Rentenansprüche für Pflegende Angehörige – über diese 7 Brücken…

Infografik  Ambulante Betreuungsdienste - jetzt auch über Sachleistungen nutzbar

Auch die „Rente für Pflegende Angehörige“ Infografik darf für Präsentationen und/oder ihre Webseiten kostenlos genutzt werden. Sie finden eine hochauflösende Fotovorlage und eine PDF-Version in der Pflege-Dschungel Infografik-Sammlung zum Download.

Über sieben Brücken musst Du gehen …

Das Thema „Rentenansprüche für Pflegende Angehörige“ ist relativ komplex. Ja, auch ein wenig kompliziert.

Mit der Infografik und einigen Erläuterungen möchte ich für mehr Verständlichkeit sorgen.

Hierzu möchte ich folgende Punkte ansprechen:

Die einzelnen Abschnitte können durch anklicken direkt angesprungen werden.

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A. Welche 7. Schritte zur Erlangung der Anwartschaft von Rentenpunkten müssen bedacht und erfüllt werden?

1. Es muss mindestens der Pflegegrad 2 beim Versicherten vorliegen.

Wenn Sie einen Verwandten oder Freund umsorgen und begleiten, der bei der Pflegebegutachtung durch den MDK in den 6 Bewertungsmodulen in der Einschätzung der Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und Fähigkeiten „nur“ 26 Punkte bekommen hat, dann können Ihre Leistungen nicht durch die Anerkennung von Rentenpunkte gewürdigt werden.

Erst mit einem Punkt mehr können sie aufgrund des dann gültigen Pflegegrades 2 (ab 27 Punkte) die Unterstützung bei der Altersversorgung anmelden.

2. Besteht Versicherungsfreiheit?

Kommen wir gleich zum Entscheidungspunkt, bei denen früher die meisten älteren Pflegenden sich verabschiedet hatten.

Der Grundsatz lautet: Besteht Versicherungsfreiheit, so besteht seitens der Pflegeversicherung keine Versicherungspflicht. Stellt sich die Frage, ab wann und/oder für wen besteht Versicherungsfreiheit?

Die Antwort steht im sechsten Gesetzbuch zur Regelung der Rentenversicherung. Dort wird im § 5 ausführlich erläutert, welche Personengruppen „versicherungsfrei“ sind (z.B. Beamte, Richter, Berufssoldaten etc.). Rechts kann der gesamte Text nachgelesen werden.

Für die meisten ist die Regelaltersgrenze wichtig. Diese liegt derzeit (08.2018 bis 07.2019) bei 65 Jahren und 7 Monaten. Dies sind also diejenigen im Geburtsjahr 1953.

Bezieht man vor dieser Regelaltersgrenze eine Voll- oder Teilrente, so ist man nicht „Versicherungsfrei“ und kann zusätzliche Rentenpunkte mit der Pflege von Angehörigen oder Freunden „verdienen“. Dies betrifft z.B. alle Bezieher einer Altersrente für Schwerbehinderte oder das vorzeitiges Altersruhegeld als Vollrente.

Die gleiche Situation ist gegeben, wenn man nach dem Überschreiten der Regelaltersgrenze eine Teilrente bezieht.

Nur wenn man nach der Regelaltersgrenze eine Vollrente bezieht, ist eine Aufstockung durch die Honorierung einer Pflegeleistung nicht mehr möglich.

3. Flexirente

Mit der flexiblen Gestaltung der Teilrente will der Gesetzgeber den Eintritt in die vollständige Erwerbslosigkeit (Vollrente) flexibler gestalten.

Für Pflegende Angehörige oberhalb der Regelaltersgrenze war dies aber aufgrund der einschränkenden Rahmenbedingungen bisher nicht attraktiv.

Seit 1. Juli 2017 ist die Flexirente aber sehr viel interessanter geworden.

Mit den neuen Regelungen muss eine zu beantragende Teilrente nur noch mindestens 10 % ausmachen. Der Antragsteller kann selber festlegen, welchen vollen Prozentsatz er als Teilrente haben möchte.

In der Regel beantragen Pflegende Angehörige, die die Regelaltersgrenze überschritten haben, eine 99%-Teilrente.

