent den Entlastungsbetrag nutzen und 51 Prozent nicht. Links die Quote je Bundesland von 23 Prozent in Berlin bis 80 Prozent in Brandenburg, in der Mitte die gefragtesten Leistungen und die häufigsten Gründe für die Nichtnutzung, rechts die Bewertung der Anbieter und der Hinweis, dass 40 Prozent den Umwandlungsanspruch nicht kennen.

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Im April wurde von Kornelia Schmid* und mir  in mehreren Facebook-Gruppen eine Umfrage zur Nutzung des Entlastungsbetrags durchgeführt. Die Ergebnisse der Facebook-Umfrage liegen nun vor:

Nur fast die Hälfte der Befragten nutzen ihn – Vom Bundesgesundheitsministerium gewollte Entlastungsleistungen im Volumen von 1,8 Milliarden kommen nicht bei den Familien an!

Hier unser Kommentar zur Umfrage, den wir auf der Aktionsseite Entlastungsbudget.de und Facebook-Entlastungsbudget gepostet haben:

Das hatten wir befürchtet!

1 1/2 Jahre nach Einführung des neuen Entlastungsbetrags wird diese Leistung von mehr als der Hälfte aller Familien immer noch nicht genutzt.
Diese erschreckend hohe Zahl dokumentiert die Auswertung der Facebook-Umfrage, die wir in den letzten beiden Wochen mit Eurer Unterstützung durchgeführt haben.

357 Personen nahmen an der Umfrage teil. 176 von Euch nutzen den Entlastungsbetrag bereits. Etwas höher ist jedoch die Zahl derjenigen, die diese Leistung noch nicht in Anspruch nehmen. 181 Abstimmungen (51 %) wurden mit „nein“ gezählt.

Aufgrund der hohen Beteiligung in NRW, Niedersachsen und Bayern können hier die regionalen Ergebnisse interpretiert werden.

In NRW liegt die Nutzung über dem bundesweiten Durchschnitt. Dies kann mit der Öffnung auch für private Einzelanbieter zu tun haben, wodurch ein breiteres und eventuell auch günstigeres Angebot für die betroffenen Familien zur Verfügung steht.

Die gegenteilige Aussage könnte für Niedersachsen zutreffen. Hier sind private Einzelanbieter nicht zugelassen und nur 42 % der Umfrageteilnehmer nutzen dort das Angebot.

In Bayern ist auffällig, dass von 22 Teilnehmern, die das Angebot nicht nutzen, 13 sagen, „wir kennen dieses Angebot nicht“. Ein so hoher Wert von fast 60% zeugt von einem Defizit an Aufklärung und Beratung. Auch bei der Unkenntnis zum „Umwandlungsanspruch der Sachleistung“ führt Bayern mit 77% unwissenden Nutzern.

Hilfe und Betreuung im Haushalt sind beim Entlastungsbetrag stark nachgefragt.

Die am stärksten nachgefragte Entlastungsleistung ist die „Hilfe im Haushalt (Putzen, Einkaufen, Fahrten etc.)“. 95 Teilnehmer gaben an, dass sie diese Entlastung in Anspruch nehmen. Dies sind 54 %. Auf Platz zwei folgt mit 35 % die Betreuung im Haushalt.

Mit den Schulnoten 1 bis 3 benoteten fast 75 % der Nutzer ihr Entlastungsangebot positiv.

Diejenigen, die sich eher negativ äußerten, bemängelten insbesondere die fehlende Flexibilität der Anbieter.

Mit nur 11% wurden von nur 20 Teilnehmern die zusätzliche Entlastung über den Umwandlungsanspruch von Sachleistung in Anspruch genommen. Eine schallende Ohrfeige für alle Verantwortlichen sind hier die 60%, die angaben: „kennen wir nicht“!

Fazit.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die diese Ergebnisse möglich gemacht haben. Der hohe Anteil der „Nichtnutzer“ des Entlastungsbetrags bestätigt uns in der Zielsetzung, diesen mit in das Entlastungsbudget zu integrieren.

Es kann nicht sein, dass Unkenntnis und mangelnde sowie nicht bedarfsgerechte Angebote dazu führen, dass eine rechtlich gewollte Entlastung in Höhe von mehr als 1,8 Milliarden Euro nicht bei den Familien ankommt.

Hier können Sie die Infografik und die Detailergebnisse nach Bundesländern als PDF herunterladen

Eure Kornelia Schmid und Hendrik Dohmeyer

 

* Kornelia Schmid hat 2014 die Facebook-Gruppe Pflegende Angehörige gegründet (Stand Mai 2018 über 5.800 Mitglieder) und leitet den Verein Pflegende Angehörige e.V. 

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Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021

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