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10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

Unabhängige Orientierung durch Pflegeversicherung,
Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Beim Toilettengang sicher begleiten


Mit guter Vorbereitung, passenden Hilfsmitteln und respektvoller Hilfe lassen sich Selbstständigkeit und Sicherheit erhalten.

Ein rundes Hinweisschild aus hellem und dunklem Holz an einer Wand zeigt die Piktogramme für Damen- und Herrentoilette.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Der Toilettengang ist der häufigste Weg, den ein pflegebedürftiger Mensch am Tag zurücklegt — und der mit dem größten Zeitdruck. Beides zusammen macht ihn zur Stelle, an der die meisten Stürze in der häuslichen Pflege passieren.

Das Gute daran: Fast alles, was hilft, passiert vorher. Ein freier Weg, ein Nachtlicht, erreichbare Schuhe, ein Griff an der richtigen Stelle. Das sind Handgriffe von einem Nachmittag, die jahrelang wirken.

Den Weg zur Toilette sicher machen

Gehen Sie den Weg vom Bett oder Sessel bis zur Toilette einmal selbst ab — langsam, und nachts noch einmal im Dunkeln. Was Ihnen dabei auffällt, fällt der pflegebedürftigen Person unter Druck nicht auf.

  • Lose Teppiche, Läufer, Kabel und Türschwellen weg. Ein Läufer, der seit dreißig Jahren dort liegt, ist trotzdem eine Stolperfalle.
  • Nachtlicht auf dem ganzen Weg, oder ein Lichtschalter, der vom Bett aus erreichbar ist. Wer im Dunkeln tastet, verliert das Gleichgewicht.
  • Gehhilfe erreichbar und richtig eingestellt — nicht zu niedrig, nicht zu hoch. Die Einstellung gehört einmal geprüft, nicht geschätzt.
  • Feste Schuhe mit Fersenhalt statt Pantoffeln, die vorne offen sind. Das ist einer der wirksamsten Handgriffe überhaupt.
  • Kleidung, die sich schnell öffnen lässt. Ein Knopf zu viel entscheidet manchmal darüber, ob es rechtzeitig klappt.
  • Bei Demenz oder Sehproblemen: Tür farblich absetzen, Licht anlassen, ein einfaches Bild an der Tür. Kontrast hilft mehr als eine Beschriftung.

Quick-Check: Ist der Weg zur Toilette sicher?

Acht Fragen. Jedes Nein ist Ihr nächster Handgriff — Sie müssen nicht alles auf einmal machen.

  • Ist der Weg frei von Teppichen, Kabeln und abgestellten Dingen?
  • Lässt sich Licht machen, ohne aufstehen zu müssen?
  • Brennt nachts irgendwo ein schwaches Licht?
  • Stehen feste Schuhe direkt am Bett?
  • Ist die Gehhilfe in Reichweite — im Liegen, nicht im Stehen?
  • Gibt es im Bad etwas Stabiles zum Festhalten? (Ein Handtuchhalter zählt nicht.)
  • Ist der Boden trocken und rutschfest?
  • Kann die Person rufen, wenn etwas ist — und hören Sie das auch?

Rechtzeitig unterstützen

Viele Menschen melden sich zu spät — aus Scham, aus Rücksicht, oder weil sie nicht schon wieder stören wollen. Andere merken es selbst nicht mehr rechtzeitig. In beiden Fällen hilft Beobachten mehr als Fragen.

  • Typische Zeiten kennen: nach dem Aufstehen, nach den Mahlzeiten, nach dem Kaffee, vor dem Schlafengehen.
  • Signale sehen: Unruhe, Zupfen an der Kleidung, Aufstehversuche, plötzliches Verstummen. Bei Demenz ist das oft die einzige Mitteilung.
  • Anbieten statt fragen. „Ich gehe gerade mit — kommst du mit?“ ist leichter anzunehmen als „Musst du?“.
  • Zeit geben. Nicht in der Tür stehen und warten. Wer sich beobachtet fühlt, kann oft nicht.

Ein fester Rhythmus — etwa alle zwei bis drei Stunden anbieten — kann sehr helfen. Aber nur, wenn er gemeinsam vereinbart wurde. Ein Plan, den jemand anderes aufgestellt hat, wird schnell als Bevormundung erlebt, und dann wird er unterlaufen.