Warum auf 1%-Rente verzichten?

Je nach persönlicher Situation (Höhe der Rente, Pflegegrad des Angehörigen, Leistungsform (Pflegegeld, Kombileistung oder Sachleistung) kann die zukünftige Rente deutlich aufgebessert werden.

Nehmen wir Frau Meier aus Bremen als Beispiel.

Als typische Hausfrau und Mutter von drei Kindern hat sie nur phasenweise sozialversicherungspflichtig gearbeitet und daher nur eine bescheidene Rentenanwartschaft „verdient“.

Angenommen ihr monatlicher Rentenanspruch beträgt 350 €. Sie ist jetzt 66 Jahre alt und pflegt ihren an Demenz erkrankten Ehemann schon seit vier Jahren.

Die Krankheit ist schon stark fortgeschritten und der MDK hat ihm den Pflegegrad 4 zuerkannt. Dreimal die Woche unterstützt die Familie ein Ambulanter Pflegedienst, der über die Kombinationspflege abgerechnet wird.

Aufgrund der aktuellen Erhöhung der Rentenpunkte würde Frau Meier ab Juli 2019 einen Entgeltpunktwert von 19,66 € als Anwartschaft nach weiteren 12 Monaten Pflege erhalten und ab August 2020 einen um diesen Betrag erhöhte Rente ausbezahlt bekommen.

Hierfür verzichtet sie für die kommenden 12 Monate auf 42 € (12* 3,5 € (1% von 350 € Rente)). Nach nur zwei Monaten rechnet sich die Umstellung und sie erhält durch die Anerkennung ihrer Rentenansprüche zusätzliche 16,16 € (ein Plus von 4,6%).
In den fünf Folgejahren „klettern“ ihre zusätzlichen monatlichen Rentenansprüche wie folgt (gleichbleibender Entgeltpunktwert angenommen):

2021 = 35,82 € (+10,3%)
2022 = 55,48 € (+15,6%)
2023 = 75,14 € (+21,5%)
2024 = 94,80 € (+27,1 %)
2025 = 114,46 € (+32,7%)

In 2025 kann die Pflege nicht mehr Zuhause bewerkstelligt werden.

Herr Meier kommt in eine Demenz-WG und seine Frau beantragt bei der Rentenanstalt wieder die Vollrente.

Sie bekommt nun wieder die 100 % und hat durch die Nutzung der Flexirente ab dann monatlich mit 464 € statt nur 350 € gut ein Drittel mehr Rente – und dies bis zu ihrem Lebensende – zur Verfügung.

Angenommen Frau Meier wird 95 Jahre, so hat der Wechsel zur Flexirente ihr für die Zeit von ihrem 67 bis 95 Lebensjahr eine zusätzliche Rente von über 36.000 € eingebracht. Unter Berücksichtigung von Rentensteigerungen und möglicher Höhestufung vermutlich deutlich über 40.000 €.

 

4. Mehr als 10 Std. Pflege pro Woche.

Bis zur Reform 2017 war noch der Nachweis von über 14 Stunden Pflegezeit pro Woche nötig, um in den Genuss von Rentenzahlungen zu kommen. Aktuell sind nur noch 10 Stunden hierfür notwendig.

Pflegen mehrere Personen den Pflegeempfänger (Mehrfachpflege), so muss für jede Person der individuelle Pflegeaufwand im Gutachten dokumentiert werden. Anhand des gesamten Pflegeaufwandes wird dann der prozentuale Anteil für die Pfleger ermittelt und der zustehende Rentenbeitrag entsprechend bei der Meldung auf die Beteiligten verteilt

 

5. Pflege an mindestens 2 Tagen die Woche.

Bei der Begutachtung zum Pflegegrad wird der oder die MDK Mitarbeiter/in klären „ob der Pflegeaufwand der einzelnen Pflegeperson nachvollziehbar bei wenigstens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage pro Woche, liegt“. Die Klärung basiert auf den Angaben, die Sie und der Pflegebedürftige ausgesprochen haben.

 

6. 30 Stunden-Regelung.

