Zum Inhalt springen
10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

Unabhängige Orientierung durch Pflegeversicherung,
Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Schmerzmittel und Opioide verstehen


Welche Gruppe was leistet, welche Fallen bei Pflastern lauern — und warum die Verstopfung von Anfang an mitbehandelt wird.

Eine Angehörige und eine ältere Person besprechen am Tisch einen Medikationsplan.
Aktualisiert am 26.09.2026

Beitrag teilen

Für Instagram und TikTok gibt es keinen Teilen-Link – dort fügen Sie die Adresse selbst ein. Auf dem Handy führt „Mit einer App teilen“ direkt zu allen installierten Apps.

Keine Daten ohne Ihr Zutun: Diese Seite lädt nichts von Facebook, LinkedIn oder WhatsApp. Erst wenn Sie auf einen der Knöpfe tippen, öffnet sich der jeweilige Dienst.

00:00 / 12:51

Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Schmerzmittel sind keine einheitliche Gruppe. Sie greifen an ganz verschiedenen Stellen an — und haben deshalb ganz verschiedene Risiken. Für den Pflegealltag lohnt es sich, vier Gruppen auseinanderzuhalten und von jeder das eine zu kennen, was wirklich zählt.

Wie Schmerzmittel eingesetzt werden — nach der Uhr oder bei Bedarf — steht auf der Seite Schmerzen. Hier geht es um die Mittel selbst.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

Paracetamol — magenfreundlich und auch für ältere Menschen meist gut verträglich. Es hat aber eine strikte Höchstmenge pro Tag; darüber wird die Leber geschädigt, und zwar ohne Vorwarnung. Die eigentliche Gefahr liegt nicht in der verordneten Tablette, sondern in der Addition: Paracetamol steckt in vielen rezeptfreien Erkältungs-, Kopfschmerz- und Grippemitteln, oft ohne dass es auf der Vorderseite steht. Wer beides nimmt, überschreitet die Grenze, ohne es zu ahnen. Jedes zusätzliche rezeptfreie Mittel gehört deshalb in der Apotheke geprüft.

Entzündungshemmende Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen, auch ASS in Schmerzdosis) — sehr wirksam bei entzündlichem Schmerz und deshalb beliebt. Im Alter sind sie die heikelste Gruppe überhaupt: Sie greifen die Magenschleimhaut an, belasten die Nieren, treiben den Blutdruck und können eine Herzschwäche verschlechtern. Zusammen mit Gerinnungshemmern steigt das Blutungsrisiko deutlich. Als Gel auf die Haut aufgetragen gelangt bei sachgerechter Anwendung auf kleiner Fläche weniger davon in den Körper — risikofrei sind sie deshalb nicht: Gegenanzeigen gelten weiter, die Haut kann reagieren, Menge und Fläche sind begrenzt, und wer zusätzlich Tabletten derselben Gruppe nimmt, addiert beides.

Metamizol — in Deutschland viel verordnet und gut wirksam. Es greift die Magenschleimhaut deutlich weniger an als die vorige Gruppe. „Harmlos“ ist es deswegen nicht: Es kann den Blutdruck abfallen lassen, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen und in seltenen Fällen Leber oder Nieren schädigen.

Am wichtigsten ist eine sehr seltene, aber ernste Nebenwirkung: Die weißen Blutkörperchen können einbrechen, und der Körper ist Infektionen dann schutzlos ausgeliefert. Daraus folgt ein Merksatz, der jedem im Haushalt geläufig sein sollte: Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder wunde Stellen im Mund — Metamizol nicht weiter geben und noch am selben Tag ärztlich das Blutbild kontrollieren lassen. Drei Dinge werden dabei regelmäßig falsch erinnert: Es kann zu jedem Zeitpunkt passieren, auch nach Jahren problemloser Einnahme. Es hängt nicht von der Menge ab. Und es kann auch kurz nach dem Absetzen noch auftreten.