Drei Dinge bitte nicht: drängen, beschämen („schon wieder?“), oder weniger zu trinken geben, damit weniger passiert. Der letzte Punkt ist gut gemeint und schadet dem Urin, der Haut, dem Kreislauf und der Orientierung zugleich.

Hinsetzen und Aufstehen

Das ist der gefährlichste Moment des ganzen Wegs — und der, bei dem ich Ihnen im Text am wenigsten helfen kann.

  • Vorher klären, was gebraucht wird. Manche brauchen nur jemanden daneben, andere eine Hand, wieder andere zwei.
  • Boden trocken, Hilfsmittel gebremst. Ein Rollator ohne angezogene Bremse ist keine Stütze, sondern ein Wagen.
  • Niemals am Arm hochziehen. Schultern älterer Menschen halten das nicht aus, und Sie verlieren dabei selbst das Gleichgewicht.
  • Nach dem Aufstehen kurz stehen bleiben und nachfragen, bevor es losgeht. Schwindel kommt verzögert.

Zu den Hilfsmitteln: Toilettensitzerhöhung, Haltegriffe und Toilettenstuhl können den Unterschied machen. Welche Höhe, welcher Griff, an welcher Wandseite — das hängt von der Person und vom Bad ab, und ein Griff an der falschen Stelle ist gefährlicher als keiner, weil man sich darauf verlässt. Lassen Sie sich das vor Ort ansehen: Pflegedienst, Beratungsbesuch oder Wohnberatung.

Privatsphäre und Hygiene

Sprechen Sie einmal in Ruhe darüber, wie es laufen soll — dann muss es nie wieder im Moment selbst verhandelt werden:

  • Bleibe ich im Raum, warte ich vor der Tür, oder komme ich erst auf Zuruf? Die meisten wollen die Tür angelehnt und jemanden in Hörweite.
  • Wie wird gerufen? Klopfen, rufen, eine Klingel. Hauptsache, es ist vereinbart und erreichbar.
  • Wer hilft bei der Kleidung? Auch das darf jemand anderes sein als der, der begleitet.

Danach: Händewaschen für beide — nicht nur für die pflegebedürftige Person. Wenn das Waschbecken nicht erreichbar ist, tut es eine Schüssel oder ein Waschtuch am Platz. Wie die anschließende Reinigung würdevoll gelingt, steht ausführlich auf Intimpflege respektvoll übernehmen.

Besonders nachts

Nachts kommt alles zusammen: Müdigkeit, Dunkelheit, ein Kreislauf, der beim Aufstehen absackt, und oft Medikamente, die schläfrig machen. Die meisten nächtlichen Stürze passieren auf dem Weg zur Toilette.

  • Brille, Schuhe und Gehhilfe direkt ans Bett, im Liegen erreichbar.
  • Licht, das schon an ist — ein schwaches Nachtlicht ist besser als ein Schalter, den man erst finden muss.
  • Nach dem Aufsetzen einen Moment sitzen bleiben, bevor es losgeht.
  • Ein Toilettenstuhl neben dem Bett verkürzt den Weg auf zwei Schritte. Er muss standsicher sein, zur Sitzhöhe passen und sich gut reinigen lassen — auch das gehört beraten.

Wenn jemand plötzlich nachts häufiger muss, ist das kein Schicksal, sondern ein Befund: Es kann an Medikamenten liegen, an der Blase, am Herzen. Das gehört in die Hausarztpraxis, nicht in nächtliches Improvisieren.

Und ein Satz für Sie selbst: Zwingen Sie sich nachts zu keinem Handgriff, den Sie tagsüber schon kaum schaffen. Übermüdet, im Halbdunkel, allein — das ist die Konstellation, in der Angehörige sich verletzen.