Die nächste „Brücke“ ist genommen, wenn Sie weniger als 30 Stunden regelmäßig beruflich tätig sind. Bei Vollzeitbeschäftigten geht der Gesetzgeber davon aus, dass ausreichend Rentenansprüche über ihren Arbeitgeber gezahlt werden.

 

7. Keine Profis am Werke.

Wird die Pflege im Rahmen einer gewerblichen Berufsausübung vorgenommen, kann kein Rentenantrag für die Pflegeperson eingereicht werden.

 

Die allerletzte Hürde ist genommen?

Fast. Eine „Brücke“ haben wir noch 😉

Wer bei der Pflegeversicherung für seinen Pflegenden Angehörigen die Zahlung der Rentenbeiträge beantragen will, der muss noch folgendes Formular gemeinsam mit dem Betroffenen ausfüllen (Achtung, hier eine nicht ganz aktuelle Version):

Formular zum Vergrößern bitte anklicken:

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SGB VI – Regelung der Rentenversicherung

Mit Klick auf den Titel unten öffnen!
§ 5 Versicherungsfreiheit
(1) Versicherungsfrei sind

1. Beamte und Richter auf Lebenszeit, auf Zeit oder auf Probe, Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit sowie Beamte auf Widerruf im Vorbereitungsdienst,

2. sonstige Beschäftigte von Körperschaften, Anstalten oder Stiftungen des öffentlichen Rechts, deren Verbänden einschließlich der Spitzenverbände oder ihrer Arbeitsgemeinschaften, wenn ihnen nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen Anwartschaft auf Versorgung bei verminderter Erwerbsfähigkeit und im Alter sowie auf Hinterbliebenenversorgung gewährleistet und die Erfüllung der Gewährleistung gesichert ist,

3. Beschäftigte im Sinne von Nummer 2, wenn ihnen nach kirchenrechtlichen Regelungen eine Anwartschaft im Sinne von Nummer 2 gewährleistet und die Erfüllung der Gewährleistung gesichert ist, sowie satzungsmäßige Mitglieder geistlicher Genossenschaften, Diakonissen und Angehörige ähnlicher Gemeinschaften, wenn ihnen nach den Regeln der Gemeinschaft Anwartschaft auf die in der Gemeinschaft übliche Versorgung bei verminderter Erwerbsfähigkeit und im Alter gewährleistet und die Erfüllung der Gewährleistung gesichert ist,
in dieser Beschäftigung und in weiteren Beschäftigungen, auf die die Gewährleistung einer Versorgungsanwartschaft erstreckt wird. Für Personen nach Satz 1 Nr. 2 gilt dies nur, wenn sie

1. nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen Anspruch auf Vergütung und bei Krankheit auf Fortzahlung der Bezüge haben oder

2. nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen bei Krankheit Anspruch auf Beihilfe oder Heilfürsorge haben oder

3. innerhalb von zwei Jahren nach Beginn des Beschäftigungsverhältnisses in ein Rechtsverhältnis nach Nummer 1 berufen werden sollen oder

4. in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis stehen.
Über das Vorliegen der Voraussetzungen nach Satz 1 Nr. 2 und 3 sowie nach Satz 2 und die Erstreckung der Gewährleistung auf weitere Beschäftigungen entscheidet für Beschäftigte beim Bund und bei Dienstherren oder anderen Arbeitgebern, die der Aufsicht des Bundes unterstehen, das zuständige Bundesministerium, im Übrigen die oberste Verwaltungsbehörde des Landes, in dem die Arbeitgeber, Genossenschaften oder Gemeinschaften ihren Sitz haben. Die Gewährleistung von Anwartschaften begründet die Versicherungsfreiheit von Beginn des Monats an, in dem die Zusicherung der Anwartschaften vertraglich erfolgt.
(2) Versicherungsfrei sind Personen, die eine

