Infografik – Pflege in Deutschland 2018 update

Infografik, NBA, Pflegegrad, Pflegepolitik, Pflegeversicherung, SGB XI

Die Statistik ist vom BMG veröffentlicht:

Die Zahlen für die Leistungsarten nach Pflegegraden für 2017 sind veröffentlicht. Ich habe die bisherigen Prognosewerte gegen die nun veröffentlichten amtlichen Daten erneuert.

Insgesamt muss man sich auf ein neues Niveau der Prozentangaben gewöhnen, da bei der „Häuslichen Pflege“ jetzt auch die Pflegebedürftigen des Pflegegrades 1 mit einbezogen sind, die aber in den bisher ausgewiesenen Kategorien keine Leistungen beziehen (die Daten für den Entlastungsbetrag nach §45b wurden nicht dokumentiert).

Von den 3,3 Mio. Pflegebedürftigen leben fast 840.000 (= 25,4%) in stationären Pflegeeinrichtungen. Das deutliche Wachstum resultiert insbesondere durch die Zunahme der vollstationäre Pflege in Behindertenheimen (über 38 % von 91.393 in 2016 zu aktuell 126.553 Personen).

Die verbleibende Mehrheit von fast 75% wird ambulant über die Häusliche Pflege versorgt. Von diesen 2,4 Mio. Familien nutzen ca. 6 % ihre gesamten Versicherungsleistungen in Form der Sachleistungen. Zusätzlich betreuen die Ambulanten Pflegedienste noch 470.000 Familien über die Kombinationspflege. Mit knapp 600.000 Kunden wurden 2017 insgesamt 4 % mehr Personen versorgt.

Im Gegensatz hierzu stieg der Anteil der Familien, die die Pflege ausschließlich alleine besorgen um 9 % auf über 1,56 Mio.

Zwischen 2 und 36 % bewegen sich die finanziellen Nutzungsquoten bei den Entlastungsleistungen. Die hier ausgewiesenen durchschnittlichen Jahreswerte erlauben keine Hochrechnung auf die tatsächliche Anzahl der Familien. Die Werte stellen die unterste Schwelle dar, können aber nicht einfach mal 12 Monate multipliziert werden, da mehrfache Nutzungsperioden je Familie einberechnet sind.

So berichtete der vorige Gesundheitsminister Gröhe im „Sechster Bericht der Bundesregierung
über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland“, dass 2015 insgesamt 500.000 Familien die Kurzzeitpflege genutzt hätten. Im gleichen Jahr wurden von 1,3 Mio. Pflegenden die Verhinderungspflege genutzt. Setzt man hier die damaligen Jahreswerte ins Verhältnis, so ergibt sich bei der Verhinderungspflege noch eine annähernd nachvollziehbare Anzahl von ca. 9 Monaten (1.300.000 / 140.317 = 9,2 Monate).

Bei der Kurzzeitpflege ist keine vernünftige Relation erkennbar (500.000 / 24.632 = 20,3 Monate).

Ich werde das Bundesgesundheitsministerium um Auskunft bitten.

Erläuterungen zu den eigenen Berechnungen, die von mir durchgeführt wurden:

  1. Die Anzahl der „Häuslichen Pflege“ berechnet sich aus der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen minus der stationär versorgten (3.301.999-838.478=2.463.521).
  2. Die Anzahl der von „Pflegenden Angehörigen“ versorgten Haushalte ist das Resultat der 2,4 Mio. „Häusliche Pflege“ minus ausschließlich derer nur über die „Ambulante Pflege“ versorgten (2.463.521-155.182=2.308.339)
  3. Die Gesamtanzahl der Pflegegeld-Empfänger berücksichtigt einen Anteil der als Nutzer einer Entlastungsleistung ausgewiesenen Personen. Dies erfolgt auch Subtraktion der Kombi-Leistungen und Pflegegrad 1 Bezieher von allen „Pflegenden Angehörigen“ (2.308.339-469.168-167.156=1.672.015)

Diese Methode ist auf Basis der zur Verfügung stehenden Daten mein Weg, um etwas Transparenz in den Pflege-Dschungel zu bekommen. Wer einen besseren Weg oder eine mathematisch plausiblere Methode kennt, soll sich gerne bei mir melden.

Als pflegender Angehöriger mit über 10 Jahren Erfahrung kenne ich den Pflege-Dschungel inzwischen recht gut.

Ich möchte Ihnen helfen, die organisatorischen Aufgaben der Pflege leichter zu bewerkstelligen.

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Alle Pflegeleistungen der Pflegeversicherung im Überblick

2 Kommentare

  1. Franzi Heine

    Danke für die Infos über die Pflege in Deutschland. Seitdem meine Nachbarin ambulante Pflege in Anspruch nimmt, habe ich mich auch mehr mit dem Thema auseinander gesetzt. Interessant, dass die ambulante Pflege nur 6,2% ausmacht.

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  2. Kyra

    Der Artikel zeigt, was ich schon bezüglich Pflege vermutet hatte. Die meisten Menschen werden in ambulanter Pflege betreut. Zudem übernehmen die Familien immer mehr von dieser Arbeit selbst. Ich sehe das in meinem eigenen Umfeld und kann nur vor jedem, der einen Angehörigen selbst pflegt, den Hut ziehen.

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