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10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

Unabhängige Orientierung durch Pflegeversicherung,
Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Pflegegrad selbst einschätzen


Die Begutachtung kommt, und niemand weiß, was dabei herauskommt. Genau dieses Warten lässt sich abkürzen: Eine Selbsteinschätzung geht dieselben Fragen durch wie die Gutachterin — vorher, in Ruhe, zu Hause. Sie ersetzt kein Gutachten, aber sie nimmt die Überraschung heraus und zeigt, wo Sie genauer hinsehen sollten.

Aktualisiert am 18.09.2026

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Was ein Pflegegrad-Rechner eigentlich macht

Ein guter Rechner ist kein Ratespiel und keine Schätzformel. Er bildet das Verfahren nach, das auch der Medizinische Dienst anwendet — Schritt für Schritt durch dieselben sechs Lebensbereiche.

  1. Modul für Modul. Sie gehen die sechs Bereiche der Reihe nach durch — Mobilität, geistige Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheit, Alltag und Kontakte.
  2. Kriterium für Kriterium. In jedem Bereich stehen einzelne Fragen. Für jede wählen Sie, wie selbstständig die Person dabei noch ist — meist auf einer Skala von „selbstständig“ bis „unselbstständig“.
  3. Punkte und Gewichtung. Aus den Antworten entstehen Punkte. Die Bereiche zählen unterschiedlich stark, und bei zwei von ihnen zählt nur der höhere Wert. Das rechnet der Rechner für Sie.
  4. Ergebnis. Am Ende steht eine Gesamtpunktzahl und der Pflegegrad, der dazu passt.

Der eigentliche Gewinn liegt dabei nicht in der Zahl am Ende. Er liegt darin, dass Sie beim Durchgehen zum ersten Mal systematisch auf den Alltag schauen — und dabei regelmäßig Dinge bemerken, die man sonst übersieht, weil sie längst zur Gewohnheit geworden sind.

Kinder werden anders gerechnet — und die meisten Rechner können das nicht

Bei Erwachsenen wird gefragt: Was geht noch allein? Bei Kindern lautet die Frage anders: Was geht weniger als bei einem gleichaltrigen gesunden Kind? Dass ein Vierjähriger beim Anziehen Hilfe braucht, ist normal und zählt nicht. Bei einem Zwölfjährigen zählt genau dasselbe sehr wohl.

Dieser Maßstab verschiebt sich mit jedem Lebensjahr. Ein Rechner, der nach dem Alter gar nicht erst fragt, kann ihn nicht abbilden — er behandelt ein siebenjähriges Kind wie einen Erwachsenen. Für Familien mit einem kranken oder behinderten Kind kommt dabei ein Ergebnis heraus, das weit daneben liegt, und zwar in beide Richtungen:

  • Zu hoch, weil alles mitgezählt wird, was bei einem Kind ohnehin normal ist — und die Familie geht mit einer Erwartung in den Termin, die enttäuscht werden muss.
  • Zu niedrig, weil die zusätzliche Belastung im Vergleich zum Altersdurchschnitt gar nicht erst auffällt — und die Familie stellt den Antrag deshalb nicht.

Der zweite Fall ist der häufigere und der teurere. Ich erlebe in der Beratung regelmäßig Eltern, die Jahre verloren haben, weil ihnen irgendein Rechner im Netz ausgerechnet hat, es reiche ohnehin nicht.

Deshalb fragt der Rechner im Pflege-Cockpit gleich zu Beginn nach dem Geburtsdatum und legt bei Kindern den Vergleichsmaßstab an, den auch die echte Begutachtung verwendet — einschließlich der Sonderregelung für die ersten Lebensmonate, in denen der Altersvergleich nicht trägt. Sie schätzen also nicht „ungefähr wie bei Erwachsenen“ ein, sondern nach den Regeln, die für Ihr Kind tatsächlich gelten.

Was bei Kindern sonst noch anders ist — welche Bereiche besonders zählen und wie Sie den Termin vorbereiten — steht unter Pflegegrad bei Kindern.

Nachschlagen, wo die Frage steht

Die Kriterien der Begutachtung sind in einer Sprache formuliert, die für Fachleute gemacht ist. „Umsetzen“, „Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen“ — wer das zum ersten Mal liest, weiß nicht, was gemeint ist, und rät.

Im Pflege-Cockpit stehen die Erläuterungen deshalb direkt an der jeweiligen Frage: was das Kriterium meint, woran die Begutachtung es festmacht, welche Abstufung wann zutrifft. Das kleine Info-Zeichen neben jedem Kriterium öffnet sie — Sie müssen nicht nebenher in einer Richtlinie blättern, sondern lesen die Erklärung dort, wo Sie gerade entscheiden.

Das ist der Unterschied zwischen Raten und Einschätzen. Und es ist der Grund, warum eine Einschätzung im Cockpit näher an das echte Ergebnis kommt als das Ausfüllen eines Formulars, dessen Fragen man nur zur Hälfte versteht.

Nebenbei lernen Sie dabei die Sprache der Begutachtung kennen. Wer im Termin weiß, was mit „Umsetzen“ gemeint ist, kann gezielt schildern, statt auf die richtige Frage zu warten.

Was der Rechner darüber hinaus kann

Aus der einfachen Einschätzung ist über die Jahre ein Werkzeug für den ganzen Weg geworden — von der Vorbereitung bis zur Prüfung des Bescheids. Jede dieser Funktionen löst ein Problem, das in der Beratung immer wieder auftaucht.

Mehrere Einschätzungen aufbewahren

Ein Zustand verschlechtert sich meist langsam, und wer täglich dabei ist, merkt es zuletzt. Genau daran scheitern Anträge auf Höherstufung: Die Verschlechterung ist da, aber niemand kann sie belegen.