1. Beschäftigung nach § 8 Absatz 1 Nummer 2 oder § 8a in Verbindung mit § 8 Absatz 1 Nummer 2 des Vierten Buches oder

2. geringfügige selbständige Tätigkeit nach § 8 Absatz 3 in Verbindung mit § 8 Absatz 1 oder nach § 8 Absatz 3 in Verbindung mit den §§ 8a und 8 Absatz 1 des Vierten Buches
ausüben, in dieser Beschäftigung oder selbständigen Tätigkeit. § 8 Absatz 2 des Vierten Buches ist mit der Maßgabe anzuwenden, dass eine Zusammenrechnung mit einer nicht geringfügigen selbständigen Tätigkeit nur erfolgt, wenn diese versicherungspflichtig ist. Satz 1 Nummer 1 gilt nicht für Personen, die im Rahmen betrieblicher Berufsbildung beschäftigt sind.
(3) Versicherungsfrei sind Personen, die während der Dauer eines Studiums als ordentliche Studierende einer Fachschule oder Hochschule ein Praktikum ableisten, das in ihrer Studienordnung oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist.
(4) Versicherungsfrei sind Personen, die

1. nach Ablauf des Monats, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wurde, eine Vollrente wegen Alters beziehen,

2. nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen oder entsprechenden kirchenrechtlichen Regelungen oder nach den Regelungen einer berufsständischen Versorgungseinrichtung eine Versorgung nach Erreichen einer Altersgrenze beziehen oder die in der Gemeinschaft übliche Versorgung im Alter nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 erhalten oder

3. bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze nicht versichert waren oder nach Erreichen der Regelaltersgrenze eine Beitragserstattung aus ihrer Versicherung erhalten haben.
Satz 1 gilt nicht für Beschäftigte in einer Beschäftigung, in der sie durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber auf die Versicherungsfreiheit verzichten. Der Verzicht kann nur mit Wirkung für die Zukunft erklärt werden und ist für die Dauer der Beschäftigung bindend. Die Sätze 2 und 3 gelten entsprechend für selbständig Tätige, die den Verzicht gegenüber dem zuständigen Träger der Rentenversicherung erklären.

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Lesetipp:.

Umfassende Broschüre der Deutschen Rentenversicherung.
Mit einem Klick auf das Bild laden Sie sich die PDF-Version runter.

B. Wie entwickeln sich die Entgelte in der kommenden Periode 2019/20?

Die allgemein gute wirtschaftliche Situation führte in den vergangenen Jahren zu Lohnerhöhungen, die sich ab Juli dieses Jahres in Erhöhungen der Renten widerspiegeln.

Die durchschnittlichen Entgeltgrößen (Jahreseinkommen), die für die Berechnung der Entgeltpunkte mit als Basis dienen, steigen im Westen um 2,39 % auf 39.828 € (3.319 € pro Monat) und im Osten auf 36.960 € (3.080 € pro Monat).

Die Entgeltwerte für die Anwartschaft für ein Jahr Pflege steigt im Westen um 3,18 % auf 33,05 € und im Osten um 3,91 % auf 31,89 €.

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C. Welche Wertschätzung wird mit den Leistungsstaffelungen den Pflegenden Angehörigen entgegengebracht?

Grundsätzlich ist eine aufwandsabhängige Einstufung der Rentenleistungen als Verfahren zu begrüßen.

Der Gesetzgeber irrt jedoch, wenn er davon ausgeht, dass Sorgenden und Pflegende Angehörige von Angehörigen im Einstufungsbereich des Pflegegrad 1 (12,5 bis 27 Punkte) keine Leistung erbringen.

Eine Diskussion hierüber an dieser Stelle würde aber den Rahmen sprengen.

Ärgerlich ist aber nach wie vor die Kürzung der Entgeltwerte bei der Hinzuziehung von Unterstützungsleistungen durch Ambulante Dienste.

Werden professionelle Helfer in Form der Kombinationsleistung in Anspruch genommen, wird a.) im prozentualen Verhältnis das Pflegegeld gekürzt und b.) der Entgeltwert für den jeweiligen Pflegegrad um 15 % reduziert.

Verzichtet die Familie gänzlich auf das Pflegegeld, weil die Mittel gänzlich in den Ambulanten Pflegedienst investiert werden müssen, reduziert sich die Rentenanwartschaft  um 30%.

Ist das fair?

Die Entgeltwerte orientieren sich wie Eingangs beschrieben an den durchschnittlichen Monatseinkommen. Dieses basiert auf einem durchschnittlichen Arbeitszeitvolumen von ca. 38,01 Stunden pro Woche (Stand 2018).

