Lebensbegleitende Beratung und Unterstützung

durch Pflege-Copiloten

Ein einfaches, gebündeltes Angebot aus einer Hand

Infografik Pflege-Copilot soll deutschlandweit helfen.

Auch die Pflege-Copiloten Infografik darf für Präsentationen und/oder ihre Webseiten kostenlos genutzt werden. Sie finden eine hochauflösende Fotovorlage und eine PDF-Version in der Pflege-Dschungel Infografik-Sammlung zum Download.

Im folgenden Artikel verwenden wir die Berufsbezeichnung der „Copilotin“ synonym auch für den männlichen Kollegen. 

„Die Pflegenden Angehörigen sollen sich in die Diskussion einbringen“

Anlässlich der Informations- und Diskussionsveranstaltung „Überforderung in der häuslichen Pflege von Anfang an vermeiden“ am 21.November in Berlin wurde über das vom Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung initiierte Konzept der „Pflege Ko-Piloten“ diskutiert.

Herr Westerfellhaus regte hierbei an, dass die Pflegenden Angehörigen die Diskussion sowie die Entwicklung und Ausgestaltung mit eigenen Ideen und Wünschen begleiten sollen. Dieser Bitte sind die bei der Veranstaltung anwesenden Pflegenden Angehörigen nachgekommen und haben Herrn Westerfellhaus ihre Empfehlungen zur „Pflege-Copilotin“ übermittelt.

Gemeinsam mit Kornelia Schmid vom Pflegende Angehörige e.V. und vielen anderen Pflegenden Angehörigen haben wir diese Ideen zur Ausgestaltung eines Pflege-Copiloten-Angebotes entwickelt und dokumentiert.  

Nachfolgend die Eckpunkte der Überlegungen als Diskussionsbeitrag, die wir auch als Infografik aufbereitet haben.

„Wir denken, ein Pflege-Copiloten Angebot hat das Potenzial, durch Vereinfachung und Entbürokratisierung innovative Impulse für positive Entwicklungen in der Pflege insgesamt zu geben.“

1. Die Zielsetzung für die Pflege-Copilotin

Die vom Pflegebevollmächtigten beschriebene Zielsetzung des „Pflege Ko-Piloten (Koordination-Pflege im Lot) für die häusliche Pflege“ haben wir für interessierte Leser rechts als Auszug aus dem Konzept-Papier des Pflegebevollmächtigten beigefügt.

Wir fassen diese Aufgabenstellung in die drei wesentlichen Säulen zusammen:

Die drei Hauptziele der Pflege-Copilotin

Exkurs: „Konzept des Pflege Ko-Piloten (Koordination-Pflege im Lot) für die häusliche Pflege „

„Ziel des Pflege Ko-Piloten soll sein, Pflegebedürftige und Pflegepersonen insbesondere zu Beginn einer Pflegesituation vertrauensvoll zu begleiten, sie auf die Aufgaben, aber auch mögliche Konflikte vorzubereiten, Fragen zu beantworten, auf unterstützende, bestehende Strukturen zu verweisen.

Er soll so Pflegebedürftigen und Pflegepersonen ermöglichen, ihre Bedürfnisse und Be- lange ins Gleichgewicht, ins Lot zu bringen und möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden zu führen.

Eine kontinuierliche Begleitung durch den Pflege Ko-Piloten würde in der Folge nicht nur viele Fälle unangemessenen Verhaltens in der häuslichen Pflege verhindern. Sie würde vor allem dazu beitragen, die gesundheitliche Situation und die Lebensqualität sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Pflegepersonen zu verbessern und damit die häusliche Pflege insgesamt zu stärken.

Dieser präventive Ansatz würde zudem bereits mittelfristig zu Einsparungen, vor allem durch geringere Krankheitskosten bei Pflegebedürftigen und Pflegepersonen, führen, die die Kosten des Pflege Ko-Piloten deutlich übersteigen werden.“

2. „The most useful of“ – das gebündelte Angebot“

Wir denken, dass es nicht sinnvoll ist, mit den Pflege-Copiloten ein viertes Angebot in der Pflegeberatung zu schaffen. Im Prinzip finden wir die notwendigen Instrumente und Teil-Konzepte in den Angeboten der Leistungen §7a, §45 und §37/3 bereits dokumentiert.

