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Herzschwäche: Medikamente und tägliche Beobachtung


Von Entwässerung bis Herzschutz: typische Medikamentengruppen — und die eine Beobachtung, die früher warnt als jedes Symptom.

Eine ältere Person steht auf einer Personenwaage im Bad, eine Angehörige notiert das Gewicht.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Bei einer Herzschwäche — medizinisch Herzinsuffizienz — schafft das Herz es nicht mehr, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Das Blut staut sich davor zurück, und Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus: zuerst meist in die Beine, später auch in die Lunge. Daher die beiden bekanntesten Zeichen: geschwollene Knöchel und Luftnot.

Das muss nicht heißen, dass die Pumpkraft nachgelassen hat. Es gibt eine zweite Form, bei der das Herz kräftig genug pumpt, sich aber nicht mehr gut genug entspannt und füllt. Auch das ist eine Herzinsuffizienz — und sie wird teilweise anders behandelt. Welche Form vorliegt, steht im Arztbrief, meist als Angabe zur Pumpleistung. Fragen Sie danach; es erklärt, warum ein Medikamentenplan anders aussieht als der eines Bekannten mit derselben Diagnose.

Die Behandlung hat zwei Ziele, die man auseinanderhalten sollte: Ein Teil der Mittel entlastet sofort — er schwemmt das Wasser aus und lindert die Luftnot. Der andere Teil schützt das Herz auf Jahre und wirkt gar nicht spürbar. Beide werden gebraucht, und der zweite Teil wird am ehesten weggelassen, weil man von ihm nichts merkt.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Diuretika (Wassertabletten) schwemmen die eingelagerte Flüssigkeit aus. Sie sind das Mittel gegen die Beschwerden. Typisch: Torasemid, Furosemid.
  • ACE-Hemmer, Sartane oder ein ARNI entlasten das Herz und bremsen den Umbau des Herzmuskels. Typisch: Ramipril, Candesartan, Sacubitril/Valsartan.
  • Betablocker lassen das Herz langsamer und ökonomischer schlagen. Typisch: Bisoprolol, Metoprolol, Nebivolol.
  • MRA — Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten — schützen das Herz und verbessern nachweislich den Verlauf. Sie wirken zwar auch entwässernd, aber das ist bei den bei Herzschwäche üblichen Dosierungen nicht der Grund für die Verordnung. Sie sparen Kalium, statt es auszuschwemmen — deshalb werden Kalium und Nierenwerte regelmäßig kontrolliert. Typisch: Spironolacton, Eplerenon.
  • SGLT2-Hemmer kommen ursprünglich aus der Diabetesbehandlung und haben sich bei Herzschwäche als wirksam erwiesen — auch bei Menschen ohne Diabetes. Typisch: Dapagliflozin, Empagliflozin. Endung -gliflozin.

Welche dieser Gruppen zusammenkommen, entscheidet sich individuell. Es hängt davon ab, um welche Form der Herzschwäche es geht, wie die Pumpleistung ist, wie hoch der Blutdruck liegt, wie die Nieren arbeiten und welche weiteren Erkrankungen bestehen. Die vier Säulen, die den Verlauf nachweislich verbessern, gelten vor allem für die Form mit verminderter Pumpleistung. Wassertabletten stehen auf einem anderen Blatt: Sie behandeln die Stauung und lindern Beschwerden.

Zwei Dinge, die regelmäßig irritieren. Erstens: Betablocker werden bei Herzschwäche niedrig begonnen und langsam gesteigert; am Anfang kann es sich sogar kurz schlechter anfühlen. Das ist eingeplant und kein Grund zum Absetzen. Zweitens: Ein Diabetesmedikament auf dem Plan ohne Diabetes ist kein Irrtum — SGLT2-Hemmer gehören inzwischen zur Herzschwäche-Behandlung.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffGruppeWofür
Torem, Torasemid ALTorasemidDiuretikumschwemmt eingelagertes Wasser aus
Lasix, Furosemid-ratiopharmFurosemidDiuretikumwie oben, kürzer wirksam
EntrestoSacubitril/ValsartanARNIentlastet und schützt das Herz
Concor, Bisoprolol-ratiopharmBisoprololBetablockerHerz schlägt langsamer, sparsamer
Aldactone, Spironolacton-ratiopharmSpironolactonMRAentwässert und schützt das Herz
Forxiga, JardianceDapagliflozin, EmpagliflozinSGLT2-Hemmersenkt Krankenhausaufenthalte, auch ohne Diabetes