In den Studien „Wirkung des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) und des ersten Pflegestärkungsgesetzes (PSG1)“ im Auftrag des BMG und „Pflege in den eigenen vier Wänden: Zeitaufwand und Kosten“ der Hans Böckler Stiftung kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass folgende durchschnittliche Arbeitszeiten je Pflegestufe (PS) geleistet werden:

Siehe Grafik rechts.

Ein wesentlicher Grund für die weit über dem Durchschnitt ausgewiesenen Arbeitsstunden pro Woche der Sorgenden und Pflegenden Angehörigen liegt auch in dem Umstand, dass entgegen der normalen wöchentlichen Arbeitszeit, die an nur 5 Tagen stattfindet, sich die Leistung der Angehörigen in der Regel auf 7 Tage erstreckt.

Dabei ist ein Urlaubsanspruch, den es bei den Pflegenden Angehörigen nicht gibt, nicht mit einberechnet.

Eine Transformation dieser Daten auf die heutigen Pflegegrade würde ebenfalls zeigen, dass die Reduktion des Entgeltwertes für die Übernahme der kompletten Pflege durch die Pflegenden Angehörigen (ausschließlich Pflegegeld) nur allein aufgrund des Pflegegrades schon deutlich unter jeglichem Aufwands-Niveau liegen würde, das die Studien ermittelt haben:

BRD = 38 Stunden
PG 5: 100 % = 38 Stunden (vgl. PS 3: 46,8 und 75,7 Stunden)
PG 4: 70 % = 26,6 Stunden (vgl. PS 2: 38,7 und 55,7 Stunden)
PG 3: 43 % = 16,3 Stunden (vgl. PS 1: 25,0 und 46,6 Stunden)
PG 2: 27 % = 10,3 Stunden (vgl. PS 0: 24,8 und 39 Stunden)

Die Hinzunahme von professionellen Unterstützungshilfen wird bei fast allen Familien dafür genutzt, die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen für die Aufrechterhaltung des Löwenanteils der Pflege sicherzustellen.

Für dieses sinnvolle Vorgehen dann durch Reduzierung der Rentenansprüche „benachteiligt“ zu werden, ist nicht mehr zeit- und sachgemäß.

Eine Wertschätzung der Leistung der Pflegenden Angehörigen sollte hier anders aussehen!

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D. Wie sieht Wertschätzung in anderen vergleichbaren Situationen aus?

Kennen Sie die aktuelle Renten-Regelung für Eltern, die ihre Kinder erziehen?

Nein? Tolle Wertschätzung, die den Menschen hier entgegengebracht wird.

Als Anerkennung ihrer Leistungen zahlt der Staat für den Haupterzieher für 36 Monate die Beiträge für einen ganzen Entgeltpunkt (ab Juli 33,05 € * 3 = 99,15 € jährlich höhere Rente).

Ohne Wenn und Aber.

Wenn Mütter oder Väter ihr Kind in Deutschland erziehen und dort mit ihm leben, übernimmt der Staat die Rentenbeiträge für bis zu 36 Monate. Neben den leiblichen Eltern können unter bestimmten Bedingungen auch Adoptiv-, Stief- oder Pflegeeltern Kindererziehungszeiten für die eigene Rente erhalten. (Quelle: Deutsche Rentenversicherung)

Kann man die Eltern-Situation mit der der Sorgenden und Pflegenden Angehörigen vergleichen?

Qualitativ ist dies vielleicht problematisch – quantitativ ist dies aber möglich.

Laut aktuellem Bericht der Deutschen Rentenversicherung kostet dem Bund (Steuerzahler) aktuell ein Entgeltpunktwert monatlich 579,39 € im Monat.

2017 lag dieser Wert noch bei 556,33€. In diesem Jahr wurde die Renten-technische Absicherung der Kindererziehungszeit mit ca. 6.675 € finanziert.

2017 wurden mit 785.250 etwas weniger Kinder geboren als im Vorjahr (792.140).

Um den Wert der maximalen Investitionen für die Renten der Eltern zu ermitteln, müssen aufgrund der unterschiedlichen Entgeltpunktwerte für West und Ost getrennte Ausweisungen der Geburten erfolgen.