Ergänzt werden diese durch die theoretisch möglichen Angebote innerhalb des Leistungsangebotes des §45a (Pflegebegleitung und unterstützende Assistenzleistungen).

Die extreme Komplexität und unvermeidlichen Bürokratismus für die Nutzung durch zu Pflegende und ihre Pflegende Angehörige ersparen wir an dieser Stelle erneut zu erläutern. Sie sind hinlänglich bekannt. Auch die erheblichen Nachteile durch die Diskontinuität bei den handelnden Personen sind dokumentiert.

Wir empfehlen die nützlichsten Teilleistungen der vier Leistungskomplexe in ein einfach abzurufendes Angebot zu bündeln.

Das gebündelte Angebot der Pflege-Copilotin

Das gebündelte Angebot des Pflege-Copiloten
Für Familien, die mit einer Pflege-Copilotin zusammenarbeiten, entfallen die 
§ 37/3 Pflichtbesuche. Zusätzliche Angebote können bei Bedarf genutzt werden.

3. Personelle Ressourcen & Kompetenz-Erweiterungen

Das Basis-Potenzial der Pflege-Copiloten bilden interessierte Pflegeberater/innen mit der Qualifikation der Ausbildung nach § 7a und §45. Diese können als Freiberufliche, als Mitarbeiter Ambulanter Pflegedienste oder anderer Beratungsorganisationen tätig sein.

Die Rahmenbedingungen der Pflege-Copilotin sollte so attraktiv ausgestaltet sein, dass das Berufsbild für viele ehemalige Pflegefachkräfte, die die Pflege verlassen haben, eine interessante Wiedereinstiegs-Perspektive bietet.

Ergänzend sollen ehemalige Pflegende Angehörige für die Pflege-Copilotin motiviert werden. Viele fallen nach dem Wegfall ihrer teilweise seit Jahrzehnten ausgeübten qualifizierten häuslichen Pflegetätigkeit in ein großes „Loch“.
Vielen droht pflegebedingte Altersarmut.
Eine schöne Win-Win-Perspektive.

Welche Kompetenzen ergänzen?

Für die beiden letzteren Zielgruppen müssen geeignete Basis-Qualifikationen im Kontext der Pflegeberatung geschaffen werden.

Für alle müssen die vorhandenen Kompetenzen im Bereich der sensiblen Kommunikation auf ein für die Aufgaben notwendiges Qualifikationsniveau ausgerichtet werden.

Schwarmwissen und einheitliche digitale Informationsstrukturen sollen den Kompetenzaufbau im Bereich lokales „Networking“ erleichtern.

Schulungen für den Umgang und Nutzung des auf die Bedürfnisse des Pflege-Copiloten angepassten OMAHA-Systems und des digitalen Pflege-Cockpits runden die Kompetenz-Erweiterung ab.

Wo geeignete Beratungskräfte finden?

Personelle Ressourcen & Kompetenzen der Pflege-Copiloten
„Zum Vergrößern bitte anklicken“

Exkurs aus dem Konzeptpapier:

Der Pflege Ko-Pilot sollte folgenden Eckpunkten genügen:

Die Zielgruppe des Pflege Ko-Piloten sind Pflegepersonen und Pflegebedürftige, die erstmals in einen Pflegegrad eins bis fünf eingestuft werden, oder die bereits zuhause gepflegt werden und deren Pflegesituation eine Änderung erfährt.

