Schulung zu Hause nach § 45 SGB XI: mögliche Themen im Überblick
Eine Pflegefachperson kommt zu Ihnen und zeigt Ihnen das, worum es bei Ihnen geht — an Ihrem Bett, in Ihrem Bad, mit Ihren Hilfsmitteln. Was dabei besprochen werden kann, steht hier. Was Sie danach übernehmen, entscheiden Sie gemeinsam mit der Fachperson.

Transparenz
Wie dieser Beitrag entstanden ist
Geschrieben, geprüft und verantwortet von Hendrik Dohmeyer, Pflegeberater nach § 7a SGB XI.
- KI hilft beim Recherchieren von Quellen, beim Ordnen von Gedanken und dabei, Behördendeutsch verständlich zu machen.
- KI entscheidet nichts. Jede Zahl, jede Frist und jede rechtliche Aussage prüfe ich selbst, bevor sie hier steht.
Was diese Schulung ist — und was sie nicht ist
Vier Angebote werden häufig verwechselt. Sie können sich ergänzen, sind aber rechtlich und inhaltlich verschieden:
| Angebot | Wozu es da ist | Wo es stattfindet |
|---|---|---|
| Pflegekurs nach § 45 | Wissen und Fertigkeiten allgemein vermitteln | Schulungsraum, digital oder in der Gruppe |
| Häusliche Schulung nach § 45 | Anleitung an Ihrer konkreten Situation, Wohnung und Ihren Hilfsmitteln | bei der pflegebedürftigen Person zu Hause |
| Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 | die häusliche Pflege sichern, regelmäßig beraten | zu Hause, unter Voraussetzungen auch per Video |
| Pflegeberatung nach § 7a | Versorgung erfassen, Leistungen koordinieren | Beratungsstelle, Telefon, digital oder zu Hause |
Ein Beratungsbesuch nach § 37 Abs. 3 ist keine Schulung nach § 45 — auch dann nicht, wenn dabei etwas gezeigt wird.
Bewegen, Wohnung, Hilfsmittel
Sicher bewegen und mobilisieren
Aufstehen, Hinsetzen, Umsetzen — und zwar so, dass beide es aushalten. Dazu gehört, die vorhandenen Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person einzubeziehen statt sie zu ersetzen, rückenschonend zu arbeiten, Rollator, Rollstuhl, Pflegebett oder Transferhilfen richtig zu nutzen und Sturzrisiken in Ihrer Wohnung zu erkennen.
Es gibt keine Hebetechnik, die für alle passt. Was gezeigt wird, muss zu beiden Körpern und zu den vorhandenen Hilfsmitteln passen — genau deshalb findet die Schulung bei Ihnen statt und nicht im Kursraum.
Hilfsmittel sicher anwenden
Pflegebett und Seitenteile, Rollator und Rollstuhl, Transferhilfen, Toiletten- und Duschstuhl, Haltegriffe, Lagerungshilfen, Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Für manche Geräte ist zusätzlich eine Einweisung durch den Hersteller oder Lieferanten nötig — und Sicherheits- und Wartungshinweise gelten unabhängig von jeder Schulung.
Körperpflege, Ausscheidung, Essen und Trinken
Körperpflege unterstützen
Waschen, Duschen und Ankleiden begleiten, ohne mehr abzunehmen als nötig. Gewohnheiten erhalten, die Haut im Blick behalten, das Bad sicher einrichten, passende Hilfsmittel einsetzen. Und: Intimsphäre, Einverständnis und Schamgrenzen wahren — das ist kein Randthema, sondern oft das schwierigste am ganzen Tag.
Kontinenz fördern, Inkontinenz versorgen
Toilettengänge planen und begleiten, Inkontinenzprodukte richtig anwenden, die Haut schützen, hygienisch vorgehen. Dazu: Veränderungen bemerken und wissen, wann sie ärztlich abgeklärt gehören.
Essen und Trinken
Eine gute Sitzposition schaffen, Selbstständigkeit fördern, Trinkmenge und Ernährung im Blick behalten, Hilfsmittel nutzen — und Anzeichen von Schluckproblemen erkennen.
Bei Verschlucken, wiederholtem Husten beim Essen, ungewolltem Gewichtsverlust oder Verdacht auf eine Schluckstörung gehört das ärztlich und logopädisch abgeklärt. Die Kost auf eigene Faust umzustellen ist keine Lösung — es kann die Sache verschlimmern.
Druckstellen vorbeugen und positionieren
Gefährdete Hautstellen und frühe Warnzeichen erkennen, Druck entlasten, Positionswechsel unterstützen, Eigenbewegung fördern, Kissen und Pflegebett passend einsetzen, Feuchtigkeit und Reibung verringern.
Wie oft die Position gewechselt werden sollte, hängt vom Risiko, vom Hautzustand und von der Beweglichkeit ab. Feste Zeitabstände, die für alle gelten, gibt es nicht.
Wahrnehmen und reagieren
Demenz und Veränderungen im Verhalten
Verständlich und wertschätzend sprechen, den Tag übersichtlich gestalten, Unruhe oder Rückzug einordnen, Sicherheit schaffen ohne unnötig einzuschränken — und die eigene Überforderung früh bemerken.
Wichtig zu unterscheiden: Eine Verwirrtheit, die plötzlich einsetzt, ist etwas anderes als eine Demenz, die sich langsam entwickelt. Sie gehört zeitnah ärztlich abgeklärt — dahinter steckt oft etwas Behandelbares.