Opioide (Tramadol, Tilidin, Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Fentanyl, Buprenorphin) — bei starkem Schmerz, den die anderen Gruppen nicht auffangen. Sie wirken zuverlässig und haben in der Pflege einen festen Platz, besonders am Lebensende. Zwei Dinge gehören dazu: Die Verstopfung kommt fast immer und wird von Anfang an mitbehandelt. Und die Müdigkeit der ersten Tage geht meist vorüber — das Sturzrisiko in dieser Zeit nicht.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffGruppeDas Wichtigste
ben-u-ron, Grippostad CParacetamolSchmerzmittelsteckt auch in Erkältungsmitteln
Ibuflam, NurofenIbuprofenentzündungshemmendMagen, Niere, Blutdruck
Voltaren SchmerzgelDiclofenacentzündungshemmend, äußerlichdeutlich risikoärmer
Novalgin, NovaminsulfonMetamizolSchmerzmittelFieber und Halsschmerz sofort melden — jederzeit möglich
Tramal, Valoron NTramadol, TilidinOpioidÜbelkeit, Verwirrtheit im Alter
Targin, OxygesicOxycodonOpioidVerstopfung mitbehandeln
Durogesic, NorspanFentanyl, BuprenorphinOpioid als PflasterHitze meiden, altes Pflaster entfernen

Für den Pflegealltag wichtig

Schmerzpflaster — hier passieren die meisten Fehler:

  • Das alte Pflaster immer zuerst entfernen. Zwei Pflaster gleichzeitig sind eine Überdosis. Ein Vermerk im Kalender mit Datum und Klebestelle verhindert es zuverlässig — auf das Gedächtnis ist hier kein Verlass, weil das Pflaster unsichtbar unter der Kleidung sitzt.
  • Wärme meiden. Wärmflasche, Heizdecke, heißes Vollbad, Sauna, direkte Sonne und auch hohes Fieber erhöhen die Aufnahme aus dem Pflaster erheblich. Das ist ein häufig unterschätzter Weg in die Überdosierung.
  • Opioidpflaster werden nicht zerschnitten. Das zerstört die Steuerung der Wirkstoffabgabe, und die ganze Menge kann auf einmal in den Körper gelangen. Wenn eine andere Stärke nötig ist, verordnet die Praxis eine andere Stärke — was für das konkrete Präparat gilt, steht in der Gebrauchsinformation.
  • Klebestelle jedes Mal wechseln, Haut trocken und unverletzt, nicht eincremen.
  • Gebrauchte Pflaster enthalten noch Wirkstoff. Sofort nach dem Abnehmen mit den Klebeflächen nach innen zusammenfalten, sicher zwischenlagern und zügig auf dem für Ihren Ort vorgesehenen Weg entsorgen — außer Reichweite von Kindern und Haustieren. Ein gefundenes Pflaster kann für ein Kind lebensgefährlich sein.
  • Die Verstopfung gehört von Anfang an dazu. Bei Opioiden gewöhnt sich der Darm nicht daran, anders als an die Müdigkeit. Ein Abführmittel wird deshalb meist gleich mitverordnet — nicht erst, wenn seit fünf Tagen nichts geht.
  • Retardtabletten nicht zerkleinern, zerbeißen oder mörsern. Sie geben ihren Wirkstoff langsam ab; zerstört man die Hülle, kommt die ganze Menge auf einmal. Das ist einer der gefährlichsten Fehler im häuslichen Bereich. Teilen ist nur erlaubt, wenn die Gebrauchsinformation es für genau dieses Präparat ausdrücklich vorsieht — manche dürfen es, die meisten nicht. Die Apotheke sagt es Ihnen in einer Minute.
  • Alkohol und beruhigende Mittel verstärken die dämpfende Wirkung, auch rezeptfreie Schlafmittel.
  • Opioide sicher aufbewahren — verschlossen, außerhalb der Reichweite von Besuch, Kindern, Pflegediensten mit wechselndem Personal. Restbestände nicht sammeln. Wohin sie gehören, ist von Ort zu Ort verschieden: Apotheken nehmen Arzneimittel zurück, müssen es aber nicht überall. Fragen Sie in Ihrer Apotheke oder bei der Gemeinde nach dem Weg vor Ort — die Packungsbeilage sagt es ebenfalls. Niemals in die Toilette oder den Abfluss.
  • Ein Pflaster ist bei Vergesslichkeit nicht automatisch die sicherere Lösung. Es kann zwar nicht doppelt geschluckt werden — dafür kann ein altes Pflaster kleben bleiben, ein zweites dazukommen oder eines vergessen werden, und all das fällt unter der Kleidung tagelang niemandem auf. Opioidpflaster sind für ausgewählte Situationen mit stabilen, länger anhaltenden Schmerzen gedacht, nicht als Hilfsmittel gegen Vergesslichkeit; Fentanylpflaster kommen für Menschen, die bisher keine Opioide bekommen haben, und für akute Schmerzen ausdrücklich nicht in Frage. Wo jemand nicht mehr sicher mitdenken kann, braucht es ein verlässliches System für Wechsel und Kontrolle — und jemanden, der es führt.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Verstopfung unter Opioiden — praktisch immer.
  • Übelkeit und Müdigkeit in den ersten Tagen, meist vorübergehend.
  • Verwirrtheit, besonders bei älteren Menschen — Tramadol ist dafür bekannt und steht deshalb in der PRISCUS-Liste.
  • Juckreiz, Mundtrockenheit, Schwitzen.
  • Sodbrennen, Magenschmerz, schwarzer Stuhl unter entzündungshemmenden Mitteln.
  • Weniger Urin, geschwollene Knöchel, steigender Blutdruck — Hinweis auf Nieren und Kreislauf.
  • Häufigere Stürze nach jeder Umstellung.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Sehr langsame oder flache Atmung, blaue Lippen, nicht erweckbar — Notruf. Wenn ein Notfallmittel gegen Opioidwirkung (Naloxon) verordnet ist und Sie eingewiesen wurden: anwenden.
  • Zwei Pflaster wurden gleichzeitig getragen oder eine Retardtablette wurde zerkleinert.
  • Ein Kind oder ein Tier ist an ein Pflaster oder an Tabletten gekommen.
  • Bluterbrechen, schwarzer Stuhl oder heftigster Bauchschmerz.
  • Verdacht auf eine Überdosis, auch bei versehentlicher Doppelgabe.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Fieber, Halsschmerzen oder wunde Stellen im Mund unter Metamizol.
  • Mehrere Tage kein Stuhlgang unter einem Opioid.
  • Neue Verwirrtheit oder auffällige Schläfrigkeit.
  • Der Schmerz ist trotz allem deutlich schlimmer geworden.
  • Ein Pflasterwechsel wurde vergessen.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Rezeptfreie Schmerz- oder Erkältungsmittel werden zusätzlich genommen.
  • Entzündungshemmende Mittel laufen dauerhaft, ohne Magenschutz oder Nierenkontrolle.
  • Es gibt kein Abführmittel, obwohl ein Opioid gegeben wird.
  • Restbestände sammeln sich an.
  • Der Umgang mit dem Pflaster ist unklar.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Wie viel von diesem Mittel ist an einem Tag höchstens erlaubt?
  • In welchen rezeptfreien Mitteln steckt derselbe Wirkstoff?
  • Welche Tabletten dürfen geteilt oder gemörsert werden — und welche nie?
  • Wie oft wird das Pflaster gewechselt, und worauf achten wir dabei?
  • Welches Abführmittel geben wir, und ab wann?
  • Ist ein Magenschutz oder eine Nierenkontrolle nötig?
  • Was tun wir, wenn der Schmerz zwischendurch durchbricht?
  • Wohin mit Restbeständen?
Quellen und Anlaufstellen

