Koronare Herzkrankheit: Medikamente zur Vorbeugung
Verengte Herzkranzgefäße: Was verordnet wird, warum es dauerhaft bleibt und welche Warnzeichen keinen Aufschub dulden.

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Wie dieser Beitrag entstanden ist
Geschrieben, geprüft und verantwortet von Hendrik Dohmeyer, Pflegeberater nach § 7a SGB XI.
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Kurz erklärt
Das Herz ist ein Muskel, und wie jeder Muskel braucht er Sauerstoff. Den bekommt er über eigene Blutgefäße, die ihn wie ein Kranz umschließen — die Herzkranzgefäße. Wenn sich in ihnen über Jahre Ablagerungen bilden, werden sie enger, und das Herz bekommt zu wenig. Das ist die koronare Herzkrankheit, abgekürzt KHK.
Spürbar wird das als Druck oder Enge in der Brust bei Anstrengung — Angina pectoris, wörtlich „Brustenge“. Verschließt sich ein Gefäß ganz, stirbt der dahinterliegende Herzmuskel ab: der Herzinfarkt. Dieselben Ablagerungen können auch Gefäße im Gehirn betreffen; dann droht ein Schlaganfall.
Genau deshalb sehen die Medikamente aus wie eine bunte Mischung: Sie behandeln nicht ein Organ, sondern ein Gefäßproblem im ganzen Körper.
Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?
- Plättchenhemmer sorgen dafür, dass Blutplättchen nicht so leicht verklumpen — ein Gerinnsel an einer verengten Stelle ist der Auslöser des Infarkts. Typisch: Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung. Nach einem Stent kommt für eine begrenzte Zeit ein zweiter Plättchenhemmer dazu, etwa Clopidogrel oder Ticagrelor. Wie lange und in welcher Kombination, entscheidet sich individuell — nach Infarkt oder Stent anders als bei stabiler Erkrankung, und noch einmal anders, wenn zusätzlich ein Gerinnungshemmer wegen Vorhofflimmerns nötig ist. Auch das Blutungsrisiko wiegt dabei mit.
- Statine senken das Cholesterin und stabilisieren die Ablagerungen in der Gefäßwand. Der zweite Teil ist der wichtigere und der unbekanntere: Es geht nicht nur um einen Laborwert, sondern darum, dass eine Ablagerung nicht aufreißt. Typisch: Atorvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin. Endung -statin.
- Betablocker entlasten das Herz — es schlägt langsamer und braucht weniger Sauerstoff. Sie helfen vor allem gegen die Beschwerden und sind besonders angezeigt nach einem Herzinfarkt, bei Herzschwäche oder bei Rhythmusstörungen. Nicht jede stabile koronare Herzkrankheit braucht sie dauerhaft. Typisch: Metoprolol, Bisoprolol.
- ACE-Hemmer oder Sartane senken den Blutdruck und schützen das Herz. Verordnet werden sie vor allem dann, wenn zusätzlich Bluthochdruck, Herzschwäche, Diabetes oder eine Nierenerkrankung vorliegt. Typisch: Ramipril, Candesartan.
- Nitrate erweitern die Gefäße rasch. Sie werden oft als Spray oder Kapsel für den Bedarfsfall verordnet, wenn Brustenge auftritt.
Ein Punkt, der fast immer für Verwirrung sorgt: Diese Mittel werden auch dann weiter genommen, wenn es jemandem gut geht und die Werte in Ordnung sind. Sie behandeln keine Beschwerden, sondern verhindern ein Ereignis. Gute Werte sind das Ergebnis der Behandlung, nicht ihr Ende.