Auf Basis der Statistik „Lebendgeborene: Bundesländer, Jahre, Geschlecht“ vom Statistischen Bundesamt wurden 678.664 Kinder in den Alten Bundesländern und 106.220 Kinder in den Neuen Bundesländern geboren. Insgesamt beruht die Berechnung damit auf etwas weniger Neugeborenen (784.884).

Auf Basis der „Zahlen und Tabellen der gesetzlichen Rentenversicherung“ 
wurden als Beiträge in die Rentenversicherung für West 6.675€ und für Ost 6.441€ (96,5 % von West-Niveau) angenommen.

Setzt man nun die Kosten für den Bund ins Verhältnis zur Bereitschaft, für jedes Kind einem Elternteil einen Entgeltpunktwert für seine Erziehungsleistung als Anwartschaft gutzuschreiben, errechnet sich aus den oben genannten Parametern ein theoretisches Investitions-Volumen von 5.214.965.240 € .

Wie die Grafik veranschaulicht, wird den Eltern von knapp 800.000 Kindern für ihre Erziehungsbereitschaft eine (theoretische) Wertschätzung von 5,2 Mrd. Euro zuteil. Das ist toll!

Im Verhältnis dazu wird seitens der Pflegeversicherung den zumindest 2.4 Mio. Pflegenden Angehörigen (oder Freunden und Nachbarn) mit nur 1,5 Mrd. Euro Rentenleistungen eine relativ deutlich geringere Wertschätzung entgegengebracht.
Durch die Ausgrenzungsparamter (7 Brücken) reduzierte sich der Kreis der Berechtigten ohnehin auf nur noch ca. 560.000 Pflegende.

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E. Welche Konsequenzen haben die Änderungen im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes (PSG 2) seit 2017 bewirkt?

Mit einem Anstieg um über 56 % waren die Aufwendungen für die soziale Absicherung der Pflegenden die 2017 am stärksten gestiegene Einzelposition im Kostenplan der Pflegeversicherung.

Von knapp unter 1 Mrd. € auf über 1,54 Mrd. stiegen die Ausgaben.

In den vergangenen Jahren bis Ende 2015 stieg der Kreis der Anspruchsberechtigten moderat im Rahmen der normalen Entwicklung bei der Zuname der Pflegebedürftigen. Für 2016 schätze ich anhand der Ausgaben- und Pflegebedürftigen-Entwicklung die Berechtigten auf ca. 430.000 Personen.

Für die Prognose der Rentenberechtigten 2017 sind vier Faktoren zu berücksichtigen:

  1. Starker Anstieg alle Pflegebedürftigen durch Öffnung für kognitive Themen (über 550.000 zusätzliche Pflegebedürftige, Anstieg um 20%)
  2. Erweiterung des berechtigten Personenkreises durch Senkung der wöchentlichen Zeitvorgabe von 14 auf 10 Stunden
  3. Neue Leistungsempfänger durch Absenkung der Teilrenten-Regelung auf 99% (Stichwort Flexirente)
  4. Erhöhung der durchschnittlichen Ausgaben je Rentenberechtigten durch den doppelten Pflegegradsprung bei der Umstellung der Pflegestufen zum 1.1.2017.

Aufgrund dieser Faktoren schätze ich die Anzahl auf 560.000 Personen.

Erste Erwartungen für 2018 gehen von einem erneut kräftigen Wachstum bei den Ausgaben aus. 2019 könnte die 2 Mrd. Grenze erreicht sein.

Es stellt sich die Frage, wie lange die Rentenzahlungen als pflegefremde Kosten noch über die Pflegeversicherung zu zahlen sind.

Eine Ausgliederung der Rentenabgaben würde Luft zur Finanzierung besserer Löhne in der formellen Pflege und Entlastungsleistungen in der informellen schaffen (Stichwort Entlastungsbudget). 

Eine dringend notwendige gerechtere Wertschätzung der Sorgenden und Pflegenden Angehörigen auf dem Niveau der Rentenleistungen für erziehende Eltern wäre sicherlich über den Bund/Staat einfacher zu realisieren.

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