Verwandte Inhalte

  • Schmerzen — Nichtopioide, Opioide und Koanalgetika unterscheiden — mit Schmerzdokumentation, Nebenwirkungen und Alarmzeichen.
  • Polypharmazie — Medikationsplan, Doppelverordnungen, Wechselwirkungen, Nierenfunktion und Sturzrisiko strukturiert für Gespräche vorbereiten.
  • Alzheimer und Demenz — Was Demenzmedikamente leisten können und worauf bei Einnahme, Nebenwirkungen, Verhalten und Selbstständigkeit zu achten ist.
  • Blutverdünner — „Blutverdünner" ist nicht gleich Blutverdünner: Unterschiede, Blutungszeichen und wichtige Hinweise bei Stürzen oder Eingriffen.
Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
Pflegegrad Pflegegrad Leistungen Leistungen Prävention Prävention Erkrankungen & Lebenslagen Erkrankungen & Lebenslagen Kurse Kurse Beratung Beratung Pflege-Cockpit Suche Weiter Download Telefontermin Termin Passt zu mir Checkliste Antrag stellen Bescheid & Widerspruch Frist Rechner Häusliche Pflege Stationäre Pflege Bewegung & Kurs Entlastung & Budget Tipp Hinweis Achtung Geprüft Pflege-Dschungel Mit KI erstellt Schließen