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6 Millionen und kein Ende — die zehn wichtigsten Zahlen zur Pflegestatistik 2024

Einnahmen, Ausgaben und Fallzahlen der Pflegeversicherung in Zahlen — mit den vollständigen Tabellen.

Veröffentlicht am 19.05.2025 Aktualisiert am 18.09.2026 4 Minuten

Infografik „Pflege in Deutschland: Statistik 2024": 6.011.679 Pflegebedürftige, davon 84,9 Prozent ambulant und 15,1 Prozent stationär versorgt, dazu die Verteilung auf die Pflegegrade, die Ausgaben der Pflegeversicherung und eine Kurve der Entwicklung seit 1995 mit Prognose bis 2030.

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Moin! Seit Ende April liegt die aktuelle Jahresauswertung zur sozialen Pflegeversicherung 2024 vor – veröffentlicht vom GKV-Spitzenverband in kompakter Form. Für alle, die sich mit der Realität von Pflege in Deutschland auseinandersetzen, sind diese Daten ein wichtiger Bezugspunkt. Sie zeigen, wo wir stehen – und wo wir dringend handeln müssen. Wie jedes Jahr habe ich die zentralen Entwicklungen analysiert und in der aktualisierten Infografik „Pflege in Deutschland 2024“ kompakt zusammengefasst. Wer sie für Präsentationen, Webseiten oder Vorträge nutzen möchte – gerne einfach per Rechtsklick herunterladen und verwenden.

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Dabei nutze ich bewusst sowohl die Daten der gesetzlichen als auch der privaten Pflegeversicherung. Denn nur durch die Kombination beider Bereiche lässt sich der tatsächliche Ressourcenbedarf – ob in der ambulanten oder stationären Versorgung – realistisch einschätzen.

Genau diese umfassende Betrachtung ist auch für die anstehenden Expertenrunden zur Vorbereitung der Großen Pflegereform 2025 von entscheidender Bedeutung. Ich hoffe, dass diese Perspektive dort ebenfalls mitgedacht wird.

Denn am Ende ist es den Pflegenden – ob professionell oder Angehörige – relativ egal, wer sie bezahlt oder im Fall der pflegenden Angehörigen eben nicht bezahlt: Die Arbeit muss getan werden, und Menschen, die helfen können, müssen verfügbar und einsatzbereit sein. Die Statistik liefert dafür eine wichtige Grundlage – aber die Praxis entscheidet sich im Alltag, nicht in Paragrafen.

Die Infografik kombiniert die offiziellen Strukturdaten der sozialen Pflegeversicherung mit den hochgerechneten Zahlen zur privaten Pflegeversicherung (PPV), deren finale Werte traditionell erst in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht werden. Für die PPV werden wie gewohnt die Wachstumskennzahlen von +9,1 % für ambulante und +0,9 % für stationäre Versorgung angesetzt.

Jahr20222023Veränderung in Mrd. €Veränderung
Beitragseinnahmen52,4558,536,0811,6%
davon————
Beiträge für abhängig Beschäftigte31,2534,863,6111,6%
Beiträge für freiwillig in der KV Versicherte8,069,010,9511,8%
Beiträge aus Renten9,0210,051,0311,4%
Beiträge für versicherte ALG I-Empfänger0,590,700,1118,6%
Beiträge für versicherte ALG II-Empfänger1,031,190,1615,5%
sonstige Beiträge2,492,720,239,2%
Sonstige Einnahmen5,332,48-2,85-53,5%
Einnahmen insgesamt57,7861,013,235,6%
Leistungsausgaben56,2356,910,681,2%
– ohne Sonstige Leistungsausgaben50,6855,23-4,559,0 %
— Ambulant32,2735,493,2210,0%
— Stationär18,4119,751,347,3%
davon————
Geldleistung14,9216,181,268,4%
Pflegesachleistung5,686,050,376,5%
Verhinderungspflege2,122,570,4521,2%
Tages-/Nachtpflege1,121,400,2825,0%
Zusätzliche ambulante Betreuungs- und Entlastungsleistungen2,662,950,2910,9%
Kurzzeitpflege0,740,850,1114,9%
Soziale Sicherung der Pflegepersonen3,243,600,3611,1%
Hilfsmittel/ Wohnumfeldverbesserung1,651,740,095,5%
Vollstationäre Pflege16,0417,091,056,5%
Vollstationäre Pflege in Behindertenheimen0,440,43-0,01-2,3%
Stationäre Vergütungszuschläge1,591,820,2314,5%
Vergütungszuschläge für zusätzl. Personal in vollst. Einrichtungen0,340,410,0720,6%
Pflegeberatung0,140,150,017,1%
Sonstige Leistungsausgaben5,551,68-3,87-69,7%
Hälfte der Kosten des Medizinischen Dienstes0,530,590,0611,3%
Verwaltungsausgaben1,621,680,063,7%
Zuführung zum Pflegevorsorgefonds1,630,00-1,63-100,0%
Sonstige Ausgaben0,030,060,03100,0%
Ausgaben insgesamt60,0359,23-0,8-1,3%
Liquidität————
Überschuss der Einnahmen—1,78——
Überschuss der Ausgaben2,25———
Investitionsdarlehen an den Bund————
Mittelbestand am Jahresende5,606,891,2923,0%
%22in Monatsausgaben lt. Haushaltsplänen der Kassen%221,211,410,216,5%
Nachrichtlich: Mittelbestand Pflegevorsorgefonds10,4511,641,1911,4%
Einnahmen und Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung 2022 und 2023 in Milliarden Euro. Quelle: amtliche Finanzergebnisse.