Schmerzen und Veränderungen beobachten
Schmerzzeichen erkennen, auch wenn niemand sie ausspricht. Beobachtungen so festhalten, dass sie in der Arztpraxis etwas nützen. Warnzeichen und Notfälle erkennen. Was Sie nicht tun: eine Medikation eigenmächtig ändern.
Notfälle erkennen und vorbereitet sein
Notfallkontakte griffbereit, eine Übersicht über Diagnosen und Medikamente, der Notruf 112 und wann er richtig ist. Warnzeichen wie Atemnot, Bewusstseinsstörung, eine neue Lähmung oder starke Blutung. Was nach einem Sturz zu tun ist. Und ob ein Hausnotruf sinnvoll wäre.
Diese Seite ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs — und die Schulung tut es auch nicht.
Medikamente, Insulin, Wunden: hier gelten Grenzen
Diese Themen können in einer Schulung vorkommen — aber anders als die übrigen. Hier geht es zuerst um Verstehen und Beobachten, nicht um Übernehmen.
- Medikamente: den Medikationsplan verstehen, die Einnahme beobachten und dokumentieren, sicher aufbewahren, Auffälligkeiten weitergeben, Verwechslungen vermeiden.
- Blutzucker und Insulin: Geräte nach individueller Einweisung anwenden, hygienisch arbeiten, Werte festhalten, Unter- und Überzuckerung erkennen und nach dem vereinbarten Notfallplan handeln.
- Wunden, Kompression, Katheter, Stoma: verstehen, was gemacht wird und worauf zu achten ist.
Eine Schulung macht Sie nicht zur Fachkraft. Ob Sie eine dieser Aufgaben übernehmen dürfen und sollten, hängt von der ärztlichen Verordnung ab, von einer individuellen Einweisung — und davon, ob es für alle Beteiligten verantwortbar ist. Eine Insulindosis wird niemals eigenmächtig verändert. Bei komplexen Wunden, bei Kompressionstherapie und bei Problemen mit Katheter oder Stoma gehört eine Fachkraft dazu.
Niemand muss sich zu einer Aufgabe drängen lassen. Wenn Sie sagen „das traue ich mir nicht zu“, ist das eine vollständige Antwort.
Ihre eigenen Kräfte
Der Teil, der am häufigsten wegfällt, weil die Zeit knapp wird: körperliche und seelische Warnzeichen bei Ihnen selbst, rückenschonendes Arbeiten, Aufgaben im Unterstützungsnetzwerk verteilen, Pausen und Vertretung organisieren, Entlastungsangebote nutzen, Krisen ansprechen, bevor sie eskalieren.
Dazu kommt das Organisatorische: Beobachtungen festhalten, Termine koordinieren, Arztgespräche vorbereiten, wissen, wen man bei Pflegekasse, Pflegedienst und Beratung erreicht. Vieles davon klingt nach Nebensache und kostet im Alltag am meisten Kraft.
Professionelle Hilfe zu holen ist kein Zeichen fehlender Zuneigung. Es ist oft das, was die Pflege zu Hause überhaupt auf Dauer möglich macht. Mehr dazu, wenn die Kräfte nachlassen.
So wird aus einem Thema eine Schulung
- Benennen Sie die konkrete Situation, bei der Sie unsicher sind — nicht „Pflege allgemein“, sondern „das Umsetzen ins Bad morgens“.
- Fragen Sie bei Ihrer Pflegekasse eine individuelle häusliche Schulung nach § 45 SGB XI an.
- Holen Sie die Zustimmung der pflegebedürftigen Person ein. Ohne ihren Wunsch findet die Schulung zu Hause nicht statt — so steht es im Gesetz.
- Wählen Sie einen Anbieter, den Ihre Kasse akzeptiert. Wer das sein kann, steht hier.
- Legen Sie zu Beginn das Ziel fest — gemeinsam mit der Fachperson.
- Lassen Sie sich die Handlung zeigen, üben Sie sie begleitet und fragen Sie nach, so oft es nötig ist.
- Klären Sie zum Schluss, was Sie künftig selbst übernehmen — und wo Fachhilfe dazugehört.
- Vereinbaren Sie, wenn nötig, eine weitere Schulung. Eine reicht selten für alles.
Wann eine Schulung nicht genügt
In diesen Lagen holen Sie sofort oder zeitnah fachliche Hilfe, statt auf einen Schulungstermin zu warten:
- Atemnot, Bewusstseinsstörung oder Lähmungserscheinungen — 112,
- starke Blutungen oder Beschwerden, die schnell zunehmen,
- plötzlich einsetzende Verwirrtheit,
- ein Sturz mit Verdacht auf Verletzung,
- Wunden, die entzündet sind, tief werden oder sich verschlechtern,
- Unsicherheit bei Insulin, Medikamenten oder medizinischen Geräten,
- wenn Sie selbst körperlich oder seelisch am Ende sind,
- wenn Einverständnis oder Sicherheit nicht gewährleistet sind.
Wer schreibt hier? Fachlich verantwortlich für diese Seite ist Susanne Brinkmann, examinierte Pflegefachkraft und Pflegeberaterin nach § 7a und § 45 SGB XI. Sie entsteht in redaktioneller Zusammenarbeit mit Hendrik Dohmeyer.





