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Pflegegrad 1 streichen – der Spiegel reagiert 😉

von | Pflegepolitik, Pflegeversicherung, SGB XI, Statistik | 0 Kommentare

Es freut mich sehr, dass meine gestrige Analyse zum Thema „MilchmĂ€dchenrechnung“ und der möglichen Streichung des Pflegegrad 1 heute vom Spiegel-Verlag aufgegriffen wurde. Interessant dabei: Die eigene Berechnung des Hauses liegt ziemlich genau zwischen meinen beiden Prognosen. Die Zahl von 640 Mio.€ wird inzwischen sogar vom GKV-Spitzenverband bestĂ€tigt.

Was mich jedoch wirklich umtreibt: Solche Zahlenspiele mögen kurzfristig Schlagzeilen erzeugen, sie sind aber alles andere als zielfĂŒhrend. Im Gegenteil. Sie wirken wie ein Schuss vor den Bug fĂŒr alle Beteiligten: fĂŒr die Mitarbeiter:innen des Medizinischen Dienstes, fĂŒr die Pflegekassen und letztlich fĂŒr die gesamte Finanzsituation der GKV bzw. Pflegeversicherung.

Alleine in den vergangenen zwei Tagen habe ich fĂŒnf konkrete Anfragen von Beratungskunden erhalten, die nach diesem Medienecho plötzlich eine Höherstufung vom Pflegegrad 1 auf 2 beantragen möchten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die mediale Wucht von TV, Print und Internet eine erhebliche Verunsicherung bei tausenden, wenn nicht hunderttausenden von Familien ausgelöst hat.

Das Ergebnis könnte eine regelrechte Flut von HöherstufungsantrĂ€gen sein. Viele, die vielleicht noch zwei, drei oder vier Jahre gewartet hĂ€tten, werden jetzt aus Angst versuchen, schnell den Pflegegrad zu erhöhen. Die Folge: Ein sprunghafter Anstieg der LeistungsansprĂŒche im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich pro Person und Jahr – und damit genau das Gegenteil dessen, was mit einer vermeintlichen „Einsparmaßnahme“ eigentlich erreicht werden sollte.

Das war kein guter Job!

Hendrik Dohmeyer
Hendrik Dohmeyer – §7a Pflegeberater
und Autor beim Pflege-Dschungel

Bis 2024 war ich insgesamt 18 Jahre lang als sorgender und pflegender Angehöriger fĂŒr meine eigenen Eltern da. Aktuell kĂŒmmere ich mich intensiv um zwei weitere Familienmitglieder und kenne die Herausforderungen einer Pflegesituation daher weiterhin auch aus ganz persönlicher Erfahrung.
Als Pflegeberater bin ich bundesweit fĂŒr viele Familien tĂ€tig.TĂ€glich nutzen durchschnittlich 1.500 Ratsuchende meine Informationen und Leistungen hier im Pflege-Dschungel. Ein wenig stolz bin ich auch auf unser neues Pflege-Cockpit mit vielen neuen und verbesserten Tools und Funktionen.

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