Von der Packung zum Zusammenhang
| Handelsname (Beispiel) | Wirkstoff | Gruppe | Wofür |
|---|---|---|---|
| ASS 100 | Acetylsalicylsäure | Plättchenhemmer | verhindert Verklumpen der Blutplättchen |
| Plavix, Clopidogrel-ratiopharm | Clopidogrel | Plättchenhemmer | meist zusätzlich nach einem Stent |
| Sortis, Atorvastatin AbZ | Atorvastatin | Statin | Cholesterin senken, Ablagerungen stabilisieren |
| Concor, Bisoprolol-ratiopharm | Bisoprolol | Betablocker | entlastet das Herz |
| Delix, Ramipril-ratiopharm | Ramipril | ACE-Hemmer | Blutdruck senken, Herz schützen |
| Nitrolingual | Glyceroltrinitrat | Nitrat | bei Brustenge, nach persönlichem Plan |
Ein Punkt, der leicht übersehen wird: Denselben Handelsnamen gibt es oft in mehreren Stärken — und in unterschiedlichen Freisetzungsformen. Zusätze wie „retard“, „ZOK“, „prolong“ oder „succinat“ bedeuten, dass der Wirkstoff langsam abgegeben wird. Solche Tabletten dürfen nicht ohne Rückfrage geteilt, gemörsert oder gegen eine andere Form getauscht werden, auch wenn der Wirkstoff derselbe heißt.
Für den Pflegealltag wichtig
- Lückenlos einnehmen. Bei den Plättchenhemmern ist eine Lücke ein Zeitfenster ohne Schutz — besonders in den ersten Monaten nach einem Stent. Wenn das Richten zur Last wird, fragen Sie nach Verblisterung durch die Apotheke, statt es schleifen zu lassen.
- Blutungszeichen im Blick behalten, so wie bei allen blutverdünnenden Mitteln: blaue Flecken, Nasenbluten, schwarzer Stuhl. Mehr dazu auf Blutverdünner verstehen.
- Wo liegt das Notfallspray? Wenn eines verordnet ist, sollte jeder im Haushalt wissen, wo es liegt — und es gehört mit, wenn jemand das Haus verlässt. Angewendet wird es nach dem persönlichen Plan, nicht nach Gefühl. Immer im Sitzen oder Liegen: Der Blutdruck kann stark abfallen, Stürze sind die häufigste Folge. Prüfen Sie ab und zu das Verfallsdatum und, bei Sprays, wie lange sie nach dem Anbruch verwendbar sind.
- Muskelschmerzen ansprechen. Unter Statinen kommen Muskelschmerzen oder -schwäche vor. Sie werden oft dem Alter zugeschrieben und deshalb nie erwähnt. Es gibt Wege damit umzugehen — aber nur, wenn jemand davon erfährt.
- Nichts dazunehmen ohne Rückfrage. Rezeptfreie entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Apotheke — etwa Ibuprofen oder Diclofenac — sind hier gleich doppelt heikel: Sie erhöhen das Blutungsrisiko und können den Blutdruck treiben.
- Bewegung gehört zur Behandlung. Was zumutbar ist, legt die Praxis fest — aber Schonung ist bei dieser Erkrankung selten die richtige Antwort.
Nitrate und Potenzmittel vertragen sich nicht
Nitrate — das Notfallspray, Kapseln oder Pflaster — dürfen nicht zusammen mit Potenzmitteln wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil angewendet werden. Beide erweitern die Gefäße; zusammen kann der Blutdruck lebensbedrohlich abstürzen. Dasselbe gilt für Riociguat, ein Mittel gegen Lungenhochdruck.
Das ist ein Thema, über das kaum jemand von sich aus spricht — auch nicht mit der Ärztin. Fragen Sie trotzdem danach, wenn ein Nitrat verordnet wird, und weisen Sie im Notfall die Rettungskräfte darauf hin. Es wird auch im höheren Alter noch verschrieben, und die Wirkung eines solchen Mittels hält bis zu anderthalb Tage an.
Typische Beschwerden — was beobachten?
- Brustenge bei Anstrengung, die in Ruhe wieder nachlässt — das bekannte Muster. Verändert es sich, ist das der wichtigste Befund überhaupt: Tritt es bei geringerer Belastung auf als früher? Dauert es länger? Kommt es in Ruhe?
- Muskelschmerzen, -schwäche oder dunkler Urin unter Statinen.
- Müdigkeit, kalte Hände und Füße, langsamer Puls unter Betablockern.
- Kopfschmerzen nach dem Notfallspray sind häufig und meist harmlos.
- Luftnot bei Anstrengung oder geschwollene Knöchel können auf eine hinzukommende Herzschwäche hindeuten.