 

  • Der Pflege Ko-Pilot soll als eigener Leistungsanspruch sowohl bei der Inanspruchnahme von Pflegegeld wie bei der Inanspruchnahme von Sachleistungen bei häuslicher Pflege bestehen.
  • Im Rahmen des Pflege Ko-Piloten sollen wiederholt, zu Beginn engmaschiger und im Laufe der Zeit dauerhaft in einer reduzierten Frequenz, Besuche im häuslichen Umfeld der Pflegebedürftigen stattfinden.
  • Der Pflege Ko-Pilot soll Pflegebedürftigen und Pflegepersonen nicht nur die für die Pflegesituation relevanten Informationen vermitteln, sondern sie auch umfassend stärken und befähigen, ihre Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen (Empowerment).
  • Für diese Aufgaben umfasst die Qualifikation des Pflege Ko-Piloten neben pflegerelevanten auch psychosoziale und beraterische Fachkenntnisse, um den Bedarfen im Einzelfall vor Ort gerecht werden zu können. Der Pflege Ko-Pilot erfordert damit einen eigenständigen Leistungserbringer mit einem spezifischen Qualifikationsprofil.
  • Den Pflegehaushalten soll der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zum Pflege Ko-Piloten ermöglicht werden. Das setzt voraus, dass Pflegebedürftige und Pflegepersonen im Pflege Ko-Piloten einen dauerhaft festen Ansprechpartner erhalten.
  • Die Unabhängigkeit der Pflege Ko-Piloten muss gewährleistet sein. Eine Durchführung des Pflege Ko-Piloten durch Pflegekassen oder dem MDK würde dem nicht gerecht. Der Pflegebevollmächtigte regt daher an, den Pflege Ko-Piloten mit den Beratungsbesuchen nach
§ 37 Abs. 3 SGB XI zu verbinden.“

4. Verfügbare Stundenkontingente

Die nachhaltige Wirkung der Beratungsleistung der Pflege-Copilotin ist gerade in dieser Anfangsphase von wegweisender Bedeutung für die Familien. 
Aus unsere Sicht ist der Beratungs- und Begleitungsbedarf je nach Pflegegrad unterschiedlich hoch.
Wir empfehlen, den Familien ein Stundenkontingent gestaffelt nach Pflegegraden zur Verfügung zu stellen. Dies sollte zwischen 4 und 16 Stunden für eine ca. vierwöchige Startphase in Abhängigkeit der Herausforderungen und Aufgaben liegen. Das Kontingent kann bei begründeter individueller Problemlage aufgestockt werden.

Eine „akute Phase“ kann sich auch im Verlaufe einer z.B. mehrjährigen Pflegesituation ergeben (Unfall, Sturz, Schlaganfall etc.). Die Unterstützung der Pflege-Copilotin greift auch dann.

Da auch Pflegende Angehörige ein im SGB XI zu verankerndes Recht auf „Lebensbegleitende Beratung und Unterstützung“ haben sollen (siehe auch Exkurs rechts) , muss der Stundenbedarf anhand der individuellen Situation der Pflegenden Angehörigen ggf. entsprechend justiert werden. Eine „akute Phase“ kann auch durch die veränderte Situation beim Pflegenden Angehörigen ausgelöst werden.

Im weiteren Verlauf reduziert sich die Betreuungsintensität in zwei Stufen im Umfang der erreichten Selbständigkeit der Familien im Umgang mit der Pflegesituation. 
Die Angaben sind durchschnittliche Monatswerte.

Wer, wann, wieviel?

Stundenkontingente an Pflege-Copiloten Unterstützung
Über das gemeinsam genutzte Pflege-Cockpit wird eine kontinuierliche Kommunikation und Begleitung bis zum Ende der Pflegesituation gewährleistet.

Exkurs aus der VERA-Studie

Empfehlung Nr. 7:

Erweiterung der eigenen pflegeversicherungsrechtlichen Beratungsansprüche des pflegenden Angehörigen
Die Praxis zeigt, dass Beratungsangebote vielfach nicht von dem Pflegebedürftigen selbst, sondern von den pflegenden Angehörigen wahrgenommen werden. Daher wäre es konsequent, den Hauptpflegepersonen (weitere) eigene gesetzliche Beratungsansprüche einzuräumen.

Diesbezüglich könnte § 7a Abs. 1 SGB XI ergänzt werden. Die Beratung der Angehörigen müsste dabei nicht nur die Unterstützung bei der Pflege selbst betreffen.

