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Schmerzen: passend zum Behandlungsplan lindern


Warum Dauerschmerz feste Zeiten braucht — und wie Sie Schmerzen erkennen, wenn jemand sie nicht mehr benennen kann.

Auf einem Tisch liegen ein Schmerztagebuch, ein Stift und Medikamentenpackungen; zwei Hände sind zu sehen.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Für die Behandlung macht es einen großen Unterschied, ob es sich um akuten Schmerz handelt — nach einer Verletzung, einer Operation, bei einer Entzündung — oder um Dauerschmerz, der seit Monaten da ist und den Alltag prägt.

Ob ein Schmerzmittel zu festen Zeiten oder bei Bedarf genommen wird, steht im Behandlungsplan — es hängt von der Schmerzart ab, vom Wirkstoff und vom einzelnen Menschen. Eine Regel, die für alle gilt, gibt es nicht.

Was man wissen sollte, ist der Gedanke dahinter: Bei starken Schmerzen, die dauernd da sind, kann eine regelmäßige Grundversorgung sinnvoll sein — meist ergänzt um ein festgelegtes Mittel für Spitzen zwischendurch. Wer immer erst wartet, bis es wieder weh tut, läuft dem Schmerz hinterher; das Mittel muss dann gegen mehr ankämpfen. Aber auch akute Schmerzen, etwa nach einer Operation, brauchen zeitweise feste Gaben, und umgekehrt ist bei manchem Dauerschmerz die Bedarfseinnahme genau richtig.

Das Wichtigste daraus für den Alltag: Wechseln Sie nicht auf eigene Faust von „bei Bedarf“ auf „nach der Uhr“ — und auch nicht umgekehrt. Wenn der bisherige Plan nicht mehr trägt, ist das ein Grund für ein Gespräch, nicht für eine eigene Umstellung.

Zweitens: Nicht jeder Schmerz spricht auf jedes Mittel an. Nervenschmerz — brennend, einschießend, elektrisierend — reagiert oft kaum auf gewöhnliche Schmerzmittel, dafür auf Wirkstoffe, die eigentlich aus ganz anderen Bereichen kommen. Wenn ein Schmerzmittel „nicht hilft“, ist das eine wichtige Information, kein Grund, einfach mehr zu nehmen.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Paracetamol — magenfreundlich, aber mit einer strikten Höchstmenge pro Tag. Darüber schädigt es die Leber.
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen) — gut bei entzündlichem Schmerz. Im Alter die heikelste Gruppe: Sie belasten Magen, Nieren, Blutdruck und Herz.
  • Metamizol — hierzulande viel eingesetzt und gut wirksam; es schädigt die Magenschleimhaut weniger als die entzündungshemmenden Mittel. Sehr selten lässt es die weißen Blutkörperchen einbrechen, und die Abwehr fällt dann aus. Deshalb der Merksatz unten.
  • Opioide (Tilidin, Tramadol, Morphin, Oxycodon, Fentanyl-Pflaster, Buprenorphin) — bei starkem Schmerz. Ausführlich auf Schmerzmittel und Opioide verstehen.
  • Mittel gegen Nervenschmerz (Gabapentin, Pregabalin, Duloxetin, Amitriptylin) — sie stehen auf dem Plan, obwohl die Packung von Epilepsie oder Depression spricht. Das ist kein Irrtum.
  • Äußerlich anzuwendende Mittel — Gele, Capsaicin- oder Lidocain-Pflaster bei umschriebenen Schmerzen.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffGruppeWorauf achten
ben-u-ronParacetamolSchmerzmittelHöchstmenge, auch in Kombipräparaten
Ibuflam, NurofenIbuprofenentzündungshemmendMagen, Niere, Blutdruck
VoltarenDiclofenacentzündungshemmendwie oben, auch als Gel
Novalgin, NovaminsulfonMetamizolSchmerzmittelFieber und Halsschmerz sofort melden — jederzeit möglich
Valoron N, TramalTilidin, TramadolOpioidVerstopfung, Müdigkeit
Lyrica, NeurontinPregabalin, Gabapentingegen NervenschmerzSchwindel, Sturzrisiko

Für den Pflegealltag wichtig

  • Feste Zeiten einhalten, auch an guten Tagen. Ein guter Tag ist meist das Ergebnis der Behandlung, nicht ihr Ende.
  • Ein Schmerztagebuch führen. Uhrzeit, Stärke von 0 bis 10, wo, was hat geholfen. Zwei Wochen davon verändern ein Arztgespräch grundlegend — aus „mal besser, mal schlechter“ wird ein Muster, mit dem sich arbeiten lässt.
  • Vorsicht bei rezeptfreien Mitteln aus der eigenen Schublade. Viele Erkältungs- und Kopfschmerzmittel enthalten Paracetamol, ohne dass es auffällt. Wer zusätzlich das verordnete Paracetamol nimmt, überschreitet die Höchstmenge, ohne es zu merken. Jedes zusätzliche Mittel gehört in der Apotheke geprüft.
  • Bei Metamizol gilt ein einfacher Merksatz: Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder wunde Stellen im Mund sind ein Grund, das Mittel nicht weiter zu geben und noch am selben Tag ärztlich das Blutbild kontrollieren zu lassen. Drei Dinge sind dabei wichtig, weil sie oft falsch erinnert werden: Es kann zu jedem Zeitpunkt der Behandlung passieren, nicht nur am Anfang — auch nach Jahren problemloser Einnahme. Es hängt nicht von der Menge ab. Und es kann auch kurz nach dem Absetzen noch auftreten.
  • Entzündungshemmende Mittel nicht dauerhaft auf eigene Faust nehmen, besonders nicht bei Herzschwäche, Nierenproblemen oder unter Gerinnungshemmern. Wenn sie nötig sind, wird der Magen meist mitgeschützt.
  • Verstopfung mitbehandeln, sobald ein Opioid dabei ist — von Anfang an, nicht erst, wenn es klemmt.
  • Was nicht aus der Packung kommt, wirkt mit: Wärme, Kälte, Lagerung, Bewegung, Ablenkung, Ruhe, Physiotherapie. Bei Dauerschmerz gehört beides zusammen.

