Ein Pflegehilfe- und Unterstützungsnetzwerk aufbauen
Pflege muss nicht an einer Person hängen bleiben. Überlegen Sie früh, wer regelmäßig, gelegentlich oder im Notfall helfen kann. Kleine, klar verteilte Aufgaben machen Hilfe planbar — für die pflegebedürftige Person genauso wie für die, die pflegen.

Transparenz
Wie dieser Beitrag entstanden ist
Geschrieben, geprüft und verantwortet von Hendrik Dohmeyer, Pflegeberater nach § 7a SGB XI.
- KI hilft beim Recherchieren von Quellen, beim Ordnen von Gedanken und dabei, Behördendeutsch verständlich zu machen.
- KI entscheidet nichts. Jede Zahl, jede Frist und jede rechtliche Aussage prüfe ich selbst, bevor sie hier steht.
Wichtig: Ein Netzwerk entsteht mit der pflegebedürftigen Person, nicht über sie hinweg. Wer wann kommt, wer was erfährt und wer im Haus sein darf — solange sie das entscheiden kann, entscheidet sie es.
Wer kann dazugehören?
Fast immer mehr Menschen, als man im ersten Moment denkt. Der Blick geht meist nur auf die engste Familie — und bleibt dort hängen.
- Geschwister und weitere Angehörige, auch die weit entfernt wohnenden
- Freundinnen und Freunde — der pflegebedürftigen Person und die eigenen
- Nachbarinnen und Nachbarn
- Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden, Vereinen oder Besuchsdiensten
- Pflegedienst und andere professionelle Angebote
- Pflegeberatung und Anlaufstellen vor Ort
Professionelle Dienste sind Teil des Netzwerks, aber anders eingebunden: Sie arbeiten auf Grundlage eines Vertrags und eigener fachlicher Regeln. Was sie tun, wird mit ihnen vereinbart — nicht im Familienkreis verteilt.
Hilfe konkret machen
„Melde dich, wenn du etwas brauchst“ klingt freundlich und führt zu nichts. Wer schon am Rand läuft, meldet sich nicht. Fragen Sie stattdessen nach einer bestimmten Sache, an einem bestimmten Tag:
- zum Arzttermin fahren oder begleiten
- einmal in der Woche einkaufen
- eine warme Mahlzeit vorbeibringen
- regelmäßig anrufen — auch das ist Versorgung
- bei Formularen und Anträgen helfen
- ein paar Stunden dableiben, damit jemand anderes rauskommt
- Medikamente in der Apotheke abholen, wenn das abgesprochen ist
- bei einem wichtigen Gespräch mit dabei sein
- im Notfall erreichbar sein
Wo Alltagshilfe endet
Einkaufen, fahren, Gesellschaft leisten, im Haushalt helfen — das kann jeder übernehmen, der will. Etwas anderes ist die pflegerische und medizinische Versorgung: Medikamente stellen oder geben, Wunden versorgen, Insulin spritzen, absaugen, Katheter oder Sonden handhaben.
Das gehört in fachliche Hände oder muss von einer Pflegefachkraft angeleitet und überwacht werden. Auch dann bleibt es eine Frage der Absprache — nicht etwas, das man im Familienkreis nebenbei verteilt. Eine Pflegeschulung nach § 45 bei Ihnen zu Hause ist dafür der richtige Weg; sie kostet Sie nichts.
In fünf Schritten zum Netzwerk
- Bedarf und Wünsche klären — gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person. Was fällt schwer? Was möchte sie selbst weiter tun? Wen möchte sie im Haus haben, wen lieber nicht?
- Mögliche Helfende sammeln. Schreiben Sie alle auf, auch die unwahrscheinlichen. Streichen kann man später.
- Konkret fragen. Eine benannte Aufgabe, ein benannter Tag, ein absehbarer Umfang.
- Zuständigkeiten und Grenzen vereinbaren. Wer macht was, wie oft, bis wann — und wer springt ein, wenn jemand ausfällt.
- An einem Ort zusammenführen. Termine und Aufgaben gehören dorthin, wo alle sie sehen.
An einem Ort zusammenführen
Der häufigste Grund, warum ein Netzwerk wieder einschläft, ist banal: Niemand weiß mehr, wer was übernommen hat. Absprachen verteilen sich über drei Familienchats, zwei Telefonate und einen Zettel am Kühlschrank.
Was hilft, ist ein einziger gemeinsamer Ort für Termine und Aufgaben. Das kann ein Wandkalender in der Küche sein, eine geteilte Notiz oder ein gemeinsamer Kalender auf dem Handy. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern dass es nur eines gibt.
Drei Dinge sollte dieser Ort können: zeigen, was ansteht — festhalten, wer es übernimmt — rechtzeitig erinnern. Mehr braucht es am Anfang nicht.
Zur Vorsicht: In einen gemeinsamen Kalender gehört nur, was die anderen für ihre Aufgabe wirklich brauchen. „Arzttermin begleiten, 14 Uhr“ genügt. Welche Diagnose dahintersteht, geht die Fahrgemeinschaft nichts an — auch nicht in der Familie.
Damit es nicht wieder einschläft
- Fragen Sie nach, statt zu warten. Wer einmal abgesagt hat, sagt beim nächsten Mal vielleicht zu.
- Bedanken Sie sich sichtbar. Wer sich übersehen fühlt, hört auf.
- Verteilen Sie neu, wenn es klemmt — statt es stillschweigend selbst zu machen.
- Halten Sie eine Vertretung bereit. Jeder fällt einmal aus.
- Nehmen Sie Absagen nicht persönlich. Meist sagen sie mehr über die Lage der anderen als über Sie.
Wie geht es weiter?
- Durchhalten — Hilfe für Angehörige — was es an Entlastung gibt, wenn das Netzwerk allein nicht reicht
- Verhinderungspflege — bezahlte Vertretung, wenn Sie selbst einmal ausfallen
- Pflegekurse und Schulung zu Hause — damit Helfende wissen, was sie tun
- Konto, Verträge und Post — wer im Netzwerk welche Angelegenheiten regeln darf