Die Belastung und Überlastung der Angehörigen, die oft die Ursache für Gewalt in der Pflege ist, hängt vielmehr auch mit psychologischen Faktoren, mit Isolation sowie mangelnder emotionaler Unterstützung und Wertschätzung durch Dritte zusammen.

Das gilt nicht zuletzt im Umgang mit demenzkranken Menschen. Insoweit bedarf es auch einer Beratung, die auf psychologische und gerontopsychiatrische Unterstützung zielt und sich mit den individuellen Bedürfnissen und Kompetenzbedarfen der pflegenden Angehörigen auseinandersetzt.

Hier kann die Zusammenfassung des VERA-Projektes heruntergeladen werden.

5. Notwendige Pflege-Copiloten Spezialisierung

Das Gros der zu Pflegenden in den Pflegegraden 1 bis 3 werden ähnliche Bedürfnis-Strukturen haben. Hier sollten alle Pflege-Copiloten wirkungsvoll tätig werden können.

Pflegebedürftige mit schwersten Einschränkungen an Fähigkeiten und Selbständigkeit (Pflegegrad 4 und 5) bedürfen jedoch häufig besonderer Zuwendung und spezieller Kompetenzen bei der Beratung und Begleitung.

Ähnlich sieht es bei demenziell Erkrankten und ihren Familien aus. Und auch Kinder und ihre Eltern benötigen ein anderes, auf ihre Sorgen und Nöte ausgerichtetes Kompetenzfeld.

Zu Pflegende und ihre Familien mit Migrationshintergrund haben aufgrund sprachlicher und kultureller Eigenschaften ebenfalls gesonderte Kompetenzen als Anforderung an die Pflege-Copiloten.

Diese Spezialisierungen müssen bei der Rekrutierung von Beratungskräften berücksichtigt werden.

Spezifische Kompetenzen notwendig“

Pflege-Copiloten Spezialisten

6. Workflow – die Aufgaben

Pflege-Copiloten sollen in kleinen regionalen Teams zusammenarbeiten, um die Netzwerk-Arbeit effektiver zu gestalten, sich durch Wissensaustausch weiterentwickeln zu können und Organisationsthemen selbständig durchzuführen.

Die Teams werden durch Coachs und eine zentrale Organisationseinheit (Admin, Software, Schulung etc.) unterstützt.

Pflege-Copilot Workflow

Die drei wesentlichen Säulen des Arbeitsablaufs bilden: das OMAHA-System, Networking und die Steuerung des Pflege-Cockpits. Die drei Bereiche werden nachfolgend näher erläutert.

6.1. OMAHA System

Wir empfehlen, die Eignung des OMAHA-System als einheitliche Arbeitsgrundlage für die Pflege-Copiloten zu evaluieren.

Das OMAHA-System ist ein bestmöglich erforschtes und international erprobtes Klassifikationssystem für die Gesundheits- und Krankenpflege.

Die Arbeit am Omaha-System begann in den 70er-Jahren durch die Mitarbeiter der Visiting Nurse Association (VNA) aus Omaha (Nebraska). Ziel war es, einen nützlichen Leitfaden für die Praxis, eine Dokumentationsmethode und einen Rahmen für das Informationsmanagement bereitzustellen.

Seit 1992 ist es das von der American Nurses Association (ANA) anerkannte System.

Bei unseren Nachbarn in Holland arbeiten über 10.000 Pflegekräfte innerhalb der Buurtzorg-Organisation mit einer komplett digitalisierten OMAHA Software-Version.

Die verbindliche Nutzung von OMAHA als Arbeitsgrundlage der Pflege-Copiloten hat folgende Vorteile:

  • Umfassende Erfassung aller relevanten Problembereiche.
  • Ermöglicht ein aussagekräftiges Bild über die zu beurteilende Pflegeperson.
  • Bundesweit einheitlicher Standard für alle autorisierten Systembeteiligten.
  • Praxiserprobte, gut zu erlernende Aufbau-Struktur als papierloses Werkzeug.
  • Verknüpfung mit individuellen Informationen zum Pflegenden Angehörigen.
  • Integrierte Erfolgsmessung durch Überprüfung von 75 definierten Zielen.
  • Integration relevanter Netzwerkpartner.
  • Kontinuierliche, automatisierte „Lessons learned“ für alle.