Hier sind meine zehn wichtigsten Erkenntnisse aus der Pflegestatistik 2024:

  1. 6,01 Millionen Menschen mit Pflegebedarf – Schallmauer deutlich durchbrochen
    Die Gesamtzahl der Menschen mit Pflegebedarf ist auf über 6,01 Millionen gestiegen – rund 432.000 mehr als im Vorjahr. Die symbolische 6-Millionen-Grenze wurde damit deutlich früher überschritten als ursprünglich prognostiziert.
  2. Ambulante Pflege bleibt dynamischster Wachstumsbereich
    Die ambulante Versorgung wächst weiterhin am stärksten: +9,1 % gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der ambulant versorgten Menschen liegt nun mit 5,1 Mio. bei rund 85,2 % – ein historischer Höchstwert.
  3. Stationäre Pflege stagniert strukturell, kostet aber immer mehr
    Die Zahl der stationär versorgten Menschen mit Pflegebedarf steigt leicht (+0,9 %) auf über 910.000. Der stationäre Bereich bleibt also stabil – aber finanziell immer belastender.
  4. Pflegegrad 1 mit überdurchschnittlichem Zuwachs
    Der höchste Zuwachs zeigt sich erneut im Pflegegrad 1 mit einem Plus von über 10,3 %. Das unterstreicht die Bedeutung früher, präventiver Unterstützung und niederschwelliger Angebote.
  5. Deutlich mehr Menschen erhalten Leistungen
    Insgesamt wurden 2024 rund 432.000 Menschen mehr in den Leistungsbezug aufgenommen – ein Zuwachs von 7,8 % gegenüber dem Vorjahr.
  6. Ambulante Ausgaben wachsen überproportional
    Die Ausgaben für ambulante Leistungen der sozialen Pflegeversicherung stiegen um 13,7 % auf etwa 40,35 Milliarden Euro. Ein deutliches Signal für steigenden Versorgungsdruck.
  7. Moderates Wachstum bei Pro-Kopf-Ausgaben ambulant
    Trotz des starken Gesamtausgabenanstiegs liegt das Wachstum pro Person bei moderaten 4,6 % bzw. rund 367 Euro. Das weist auf eine stabilisierende Versorgungsintensität hin.
  8. Entlastungsleistungen gewinnen an Bedeutung
    Ein Großteil des Ausgabenwachstums geht auf die verstärkte Nutzung von Entlastungsleistungen zurück – ihre Bedeutung und der Bedarf danach wächst stetig.

  9. Stationäre Versorgung – deutlicher Ausgabensprung
    Die Ausgaben in der stationären Versorgung stiegen um 2,02 Milliarden Euro (+10,1 %) auf rund 22,02 Milliarden Euro. Treiber ist insbesondere die Entlastung bei den Eigenanteilen

  10. Pro-Kopf-Ausgaben stationär bei fast 26.000 Euro
    Trotz kaum steigender Personenzahlen klettern die Pro-Kopf-Ausgaben in stationären Einrichtungen auf 25.887 Euro – ein Plus von über 2.100 Euro (+91 %) innerhalb eines Jahres

Die Pflegestatistik 2024 macht erneut deutlich: Die Pflegeversicherung in Deutschland steht vor enormen Herausforderungen – sowohl bei der Finanzierung als auch bei der Versorgungssicherheit. Der Trend zur ambulanten Versorgung setzt sich ungebrochen fort. Menschen mit Pflegebedarf wünschen sich wohnortnahe, flexible und verlässliche Unterstützung – und viele Angehörige stemmen diese Aufgabe mit beispiellosem Engagement.

Doch Engagement allein reicht nicht aus. Die Zahlen zeigen, dass es politischer Weichenstellungen bedarf: für mehr Personal, bessere Rahmenbedingungen und eine tragfähige Finanzierung – vor allem im Hinblick auf die anstehende Große Pflegereform 2025. Die Zeit drängt.

Nachfolgend noch eine tabellarische Übersicht mit der historischen Entwicklung der Pflegestatistik seit 1995.

JahrAmbulantStationärGesamt
20244.791.912850.6345.642.546
20234.393.497843.0895.236.586
20224.044.162831.1754.875.337
20213.763.305831.9134.606.309
20203.478.535840.9624.322.772
20193.141.471873.8603.999.755
20182.905.425912.6313.685.389
20172.520.979725.7173.209.863
20161.974.797775.0042.749.201
20151.907.095758.0042.665.103
20141.818.052750.8842.569.306
20131.739.497740.2532.479.609
20121.667.108729.5462.396.554
20111.600.554714.8822.315.436
20101.577.484709.9952.287.799
20091.537.744697.6472.237.291
20081.432.584680.9512.113.485
20071.358.201671.0842.029.855
20061.310.473658.9191.969.392
20051.309.506642.4471.951.953
20041.296.181628.8921.925.703
20031.281.391614.0191.895.417
20021.289.152599.8171.888.969
20011.261.657577.9351.836.062
20001.260.825561.3441.822.169
19991.280.739545.9831.826.362
19981.226.715511.4031.738.118
19971.197.677462.2711.659.848
19961.162.184384.5621.546.746
19951.061.418—1.061.418
Pflegebedürftige nach Versorgungsform seit 1997.

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Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021

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