Wer zu verschiedenen Zeitpunkten einschätzt, hat die Entwicklung schwarz auf weiß. „Im März waren es 42 Punkte, heute sind es 58″ ist ein Satz, mit dem man bei der Pflegekasse etwas anfangen kann — anders als „es ist schlimmer geworden“.

Mit dem Gutachten vergleichen

Der Bescheid kommt, und die Zahl darin passt nicht zu dem, was Sie täglich erleben. Bisher blieb an dieser Stelle nur ein ungutes Gefühl. Jetzt legen Sie Ihre eigene Einschätzung neben das Gutachten des Medizinischen Dienstes oder von Medicproof — und sehen Modul für Modul, wo die Bewertungen auseinandergehen.

Das ist der Unterschied zwischen „ich bin nicht einverstanden“ und „in Modul 4 wurde die Selbstversorgung mit 20 Punkten bewertet, ich komme auf 40, und zwar aus diesen Gründen“. Nur das Zweite trägt einen Widerspruch.

Potenzialanalyse: wo überhaupt etwas zu holen ist

Nicht jede Abweichung lohnt den Aufwand. Die Punkte sind in Stufen geordnet, und zwischen zwei Stufen liegt manchmal nur ein einziger Punkt — an anderer Stelle fehlen fünfzehn.

Die Analyse zeigt beides auf einen Blick: wo die Unterschiede liegen und wo ein Punktesprung realistisch ist. So stecken Sie Ihre Energie in die zwei Module, in denen sich etwas bewegen lässt, statt in alle sechs.

Leistungsansprüche direkt daneben

Ein Pflegegrad ist kein Selbstzweck — es geht um das, was daraus folgt. Zu jeder Einschätzung sehen Sie deshalb gleich, welche Leistungen dazugehören und wie sich Pflegegeld, Sachleistung und Entlastungsbetrag sinnvoll kombinieren lassen.

Das beantwortet die Frage, die nach jeder Einschätzung als nächste kommt: Und was heißt das jetzt für uns?

Als PDF speichern oder herunterladen

Die Einschätzung lässt sich als PDF herunterladen — wahlweise mit der Vergleichsanalyse und mit Ihren eigenen Notizen zu einzelnen Kriterien. Beim Herunterladen fragt das Cockpit, ob es die Datei zugleich unter „Pflege-Dokumente“ ablegen soll. Dann haben Sie sie später auch dort wieder, ohne sie erneut erzeugen zu müssen.

Dort liegt dann alles beieinander, was zu einer Pflegesituation gehört: die eigenen Einschätzungen, ein externes Gutachten, Bescheide, Anträge, Vollmachten, das Beratungsprotokoll. Auch abfotografierte Papiere lassen sich ablegen und einer Kategorie zuordnen.

Wer schon einmal einen Aktenordner durchsucht hat, während am Telefon jemand von der Pflegekasse wartet, weiß, was das wert ist.

KI-Prompt: die Einschätzung besprechen

Manchmal möchte man die eigenen Zahlen einfach mit jemandem durchsprechen — und um drei Uhr nachts ist niemand da. Das Cockpit stellt Ihre Einschätzung deshalb auf Wunsch als fertig formulierten Text zusammen, den Sie mit einem Klick kopieren und in den KI-Dienst Ihrer Wahl einfügen können.

Vorher wählen Sie, aus welcher Sicht Sie sprechen: als pflegender Angehöriger oder als pflegebedürftige Person. Das ändert den Text spürbar — im einen Fall geht es um Belastung, Zeitaufwand und übernommene Tätigkeiten, im anderen um die eigene Situation.

Der fertige Text enthält bereits alles, worauf es ankommt: die Bewertung je Modul, die Punkte, bei einem Vergleich auch die Abweichungen zum Gutachten. Und er sagt der KI, was sie tun soll — nämlich eine Argumentationshilfe für das Begutachtungsgespräch erstellen, mit konkreten Formulierungen statt Fachjargon. Sie müssen also weder erklären, worum es geht, noch die richtige Frage finden.

Eines sollten Sie dabei wissen: Sobald Sie den Text in einen fremden KI-Dienst einfügen, verlassen diese Angaben das Cockpit. Es sind Gesundheitsdaten. Nutzen Sie den Prompt deshalb bewusst — und wenn Sie unsicher sind, lieber gar nicht. Ihre Einschätzung ist auch ohne ihn vollständig.

Was eine Selbsteinschätzung nicht ist

Sie ist kein Gutachten und kein Bescheid. Die Einstufung nimmt allein der Medizinische Dienst vor, bei privat Versicherten Medicproof. Aus einem Rechnerergebnis folgt kein Anspruch, und man kann sich im Widerspruch auch nicht darauf berufen.

Was sie leistet, ist etwas anderes und für viele Familien mehr wert: Sie gehen vorbereitet in den Termin, wissen, worauf es ankommt, und erkennen hinterher, ob das Ergebnis zu Ihrer Wahrnehmung passt. Weicht es deutlich ab, haben Sie etwas in der Hand, mit dem sich nachfragen lässt.

So kommen Sie zum Rechner

Der Pflegegrad-Rechner ist Teil des Pflege-Cockpits, das inzwischen über 15.000 Menschen nutzen. In eigener Sache und offen gesagt: Das Pflege-Cockpit ist mein eigenes Angebot. Die Basisversion ist dauerhaft kostenlos — mit ihr können Sie einschätzen, so oft Sie möchten. Die Erweiterungen wie Historie, Gutachten-Vergleich und Potenzialanalyse gehören zur kostenpflichtigen Fassung, die die Weiterentwicklung trägt.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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