Spezifische Kompetenzen notwendig“

Das OMAHA-System für den Pflege-Copiloten
„Zum Vergrößern bitte anklicken“

Exkurs OMAHA-System (Quelle: Wikipedia)

Die drei Bestandteile des Omaha-Systems ergeben nach Auswertung ein aussagekräftiges Bild über den zu beurteilenden Pflegebedürftigen und können, da sie auf dem Pflegeprozess beruhen, die Pflegequalität und die individuelle Betreuung pflegefachlich dokumentieren, unterstützen und vorantreiben.

Das Problemklassifikationsschema (Problem Classification Scheme) dient zur Beschreibung der Bedürfnisse und Ressourcen des Pflegebedürftigen und besteht aus vier Bereichen (Domains) und darin enthaltenen 42 Konzepten (Concepts). Die Domains sind in an das sogenannte Metaparadigma der Pflege angelehnt, das die Paradigmen Mensch, Umwelt, Pflege und Gesundheit/Krankheit beschreibt und definiert sich über die Bereiche:

Umwelt (Environmental Domain): Mit Umwelt wird der materielle und physische Rahmen, das persönliche Umfeld, die Wohnsituation und die Gesellschaft beschrieben. Beispiele hierfür sind Einkommen, Wohnung, Nachbarschaft, Sicherheit des Arbeitsplatzes und hygienische Bedingungen des Umfeldes.
Psychosozialer Bereich (Psychological Domain): Dieser Bereich beschreibt die Verhaltensmuster, die Emotionen, das Kommunikationsverhalten, die Beziehungsmuster und die Entwicklung des Individuums. Hierzu gehören beispielsweise der soziale Kontakt, die Spiritualität, Sexualität, das Rollenverständnis, die geistige Gesundheit und der Entwicklungszustand.
Physiologischer Bereich (Physiological Domain): Lebenserhaltende Funktionen und Prozesse werden durch diesen Bereich erfasst. Beispielsweise gehören die Sinne, Schmerz, Bewusstseinszustand, Kreislaufsituation, Verdauung und Reproduktion in diesen Bereich.
Gesundheitsbezogenes Verhalten (Health Related Behaviors Domain): Der Bereich beschreibt die Verhaltensmuster, die dazu dienen, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu erhalten und zu fördern und Gesundheitsschädigungen zu vermeiden. Beispiele hierfür sind die Ernährung, der Schlaf-Wachrhythmus, die persönliche Hygiene, Familienplanung und die Medikamenteneinnahme.

Modifikatoren
Jedes pflegerische Problem wird durch zwei Modifikatoren (Modifier) weiter aufgegliedert und dadurch näher beschrieben. Jeder Modifikator kann dabei eine von drei verschiedenen Ausprägungen annehmen. Der erste Modifikator beschreibt die Individualität (Individual), die Familie (Family) und die Gesellschaft (Community), der zweite Modifikator beschreibt die aktuelle Situation (Actual), die Potentiale (Potential) und die Gesundheitsförderung (Health Promotion).
Signale und Symptome
Aus einer definierten Liste von Signalen und Symptomen (Signs and symptoms) kann die Pflegekraft jene auswählen, die das Pflegeproblem am konkretesten beschreiben.

Interventionsschema
Kategorien
Das Interventionsschema (Intervention Scheme) umfasst die Darstellung der Interventionen durch die Pflegeperson und gliedert sich in 4 Kategorien (Categories).