Bei älteren Menschen und bei Diabetes sieht ein Herzinfarkt oft anders aus, als man es aus dem Fernsehen kennt: kein Griff zur Brust, sondern Luftnot, Übelkeit, Erbrechen, plötzliche Schwäche, kalter Schweiß oder Schmerzen im Oberbauch, im Rücken oder im Kiefer. Frauen berichten häufiger diese untypischen Zeichen. Wer nur auf den Brustschmerz wartet, wartet manchmal zu lange.
Warnzeichen
Sofort die 112
Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.
- Brustschmerz oder Brustenge, die länger als ein paar Minuten anhält — besonders in Ruhe. Warten Sie nicht ab, ob das Spray wirkt, und geben Sie es nicht mehrfach, um den Notruf hinauszuzögern. Wenn ein persönlicher Notfallplan etwas anderes vorsieht, gilt der Plan.
- Luftnot, Übelkeit, kalter Schweiß, plötzliche schwere Schwäche — auch ohne Brustschmerz.
- Schmerz, der in Arm, Rücken, Kiefer oder Oberbauch zieht.
- Zeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, ein Arm lässt sich nicht heben, verwaschene Sprache. Auch wenn es nach Minuten wieder weg ist.
- Bewusstlosigkeit, Krampfanfall.
Noch heute abklären
Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.
- Die Brustenge tritt bei geringerer Belastung auf als bisher, dauert länger oder kommt häufiger.
- Neue Luftnot oder neu geschwollene Knöchel.
- Muskelschmerzen mit Schwäche, besonders zusammen mit dunklem Urin.
- Schwarzer Stuhl oder eine Blutung, die nicht aufhört.
- Eine Einnahme des Plättchenhemmers wurde vergessen.
Beim nächsten Termin besprechen
Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.
- Muskelschmerzen ohne Schwäche.
- Müdigkeit, kalte Füße, ungewöhnliche Träume.
- Ein anstehender Eingriff oder Zahnarzttermin.
- Das Notfallspray ist abgelaufen oder nicht auffindbar.
- Der Wunsch zu wissen, welche Belastung zumutbar ist.
Fragen für Arztpraxis oder Apotheke
- Wofür ist jedes einzelne dieser Mittel da — und welches davon ist besonders wichtig?
- Wie lange sollen die Plättchenhemmer genommen werden, und wer entscheidet darüber?
- Was ist zu tun, wenn eine Einnahme vergessen wurde?
- Wann soll das Notfallspray angewendet werden — und wann rufen wir stattdessen den Notruf?
- Welche Beschwerden sollen wir melden, und welche wären ein Notfall?
- Was gilt vor einer Zahnbehandlung oder einem Eingriff?
- Welche rezeptfreien Schmerzmittel sind hier vertretbar?
- Wann stehen die nächsten Kontrollen an?
- Welche körperliche Belastung ist zumutbar, und was sollte vermieden werden?
Quellen und Anlaufstellen
- gesund.bund.de: Koronare Herzkrankheit
- gesundheitsinformation.de: Koronare Herzkrankheit — unabhängig, vom IQWiG
- Deutsche Herzstiftung — Ratgeber und Sprechstunde für Betroffene
- BfArM: Nebenwirkung melden — auch Angehörige dürfen melden
- Der bundeseinheitliche Medikationsplan — wer ihn bekommt und was darin steht
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Wichtig zu wissen
Die Informationen dienen der pflegerelevanten Orientierung und ersetzen weder Beipackzettel noch die persönliche Beratung durch Arztpraxis oder Apotheke. Ob ein Medikament geeignet ist, wie es dosiert wird und wie lange es angewendet wird, ist individuell zu entscheiden. Medikamente nicht eigenmächtig beginnen, verändern oder absetzen. Bei akuten schweren Beschwerden oder Lebensgefahr die 112 anrufen.
Grundlage: Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK sowie Fachinformationen der genannten Wirkstoffgruppen.
Fachlich gegengelesen Dieser Text wurde extern fachlich geprüft und anschließend überarbeitet.
Stand: September 2026