Ein Punkt, der leicht übersehen wird: Denselben Handelsnamen gibt es oft in mehreren Stärken — und in unterschiedlichen Freisetzungsformen. Zusätze wie „retard“, „ZOK“, „prolong“ oder „succinat“ bedeuten, dass der Wirkstoff langsam abgegeben wird. Solche Tabletten dürfen nicht ohne Rückfrage geteilt, gemörsert oder gegen eine andere Form getauscht werden, auch wenn der Wirkstoff derselbe heißt.

ARNI und ACE-Hemmer dürfen nicht zusammen gegeben werden

Sacubitril/Valsartan (Entresto) und ein ACE-Hemmer — erkennbar an der Endung -pril, etwa Ramipril oder Enalapril — dürfen nicht gleichzeitig eingenommen werden. Die Kombination kann eine gefährliche Schwellung von Lippen, Zunge und Rachen auslösen.

Beim Umstellen von einem ACE-Hemmer auf Entresto muss deshalb ein Abstand von mindestens 36 Stunden eingehalten werden. Das ist ärztlich geplant — aber schauen Sie nach einer Umstellung oder einem Krankenhausaufenthalt bitte auf den Medikationsplan, ob beides versehentlich nebeneinandersteht. Wenn ja: heute in der Praxis oder Apotheke klären, bevor die nächste Gabe fällig ist.

Für den Pflegealltag wichtig

  • Jeden Morgen wiegen. Der wichtigste Punkt dieser Seite — er bekommt gleich einen eigenen Abschnitt.
  • Wassertabletten früh am Tag. Abends genommen bedeuten sie eine unruhige Nacht und nächtliche Wege zur Toilette — und nachts stürzen die meisten Menschen.
  • Auf die Blutsalze achten. Unter Diuretika und MRA werden Kalium und Nierenwerte regelmäßig kontrolliert. Fragen Sie nach, wann die nächste Blutabnahme ansteht.
  • Wie schläft sie oder er? Wenn jemand nach und nach mehr Kissen braucht oder nur noch halb sitzend schlafen kann, ist das ein Zeichen für zunehmende Wassereinlagerung in der Lunge. Es fällt niemandem auf, der es nicht weiß.
  • Trinkmenge nur nach ärztlicher Vorgabe. Bei Herzschwäche wird sie manchmal begrenzt — manchmal aber auch nicht. Beides eigenmächtig zu ändern ist riskant.
  • Keine rezeptfreien entzündungshemmenden Schmerzmittel — etwa Ibuprofen oder Diclofenac aus der Apotheke — ohne Rücksprache. Sie lassen Wasser einlagern und können eine Herzschwäche deutlich verschlechtern. Das ist einer der häufigsten vermeidbaren Auslöser für eine Verschlechterung.
  • Bei SGLT2-Hemmern auf Genitalinfektionen achten — Brennen, Juckreiz, Rötung im Intimbereich. Sie kommen häufiger vor, sind gut behandelbar, werden aber aus Scham oft verschwiegen. Fragen Sie behutsam danach.

SGLT2-Hemmer an kranken Tagen

Dapagliflozin und Empagliflozin (Forxiga, Jardiance) sind gut verträglich — an bestimmten Tagen brauchen sie aber Aufmerksamkeit. Vor einer Operation, bei längerem Fasten und bei einer akuten schweren Erkrankung wird die Einnahme ärztlich pausiert. Diese Entscheidung trifft die Praxis oder das Krankenhaus, nicht Sie — aber sprechen Sie sie aktiv an, wenn ein Eingriff ansteht oder jemand krank im Bett liegt und kaum isst.