Information, Beratung und Begleitung (Teaching, Guidance and Counseling): Diese Kategorie umfasst alle Handlungen, die den Gepflegten zur Selbstpflege anleiten, sowohl durch die Weitergabe von Informationen, wie auch durch die Unterstützung des Individuums und seinem sozialen Umfeld bei der Entscheidungsfindung und Problemlösung.
Behandlung und pflegerische Maßnahmen (Treatments and Procedures): In dieser Kategorie werden alle pflegetechnischen Maßnahmen erfasst, die der Gesunderhaltung, Prävention oder Linderung von Symptomen dienen. Darunter fallen beispielsweise die Wundversorgung und die Überwachung der Medikamenteneinnahme.
Fallmanagement (Case Management): Hierin werden die Handlungen zusammengefasst, die die Kommunikation zwischen Gesundheitsdienstleistern und Individuum verbessern oder möglich machen und dem Gepflegten einen adäquaten Zugang zu entsprechenden Ressourcen ermöglicht.
Überwachung/Beobachtung (Surveillance): Diese Kategorie umfasst neben der klassischen Krankenbeobachtung alle Bereiche, die dazu dienen, einen bestimmten Zustand des Individuums und seines Umfeldes zu bemerken, zu überwachen und zu bewerten.

Ziele
Um die pflegerische Zielsetzung näher zu beschreiben, stehen 75 definierte Ziele (Targets) zur Verfügung, um den Angriffspunkt der Pflegemaßnahmen zu charakterisieren. Darunter fallen beispielsweise Anatomie, Blasenkontrolle, Kommunikation, Disziplin, Haushaltsführung, Schlaf, Diätische Maßnahmen, Copingstrategien, Physiotherapie, Familienplanung, Zahnhygiene, Hautpflege, Prävention und Mobilität.

Klientenspezifische Informationen
Auf der dritten Ebene des Interventionsschemas werden durch die Pflegeperson individuelle und für den Pflegebedürftigen spezifische Informationen erfasst (Client-specific Information).

Skala für erwartete Pflegeprobleme
Mit einer Skala für erwartete Pflegeprobleme (Problem Rating Scale of Outcome) werden die erwarteten Ergebnisse in einem Skalierungsverfahren, angelehnt an eine fünfstufige Likert-Skala für die drei Konzepte Wissen (Knowledge), Verhalten (Behavior) und Zustand (Status) bewertet. Die Ergebnisse dienen als Anleitung und Hilfestellung für die Pflegekraft um die geplante Pflege zu organisieren und den Erfolg gewählter Maßnahmen zu dokumentieren und während des Pflegeprozesses zu validieren.

Networking-Aufgaben des Pflege-Copiloten

6.2. Netzwerk-Arbeit

Eine der wichtigsten Aufgaben der Pflege-Copiloten wird die Integration der zu Pflegenden und ihrer Angehörigen in ein funktionierendes Netzwerk geeigneter Unterstützungspartner sein.

Alle diesbezüglich relevanten Informationen müssen durch die Gemeinschaft der lokalen Pflege-Copiloten in das digitale Pflege-Cockpit eingepflegt werden.

Dieses qualifizierte, ständig wachsende „Schwarmwissen“
stärkt die Wirksamkeit jeder einzelnen Copilotin.

6.3. Digitale Unterstützung – das Copiloten Pflege-Cockpit

Das Pflege-Cockpit ist die gemeinsame Arbeits- und Informationsplattform für die Pflege-Copiloten und die von ihnen betreute Familien. Alle vom zu Pflegenden DSGVO-konform autorisierten Team-Mitglieder haben Zugriff auf das Pflege-Cockpit.

Für alle Pflege-Copiloten ist das Pflege-Cockpit auch das das zentrale Social-Web zur internen Kommunikation.

 

Neben der zentralen Dokumentation und Nachverfolgung der OMAHA-Informationen unterstützen drei „Werkzeuge“ die Familien bei der Bewältigung der Pflegesituation:

A. Pflegebudget-Planung und -Verwaltung
Die Beschäftigung mit dem SGB XI vor und nach der Nutzung von Leistungen ist für die Familien eine starke Belastung („Buch mit sieben Siegeln“) – und dies insbesondere zu Beginn einer Pflegesituation.
Ihnen soll mit einer leicht zu bedienenden Software Transparenz, Planbarkeit und Kontrolle über die individuellen Leistungsansprüche verschafft werden.

