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10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

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Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Schmerzen erkennen und richtig reagieren


So nehmen Sie Schmerzzeichen wahr, halten Veränderungen fest und finden passende medizinische und pflegerische Hilfe.

Eine ältere Frau sitzt vornübergebeugt auf dem Sofa und hält sich mit einer Hand den unteren Rücken.
Aktualisiert am 18.09.2026

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Schmerz gehört nicht zum Alter

„In dem Alter hat man eben Schmerzen“ — dieser Satz fällt oft, und er kostet Lebensqualität. Schmerz ist kein Bestandteil des Älterwerdens, sondern ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt. Und er ist fast immer behandelbar, wenigstens teilweise.

Grob unterscheidet man zwei Formen. Akuter Schmerz hat eine erkennbare Ursache — eine Verletzung, eine Entzündung, eine Operation — und geht mit ihr zurück. Anhaltender Schmerz ist geblieben, auch wenn der Anlass längst versorgt ist. Er verändert Schlaf, Appetit, Stimmung und Beweglichkeit und wird dadurch zu einem eigenen Problem. Beide werden unterschiedlich behandelt — deshalb lohnt es sich, in der Praxis genau zu beschreiben, seit wann etwas da ist.

Zwei Dinge sind dabei wichtig zu wissen:

  • Schmerz ist immer das, was der Betroffene sagt. Es gibt kein Gerät, das ihn misst. Wer wenig klagt, hat nicht wenig Schmerz — manche Menschen sind es gewohnt, nichts zu sagen.
  • Vom Aussehen lässt sich nicht auf die Stärke schließen. Ein Mensch mit starken Dauerschmerzen kann ruhig dasitzen und fernsehen. Das heißt nicht, dass es auszuhalten wäre.

Fragen, die weiterhelfen

„Haben Sie Schmerzen?“ bringt oft nur ein „geht schon“. Diese Fragen bringen mehr:

  • Wo genau tut es weh? Zeigen lassen — die Hand ist genauer als das Wort.
  • Wie fühlt es sich an? Brennend, stechend, dumpf, ziehend, klopfend, elektrisierend? Das ist keine Spielerei: Brennende und einschießende Schmerzen sprechen auf andere Mittel an als dumpfe.
  • Seit wann? Und wie ist es seither? Gleichbleibend, in Wellen, nur bei Bewegung, nachts schlimmer?
  • Was macht es besser, was schlimmer? Wärme, Kälte, Ruhe, Bewegung, eine bestimmte Position?
  • Was geht nicht mehr? Schlafen, aufstehen, essen, sich waschen, Besuch empfangen. Das ist die wichtigste Frage überhaupt — sie beschreibt, was der Schmerz kostet.
  • Was ist noch dabei? Fieber, Übelkeit, Taubheit, Schwäche, Luftnot?

Zur Skala von 0 bis 10: Sie hilft, wenn jemand mit ihr etwas anfangen kann — und dann vor allem im Vergleich mit sich selbst. Nicht die Zahl zählt, sondern ihre Veränderung: „gestern eine 7, heute eine 4″ sagt mehr über die Behandlung aus als jede einzelne Angabe. Wer mit Zahlen nichts anfangen kann, kommt mit „stark, mittel, wenig“ genauso weit. Es gibt keinen Wert, ab dem Schmerz zählt.

Wenn jemand es nicht sagen kann

Bei fortgeschrittener Demenz, nach einem Schlaganfall, bei schwerer Erschöpfung oder bei Menschen, die nie viel gesagt haben, fällt die Auskunft weg. Der Schmerz ist deshalb nicht weg — er zeigt sich anders. Achten Sie auf Veränderungen gegenüber dem, was für diesen Menschen normal ist:

  • Gesicht: zusammengezogene Brauen, zusammengekniffene Augen, verzerrter Mund, angespannter Blick.
  • Laute: Stöhnen, Jammern, lautes oder stoßweises Atmen, Rufen, plötzliches Schimpfen.
  • Körper: Schonhaltung, angespannte Muskeln, Zurückzucken bei Berührung, Reiben oder Halten einer Stelle, Bewegungen, die vermieden werden.
  • Verhalten: Abwehr bei der Pflege, Unruhe, Aggression, Rückzug, weniger essen, schlechter schlafen, plötzlich weniger Bewegung.

Beobachten Sie in Bewegung, nicht in Ruhe. Beim Aufstehen, beim Waschen, beim Anziehen zeigt sich mehr als beim Sitzen im Sessel. Und achten Sie auf den Unterschied: Nicht „er stöhnt“ ist die Information, sondern „er stöhnt seit Dienstag beim Aufstehen, vorher nicht“.