Wenn jemand den Schmerz nicht benennen kann

Bei fortgeschrittener Demenz, nach einem Schlaganfall oder bei schwerer Erschöpfung fällt die Auskunft weg. Der Schmerz ist deshalb nicht weg — er zeigt sich anders. Achten Sie auf:

  • Das Gesicht: zusammengezogene Brauen, zusammengekniffene Augen, verzerrter Mund.
  • Laute: Stöhnen, Jammern, lautes Atmen, Rufen.
  • Die Körperhaltung: Schonhaltung, Anspannung, Zurückzucken bei Berührung, Reiben an einer Stelle.
  • Das Verhalten: Abwehr bei der Pflege, Unruhe, Aggression, Rückzug, weniger essen, schlechter schlafen.

Wenn ein Mensch mit Demenz plötzlich unruhig oder abwehrend wird, ist Schmerz die häufigste übersehene Ursache. Es lohnt sich, sie zuerst zu prüfen — bevor ein beruhigendes Medikament ins Spiel kommt. Beobachten Sie am besten während der Bewegung, nicht in Ruhe: beim Aufstehen, beim Waschen, beim Anziehen zeigt sich mehr.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit — besonders am Anfang und bei Mitteln gegen Nervenschmerz. Das Sturzrisiko steigt.
  • Verstopfung unter Opioiden — fast immer, und sie geht nicht von selbst weg.
  • Übelkeit in den ersten Tagen einer Opioidbehandlung, meist vorübergehend.
  • Magenschmerzen, Sodbrennen, schwarzer Stuhl unter entzündungshemmenden Mitteln.
  • Weniger Urin, geschwollene Knöchel — Hinweis auf die Nieren.
  • Verwirrtheit, besonders bei älteren Menschen nach einer Umstellung.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Sehr langsame oder flache Atmung, kaum erweckbar unter einem Opioid — Notruf.
  • Schwarzer Stuhl, Bluterbrechen oder heftiger Bauchschmerz.
  • Plötzlicher stärkster Schmerz, wie er noch nie da war.
  • Neu aufgetretene Lähmung oder Schlaganfallzeichen — hängender Mundwinkel, einseitige Schwäche, Sprachstörung.
  • Starke Rücken- oder Beinschmerzen zusammen mit einer neuen Blasen- oder Darmstörung, Taubheit im Bereich zwischen den Beinen oder zunehmender Schwäche in den Beinen. Das gehört sofort in eine Notaufnahme; bei rascher Verschlechterung oder wenn ein sicherer Transport nicht möglich ist, die 112. Eine seit Langem bekannte, unveränderte Taubheit ist damit nicht gemeint.
  • Verdacht auf eine Überdosis — auch bei versehentlicher Doppelgabe.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder wunde Stellen im Mund unter Metamizol — unabhängig davon, wie lange es schon genommen wird.
  • Der Schmerz ist trotz Medikament deutlich schlimmer geworden.
  • Seit Tagen kein Stuhlgang unter einem Opioid.
  • Neue Verwirrtheit oder starke Müdigkeit nach einer Umstellung.
  • Ein Pflaster wurde vergessen zu entfernen.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Schmerzmittel werden nach Bedarf genommen, obwohl der Schmerz dauerhaft ist.
  • Rezeptfreie Schmerzmittel werden zusätzlich genommen.
  • Anhaltende Müdigkeit oder häufigere Stürze.
  • Es gibt kein Schmerztagebuch.
  • Verdacht auf Schmerzen bei jemandem, der sie nicht äußern kann.
  • Physiotherapie oder eine Schmerzsprechstunde wären möglich, laufen aber nicht.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Soll dieses Mittel nach der Uhr oder bei Bedarf genommen werden?
  • Was ist die Höchstmenge pro Tag — und in welchen anderen Mitteln steckt derselbe Wirkstoff?
  • Was dürfen wir zusätzlich geben, wenn es zwischendurch stärker wird?
  • Ist ein Magenschutz nötig?
  • Was tun wir gegen die Verstopfung, und ab wann?
  • Vertragen sich die Schmerzmittel mit dem Rest des Plans?
  • Wie erkennen wir Schmerzen bei jemandem, der sie nicht mehr äußern kann?
  • Wären eine Schmerzsprechstunde oder Physiotherapie sinnvoll?
Quellen und Anlaufstellen

Aus den Pflegetipps: Schmerzen erkennen und richtig reagieren — wie Sie Schmerzen wahrnehmen und beschreiben, auch ohne Worte.

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Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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