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Publikation · Pflegepartner

Die große Reform nimmt Gestalt an

Erschienen in Pflegepartner · Ausgabe 01/2026 · Rubrik „Rat und Recht“ · von Hendrik Dohmeyer

Die Pflege in Deutschland ist zum Stresstest geworden: mehr Pflegebedürftige, fehlende Fachkräfte, steigende Kosten. Die kommenden Monate müssen zeigen, ob die skizzierten Reformbausteine wirklich Entlastung bringen. Erste Einordnungen.

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Artikel „Die große Reform nimmt Gestalt an
Aktualisiert am 18.09.2026

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Seit Juli 2025 arbeitet die Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege" an einem Reformfahrplan; seit Dezember 2025 liegt ein Bericht mit Vorschlägen vor. Der Beitrag ordnet die wichtigsten diskutierten Leistungsbausteine ein – Prävention und Reha, bessere Verzahnung der Beratung, ein Notfallbudget, das Bündeln von Budgets – und benennt die Chance und das Risiko dahinter. Beschlossen ist nichts.

Dieser Beitrag erschien Anfang 2026 und ordnet diskutierte Reformvorschläge ein. Nichts davon ist beschlossenes Recht – es sind Vorschläge im Verfahren (Prognose). Wie es weiterging, lesen Sie im späteren Beitrag zum Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG).

Im „Zukunftspakt Pflege“ arbeitet eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe seit Juli 2025 daran, die Pflegeversicherung zukunftsfest weiterzuentwickeln. Seit Dezember 2025 liegt dazu ein Bericht mit Vorschlägen und einem Fahrplan vor. Die kommenden Monate entscheiden, was davon wirklich umgesetzt wird.

In der Reformdebatte stehen oft Finanzierung, Paragrafen und Zuständigkeiten im Fokus. Für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige zählt jedoch, ob Hilfe früher ankommt, Organisation leichter wird und Entlastung im Alltag spürbar ist. Daran müssen sich die diskutierten Leistungsmaßnahmen messen lassen:

Was sich für Angehörige ändern soll

  • Prävention & Reha stärken: Pflegebedürftigkeit soll möglichst vermieden, abgemildert oder hinausgezögert werden. Hier sehe ich großes Potenzial – wenn es nachhaltig mit passenden Angeboten organisiert wird.
  • Beratung und Begleitung verzahnen: Beratung, Schulung und praktische Unterstützung sollen besser ineinandergreifen, gerade wenn ein Pflegegrad neu festgestellt oder erhöht wird. Wichtig ist, dass bestehende Kontakte zu Beratenden nicht durch Zuständigkeitswechsel verloren gehen.
  • Notfallbudget für akute Situationen: Pflege entsteht oft abrupt – nach Krankenhaus, Sturz oder plötzlicher Verschlechterung. Ein Notfallbudget soll kurzfristige Hilfe auch außerhalb der Bürozeiten ermöglichen. Gut – sofern die Angebote tatsächlich verfügbar sind.
  • Bürokratie abbauen: Weniger doppelte Vorgaben, schlankere Verfahren, schnellere Bearbeitung – damit Zeit und Energie aus der Verwaltung zurück in die Versorgung fließen.
  • Pflege und Beruf vereinbaren: Regelungen sollen einfacher und flexibler werden, damit Pflege nicht zu finanziellen Brüchen oder beruflichen Sackgassen führt.
„Budgets bündeln“ – hier lohnt genaues Hinsehen

Diskutiert wird, die drei bisherigen Einzelbudgets der häuslichen Pflege – Verhinderungspflege, Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel zum Verbrauch – zu streichen und durch einen monatlichen Pauschalbetrag innerhalb von Pflegegeld/Sachleistung zu „kompensieren“. Mehr Flexibilität klingt gut, darf aber nicht weniger abgesicherte Ansprüche bedeuten. Ist die Pauschale nicht ausreichend bemessen, droht eine faktische Leistungskürzung.

Finanzielle Maßnahmen

Die finanziellen Vorschläge zielen darauf, die Ausgabendynamik durch stärkere Prävention und mögliche Anpassungen der Begutachtungssystematik zu dämpfen, die Eigenanteile in der stationären Pflege (etwa über Dynamisierung oder einen „Sockel-Spitze-Tausch“) zu begrenzen und den ab 2027 erwarteten Finanzierungsdruck abzufedern. Parallel werden Optionen zur Gegenfinanzierung sowie Elemente von Vorsorge und Kapitaldeckung diskutiert.

Pflegereform Zukunftspakt Pflege Prävention

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Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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