All diese Zeichen können auch andere Gründe haben — Angst, Langeweile, eine volle Blase, ein Infekt. Sie sind ein Anlass nachzusehen, keine Diagnose. Für Menschen mit Demenz gibt es fachliche Beobachtungsbögen, die genau dafür entwickelt wurden. Sie gehören in die Hände von Menschen, die darin geschult sind — Pflegefachkraft, Pflegedienst, Arztpraxis. Fragen Sie danach; es ist keine große Sache, aber es verändert die Behandlung.

Aufschreiben statt erinnern

Im Arztgespräch klingt es schnell nach „mal besser, mal schlechter“. Damit lässt sich nichts anfangen. Eine Woche mit kurzen Notizen verändert dieses Gespräch grundlegend — und es braucht keine fünf Minuten am Tag.

Notieren Sie nur, was gebraucht wird:

Zum Abschreiben oder Ausdrucken. Nur so viele Zeilen, wie Sie brauchen.
WannSituationWie stark, wo, wieWas gegeben oder getanUnd danach?
Di, 7:30beim AufstehenHüfte rechts, ziehend, starkTablette nach Plannach 1 Std. besser, konnte frühstücken
     
     
     
     

Die letzte Spalte ist die wichtigste. Ob ein Mittel gewirkt hat, weiß nur, wer daneben war. Schreiben Sie auch auf, wenn nichts passiert ist — genau das ist die Information, die eine Behandlung verändert.

Zum Datenschutz: Diese Notizen sind Gesundheitsdaten. Sie gehören auf Papier oder in eine Datei auf dem eigenen Gerät — nicht in einen Familienchat und in keinen Online-Dienst, der sie speichert. Wer die Notizen führt und wer sie lesen darf, sollte in der Familie einmal ausgesprochen werden. Mehr dazu auf Pflege dokumentieren und Arzttermine vorbereiten.

Medikamente und was sonst hilft

  • Nur nach dem aktuellen Plan geben. Menge, Abstand und Präparat nicht eigenmächtig ändern — auch nicht „nur heute, weil es so schlimm ist“.
  • Bei Dauerschmerz nach der Uhr, nicht nach Bedarf. Wer wartet, bis es wieder weh tut, läuft dem Schmerz hinterher und braucht am Ende mehr. Ob das hier gilt, steht im Plan — fragen Sie danach.
  • Rezeptfreies ist nicht harmlos. Viele Erkältungs- und Kopfschmerzmittel enthalten denselben Wirkstoff wie das verordnete Mittel; zusammen wird die Höchstmenge überschritten, ohne dass es jemand merkt. Alles Zusätzliche in der Apotheke prüfen lassen — auch pflanzliche Mittel.
  • Wärme, Kälte, Bewegung, Ruhe, eine andere Position wirken mit und sind kein Ersatzprogramm für Menschen, die keine Tabletten bekommen. Was im Einzelfall passt, ist verschieden: Bei Entzündung hilft oft Kälte, bei Verspannung Wärme — und wo das Gefühl fehlt, ist Wärme gefährlich, weil Verbrennungen nicht bemerkt werden.
  • Ablenkung, Gesellschaft, ein guter Schlaf verändern das Schmerzempfinden messbar. Das macht den Schmerz nicht eingebildet — es zeigt nur, dass er nicht allein von der kaputten Stelle abhängt.

Welche Mittel es gibt und was bei jedem zu beachten ist, steht ausführlich unter Schmerzen: Schmerzmittel sicher begleiten und Schmerzmittel und Opioide verstehen.

Warnzeichen

Sofort 112:

  • Plötzlich stärkster Schmerz, wie er noch nie da war — im Kopf, im Bauch, im Rücken, in der Brust.
  • Brustschmerz mit Luftnot, Schweißausbruch, Übelkeit oder Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer.
  • Zeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, Lähmung, verwaschene Sprache, plötzliche Sehstörung.
  • Harter, brettartiger Bauch mit Kreislaufschwäche.
  • Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit oder Ohnmacht zusammen mit Schmerz.
  • Schwere Verletzung, Verdacht auf einen Bruch, sichtbare Fehlstellung.

Am selben Tag ärztlich klären — außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117:

  • Neue starke Schmerzen ohne erkennbaren Anlass.
  • Schmerzen, die rasch zunehmen oder sich verändert haben.
  • Schmerz mit Fieber, Erbrechen, Taubheit, Schwäche oder Problemen beim Wasserlassen.
  • Das verordnete Mittel wirkt nicht mehr.
  • Ein Mensch, der sonst ruhig ist, wird plötzlich unruhig oder abwehrend.
  • Eine Wunde, ein Gelenk oder ein Bein wird rot, heiß und geschwollen.