Auch für die Pflege-Copiloten ist dieses Tool eine erhebliche Erleichterung bei den Beratungsaufgaben zu den SGB XI Leistungen. Für viele Beratungskräfte nach §45, sonstige Pflegefachkräfte und Pflegende Angehörige, die sich ggf. für die Aufgaben des Pflege-Copiloten interessieren, würde der Einstieg mit einer solchen digitalen Unterstützung sehr erleichtert.

B. Pflegegrad-Rechner als Pflegegrad-Tagebuch
Das neue Begutachtungsassessment (NBA) mag mehr Gerechtigkeit und eine umfassendere Berücksichtigung möglicher Pflegebedürftigkeit ermöglichen – es ist aber auch sehr komplex und für die Familien nicht mehr transparent nachvollziehbar.
Für das alte Begutachtungssystem hatten die Familien mit ihrer eigenen Minuten-Protokollierung im Pflegetagebuch noch ein „Gefühl“ für die Plausibilität der MDK-Einstufung. Dieses ist beim NBA verloren gegangen.
Ein Steuerungs-Werkzeug im Pflege-Cockpit soll daher ein integrierter Pflegegrad-Rechner sein, der die Pflegesituation kontinuierlich begleitet.
Die abschließende Einschätzungen aus der MDK-Begutachtung zum Pflegegrad für alle 64 Kriterien bilden die Ausgangslage.

Verschlechtern oder verbessern sich im Pflegeverlauf bestimmte Fähigkeiten und/oder Einschränkungen der Selbständigkeit, so werden diese numerisch und textlich als datierte Notiz protokolliert. Wird ein nächster Pflegegrad erreicht, kann auf qualifizierter Basis eine Höherstufung beantragt werden.
Die Pflege-Copiloten unterstützen die Familien bei der Einarbeitung in dieses Hilfe-Werkzeug.

C. Antrags-Management
Anträge und Abrechnungen sind große bürokratische Hürden für viele Familien.

Eine große Erleichterung soll das weitestgehend automatisierte Antrags-Management für die Familien gerade zu Beginn der Pflegesituation ermöglichen.

Alle für die Pflege relevanten Antragsformulare sind als digitale Platzhalter-Formulare hinterlegt und können bei Bedarf automatisch ausgefüllt werden.

Mit kooperationswilligen innovativen Pflegekassen, kann der Informationsaustausch und das Genehmigungsverfahren komplett digital erfolgen.

Papierlose Dokumentation

Das Pflege-Cockpit der Pflege-Copiloten

Ängste vermeiden / abbauen
„Digitalisierung“ ist für viele Menschen auch deshalb ein Reizwort, weil damit Unsicherheiten hinsichtlich der Anwendung verbunden ist.
Diese möglichen Sorgen müssen bei der Entwicklung des Pflege-Cockpits unbedingt berücksichtigt werden.
Eine maximal einfache Bedienung der Werkzeuge ist anzustreben.

7. Sonstige Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen

Hier möchten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sehr ins Detail gehen. Wir empfehlen folgende Punkte im kommenden Schritt zu konkretisieren:

  • Freie Wahlmöglichkeit anerkannter Pflege-Copiloten analog der Auswahl vertrauensvoller Hebammen.
  • Eigener SGB XI Rechtsanspruch auf Pflegeberatung und Begleitung für Pflegende Angehörige (siehe auch Anlage Empfehlung Nr. 7 aus der VERA-Studie).
  • Schaffung eines bundesweit einheitlichen Honorierungssystem. Berücksichtigung von ca. 65-70 % produktiver Zeiten bei 100 % Finanzierung.
  • Zentrale, gemeinnützige Organisation für die Entwicklung von Schulungs-Programmen sowie der Software-Komponenten und Betreuung freiberuflicher Pflege-Copiloten (Coaching, administrative Aufgaben wie z.B. zentrale Abrechnung mit den Pflegekassen)
  • Evaluierung, ob Festanstellungen sinnvoll und möglich sind.

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