Sehr selten kann eine gefährliche Übersäuerung des Blutes entstehen. Das Tückische daran: Sie kann auftreten, obwohl der Blutzucker gar nicht stark erhöht ist. Warnzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, ungewöhnliche Müdigkeit oder eine auffällig schnelle, tiefe Atmung. Diese Kombination gehört sofort ärztlich abgeklärt — bei schwerem Krankheitsgefühl, Bewusstseinstrübung oder Atemnot über die 112.

Achten Sie außerdem darauf, dass genug getrunken wird: Die Mittel schwemmen Zucker und damit Flüssigkeit aus.

Das tägliche Wiegen

Wasser lagert sich ein, bevor die Luftnot kommt. Die Waage merkt es also oft früher als der Mensch. Deshalb gehört das tägliche Wiegen zu den wichtigsten häuslichen Beobachtungen bei Herzschwäche.

Für sich allein sagt die Zahl aber wenig. Beurteilen Sie sie immer zusammen mit dem, was Sie sonst sehen: Atemnot, geschwollene Beine, Belastbarkeit, Blutdruck und Puls, Urinmenge. Das Gewicht schwankt auch aus anderen Gründen — nach einem üppigen Essen, bei Verstopfung, an heißen Tagen.

Damit die Zahlen vergleichbar sind, immer gleich:

  • Morgens, nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück.
  • In derselben Kleidung oder ohne.
  • Auf derselben Waage, am selben Platz.
  • Aufschreiben. Ein Zettel am Bad reicht; die Reihe zählt, nicht der Einzelwert.

In der Herzinsuffizienz-Schulung werden häufig diese Orientierungswerte genannt: mehr als ein Kilogramm über Nacht oder mehr als zwei Kilogramm innerhalb von drei Tagen. Das sind gebräuchliche Anhaltspunkte, keine allgemeingültigen Grenzen — dann anrufen. Wenn Ihre Praxis eigene Grenzen genannt hat, gelten diese — und wenn ein persönlicher Plan sagt, was bei welcher Zunahme zu tun ist, folgen Sie dem Plan.

Was Sie nicht tun: die Wassertablette bei Gewichtszunahme selbst erhöhen. Es gibt Schulungskonzepte, in denen Betroffene das dürfen — aber nur, wenn es ärztlich so angeordnet und geübt wurde.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Schwere Luftnot in Ruhe, besonders im Liegen — oder wenn jemand nachts nach Luft ringend aufwacht.
  • Rasselnde Atmung, schaumiger oder rosafarbener Auswurf.
  • Blaue Lippen, kalter Schweiß, Todesangst.
  • Brustschmerz, Bewusstlosigkeit.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Mehr als ein Kilo Gewichtszunahme über Nacht oder mehr als zwei in drei Tagen.
  • Deutlich zunehmende Schwellung an Beinen, Knöcheln oder Bauch.
  • Neue Luftnot bei Belastungen, die vorher gingen.
  • Es werden mehr Kissen zum Schlafen gebraucht als bisher.
  • Deutlich weniger Urin, starke Schwäche oder Verwirrtheit.
  • Sehr langsamer Puls mit Schwindel.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Müdigkeit oder Leistungsknick ohne erkennbaren Grund.
  • Wadenkrämpfe — sie können auf verschobene Blutsalze hindeuten.
  • Nächtlicher Harndrang, der den Schlaf zerstört.
  • Appetitlosigkeit oder ein Druckgefühl im Oberbauch.
  • Es fehlt eine Waage oder ein Platz, um die Werte zu notieren.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Ab welcher Gewichtszunahme sollen wir anrufen — gelten die üblichen Grenzen oder andere?
  • Gibt es einen Plan für den Fall, dass das Gewicht steigt?
  • Soll die Trinkmenge begrenzt werden, und wenn ja auf wie viel?
  • Wann sind die nächsten Kontrollen von Kalium und Nierenwerten?
  • Der Betablocker wurde erhöht und es geht ihr schlechter — ist das eingeplant?
  • Welche Beschwerden wären ein Notfall?
  • Welche Schmerzmittel dürfen wir bei Bedarf geben?
  • Was ist zu tun, wenn eine Einnahme vergessen wurde?
  • Wie viel Bewegung ist zumutbar?
Quellen und Anlaufstellen

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Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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