Wer beim Schmerz hilft

  • Die Hausarztpraxis ist der erste Weg und koordiniert alles Weitere.
  • Schmerzpraxen und Schmerzambulanzen gibt es für hartnäckige Fälle. Der Zugang läuft über eine Überweisung, und die Wartezeiten sind lang — deshalb früh fragen, nicht erst nach Jahren.
  • Ein Pflegedienst kann beobachten, verordnete Maßnahmen umsetzen und Rückmeldung geben. Bei Menschen, die sich nicht äußern können, ist das oft der entscheidende Baustein.
  • Physio- und Ergotherapie gehören bei anhaltenden Schmerzen dazu und werden zu selten verordnet.
  • Die spezialisierte Palliativversorgung ist nicht nur für die letzten Tage da. Sie kann bei schwerer Erkrankung früh hinzukommen und ist im Umgang mit Schmerz sehr erfahren.

Wie Sie das Passende finden, steht unter Professionelle Unterstützung finden und organisieren.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Schmerzen bei Demenz?

An Veränderungen gegenüber dem, was für diesen Menschen üblich ist — im Gesicht, in der Haltung, in den Lauten und im Verhalten. Wer plötzlich beim Waschen abwehrt, nachts unruhig wird, weniger isst oder eine Bewegung meidet, sagt damit möglicherweise etwas über Schmerz. Beobachten Sie während der Bewegung, nicht in Ruhe. Für die fachliche Einschätzung gibt es Beobachtungsbögen, die von geschulten Pflegefachkräften angewendet werden — fragen Sie beim Pflegedienst oder in der Arztpraxis danach.

Welche Schmerzskala soll ich benutzen?

Die, mit der Ihr Angehöriger etwas anfangen kann. Für viele funktioniert 0 bis 10, für andere „wenig – mittel – stark“, für wieder andere gar keine. Entscheidend ist nicht die Zahl selbst, sondern ob sie sich verändert: Dieselbe Frage jeden Tag gestellt zeigt, ob eine Behandlung anschlägt. Wechseln Sie die Skala nicht ständig, sonst lässt sich nichts vergleichen.

Das Schmerzmittel wirkt nicht — darf ich mehr geben?

Nein. Aber melden Sie es, und zwar bald. Dass ein Mittel nicht wirkt, ist eine wichtige Information: Vielleicht ist es die falsche Sorte für diese Art von Schmerz — brennende, einschießende Nervenschmerzen sprechen auf gewöhnliche Schmerzmittel oft kaum an —, vielleicht stimmt der Zeitpunkt nicht, vielleicht hat sich etwas verändert. Schreiben Sie auf, wann Sie was gegeben haben und was danach passiert ist. Damit lässt sich in der Praxis arbeiten.

Ab wann sind Schmerzen ein Notfall?

Wenn sie plötzlich und stärker als je zuvor auftreten, wenn sie in der Brust sitzen und mit Luftnot oder Schweißausbruch einhergehen, wenn Lähmung, Sprachstörung oder Bewusstseinstrübung dazukommen, wenn der Bauch hart wird und der Kreislauf schwächelt — dann 112, ohne abzuwarten. Alles, was neu, stark und ungewohnt ist, gehört am selben Tag geklärt; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.

Mein Angehöriger will keine Schmerzmittel nehmen. Was tun?

Fragen Sie nach dem Grund, bevor Sie überreden. Meist steckt etwas Konkretes dahinter: Angst vor Abhängigkeit, schlechte Erfahrung mit Übelkeit oder Verstopfung, das Gefühl, sich nicht gehen lassen zu dürfen, oder die Sorge, dann später „nichts mehr übrig“ zu haben. Für jede dieser Sorgen gibt es eine sachliche Antwort und meist auch eine praktische Lösung. Nehmen Sie den Grund mit in die Praxis — er ist wichtiger als der Widerstand selbst.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
Pflegegrad Pflegegrad Leistungen Leistungen Prävention Prävention Erkrankungen & Lebenslagen Erkrankungen & Lebenslagen Kurse Kurse Beratung Beratung Pflege-Cockpit Suche Weiter Download Telefontermin Termin Passt zu mir Checkliste Antrag stellen Bescheid & Widerspruch Frist Rechner Häusliche Pflege Stationäre Pflege Bewegung & Kurs Entlastung & Budget Tipp Hinweis Achtung Geprüft Pflege-Dschungel Mit KI erstellt Schließen