Warnzeichen

Rufen Sie in der Hausarztpraxis an bei:

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • Blut im Urin oder im Stuhl
  • Fieber
  • ausgeprägter Verstopfung
  • plötzlicher Inkontinenz, die vorher nicht da war
  • neuen Gleichgewichtsproblemen — oder nach jedem Sturz, auch nach einem scheinbar harmlosen

Wenn über viele Stunden gar kein Wasser mehr gelassen wird, warten Sie nicht bis zum nächsten Tag — das gehört sofort abgeklärt. Bei akuter Lebensgefahr die 112; für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Unterstützung organisieren

  • Pflegedienst — schätzt den Bedarf ein, leitet praktisch an und kann Toilettengänge und die Versorgung im vereinbarten Rahmen übernehmen.
  • Schulung nach § 45 SGB XI — jemand zeigt Ihnen die Handgriffe in Ihrer eigenen Wohnung, an Ihrem eigenen Bad. Wie Sie das anfordern.
  • Wohnberatung — für Griffe, Sitzerhöhung, Türen, Beleuchtung.
  • Physio- oder Ergotherapie — Aufstehen und Gehen lassen sich üben; dafür gibt es Verordnungen.
  • Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — unabhängig, kostenfrei, klärt auch, was die Pflegekasse trägt. Was dort passiert.

Was davon die Pflegekasse übernimmt, hängt von Pflegegrad, Leistungsart und Vereinbarung ab. Eine pauschale Auskunft gibt es nicht — genau dafür ist das Beratungsgespräch da.

Sichere Unterstützung organisieren

Häufige Fragen

Welche Hilfsmittel gibt es rund um die Toilette?

Gebräuchlich sind Toilettensitzerhöhungen, Haltegriffe an Wand oder Toilette, Toilettenstühle für die Nacht und rutschhemmende Auflagen. Was davon passt, hängt von der Sitzhöhe, der Kraft, der betroffenen Seite und dem Zuschnitt des Bads ab — eine allgemeine Empfehlung wäre hier fahrlässig. Lassen Sie es vor Ort ansehen: beim Beratungsbesuch, durch den Pflegedienst oder die Wohnberatung. Das kostet Sie nichts außer einem Termin.

Was ist nachts besonders zu beachten?

Licht, das schon an ist. Brille, Schuhe und Gehhilfe im Liegen erreichbar. Nach dem Aufsetzen einen Moment sitzen bleiben, weil der Kreislauf verzögert nachkommt. Und wenn der Weg zu lang oder zu riskant ist: ein Toilettenstuhl neben dem Bett verkürzt ihn auf zwei Schritte. Wenn jemand plötzlich nachts häufiger muss, gehört das ärztlich abgeklärt — es kann an Medikamenten, an der Blase oder am Herzen liegen.

Was hilft bei Demenz?

Wiedererkennbarkeit und Ruhe. Immer derselbe Ablauf, immer dieselben kurzen Sätze, immer derselbe Weg. Die Badtür farblich absetzen oder offen lassen, damit sie gefunden wird — Kontrast wirkt besser als eine Beschriftung. Und die Signale lesen: Unruhe, Zupfen an der Kleidung, Aufstehversuche sind oft die einzige Mitteilung. Anbieten statt fragen, und nicht drängen: Druck erzeugt Abwehr, und die Abwehr bleibt in Erinnerung, auch wenn der Anlass vergessen ist.

Wann sollte ein Pflegedienst dazukommen?

Spätestens, wenn das Aufstehen unsicher wird, wenn Sie sich das Umsetzen nicht zutrauen, wenn es nachts regelmäßig anstrengend wird — oder wenn Sie einfach möchten, dass Ihnen jemand die Handgriffe zeigt. Der Zuschnitt ist frei wählbar: einmalige Anleitung, einzelne Tage, Teilübernahme oder regelmäßige Versorgung. Ob und in welcher Höhe die Pflegekasse das trägt, hängt von Pflegegrad, Leistungsart und Vertrag ab.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
Pflegegrad Pflegegrad Leistungen Leistungen Prävention Prävention Erkrankungen & Lebenslagen Erkrankungen & Lebenslagen Kurse Kurse Beratung Beratung Pflege-Cockpit Suche Weiter Download Telefontermin Termin Passt zu mir Checkliste Antrag stellen Bescheid & Widerspruch Frist Rechner Häusliche Pflege Stationäre Pflege Bewegung & Kurs Entlastung & Budget Tipp Hinweis Achtung Geprüft Pflege-Dschungel Mit KI erstellt Schließen