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Diabetes Typ 2: Tabletten, Spritzen und Insulin


Welche Mittel unterzuckern können und welche nicht — und was an Krankheitstagen anders ist.

Auf einem Küchentisch liegen Medikamentenpackungen, ein Messgerät und ein Notizheft; zwei Personen sprechen darüber.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Beim Diabetes Typ 2 stellt der Körper noch Insulin her, aber die Zellen sprechen schlechter darauf an. Der Zucker bleibt im Blut. Über Jahre schädigt das die kleinen Gefäße — an Augen, Nieren, Nerven und Füßen.

Behandelt wird darum an mehreren Stellen gleichzeitig. Und weil die Mittel ganz unterschiedlich arbeiten, gilt für die Pflege eine Unterscheidung, die im Alltag mehr hilft als jeder Wirkstoffname:

  • Mittel, die für sich allein keine Unterzuckerung auslösen können. Dazu gehören Metformin, die SGLT2-Hemmer, die DPP-4-Hemmer und die GLP-1-Mittel.
  • Mittel, die unterzuckern können. Das sind vor allem Insulin und die Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid, Glimepirid). Bei ihnen ist Aufmerksamkeit angebracht — besonders, wenn eine Mahlzeit ausfällt.

Achtung bei Kombinationen: Sobald eines der beiden „unterzuckernden“ Mittel dabei ist, gilt für die ganze Behandlung die höhere Aufmerksamkeit — auch wenn daneben drei harmlosere Tabletten liegen.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Metformin — bei den meisten der Ausgangspunkt. Bremst die Zuckerabgabe der Leber. Kann anfangs auf den Magen schlagen. Ob es vor einer Untersuchung mit Röntgen-Kontrastmittel pausiert wird, entscheidet die Praxis oder die Radiologie vorher — das hängt von der Nierenfunktion ab, von der Art des Kontrastmittels und davon, wie es gegeben wird. Es gibt hier keine Regel, die immer gilt.
  • SGLT2-Hemmer (Wirkstoffe auf -gliflozin: Dapagliflozin, Empagliflozin) — sie schleusen Zucker über den Urin aus. Schützen zugleich Herz und Nieren, deshalb bekommen sie auch Menschen mit Herzschwäche. Häufiger Harndrang und Pilzinfektionen im Intimbereich gehören zu den bekannten Begleiterscheinungen.
  • GLP-1-Mittel (Semaglutid, Dulaglutid, Liraglutid) — es gibt sie als wöchentliche Spritze, als tägliche Spritze und als Tablette zum Einnehmen (Semaglutid). Was davon vorliegt, steht auf der Packung, nicht in der Wirkstoffgruppe — und es entscheidet darüber, ob ein vergessener Tag ein Problem ist. Sie sättigen und verlangsamen die Magenentleerung; Übelkeit am Anfang ist häufig und lässt meist nach.
  • DPP-4-Hemmer (Sitagliptin, Linagliptin) — meist gut verträglich und deshalb oft bei älteren Menschen im Plan. Bei nachlassender Nierenfunktion muss die Dosis bei den meisten dieser Mittel angepasst werden; Linagliptin ist die bekannte Ausnahme. Wenn sich die Nierenwerte verändern, gehört die Dosis deshalb auf den Prüfstand — von selbst passiert das nicht.
  • Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid, Glimepirid) — ältere, wirksame Mittel. Sie können unterzuckern, auch über Stunden. In der PRISCUS-Liste stehen sie als im Alter oft ungünstig.
  • Insulin — wenn Tabletten nicht mehr reichen. Ausführlich auf Insulin und Diabetesmedikamente verstehen.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffGruppeKann unterzuckern?
Glucophage, Metformin-ratiopharmMetforminBiguanidallein nein
ForxigaDapagliflozinSGLT2-Hemmerallein nein
JardianceEmpagliflozinSGLT2-Hemmerallein nein
Ozempic, RybelsusSemaglutidGLP-1-Mittelallein nein
Januvia, XeleviaSitagliptinDPP-4-Hemmerallein nein
Amaryl, Glimepirid-ratiopharmGlimepiridSulfonylharnstoffja
Lantus, Toujeo, NovoRapidverschiedene InsulineInsulinja

Ein Punkt, der beim Richten leicht übersehen wird: Metformin gibt es auch als Retardform, erkennbar an Zusätzen wie „retard“ oder „XR“. Solche Tabletten dürfen nicht geteilt oder gemörsert werden — sie geben den Wirkstoff sonst auf einen Schlag ab. Wenn das Schlucken schwerfällt, ist das ein Fall für die Apotheke, nicht für den Mörser.

Für den Pflegealltag wichtig

  • Unterzuckerung erkennen — sie sieht bei älteren Menschen oft anders aus. Statt Zittern und Schwitzen zeigt sie sich als Verwirrtheit, plötzliche Wortfindungsstörung, Blässe, Unruhe oder auffällige Müdigkeit. Wer das nicht weiß, hält es für „einen schlechten Tag“ oder für die Demenz.
  • Bei Verdacht messen, wenn es schnell geht — sonst zuerst behandeln. Voraussetzung ist, dass die Person wach ist und sicher schlucken kann. Dann schnell wirkende Kohlenhydrate geben, Traubenzucker oder ein kleines Glas Saft; die Menge steht im persönlichen Plan. Nach etwa einer Viertelstunde noch einmal messen und bei Bedarf wiederholen.
  • Ob danach noch etwas Längerwirkendes nötig ist, hängt vom Fall ab. Eine Scheibe Brot ergibt Sinn, wenn die nächste Mahlzeit noch länger hin ist — und vor allem dann, wenn ein Sulfonylharnstoff oder ein langwirkendes Insulin die Ursache war: Danach kann die Unterzuckerung über Stunden zurückkommen. Auch das gehört in den persönlichen Plan.
  • Nichts einflößen, wenn jemand nicht wach ist oder unsicher schluckt — auch keinen Traubenzucker, kein Gel und keinen Saft. Stabile Seitenlage, 112. Ist ein Glukagon-Notfallset verordnet und Sie wurden darin eingewiesen, wenden Sie es nach Anleitung an.
  • Die Regeln für kranke Tage müssen vorher feststehen. Bei Erbrechen, Durchfall, Fieber oder wenn kaum getrunken wird, werden einzelne Mittel pausiert — welche, ab wann und bis wann, entscheidet die Praxis im Voraus und nicht der Haushalt im Ernstfall. Was in einen solchen Plan gehört, steht im Kasten weiter unten.
  • Genug trinken, besonders unter SGLT2-Hemmern und im Sommer.
  • Füße täglich anschauen. Wer Nervenschäden hat, spürt eine Druckstelle oder einen Fremdkörper im Schuh nicht. Ein Blick beim Waschen kostet zehn Sekunden.
  • Vor Untersuchungen mit Kontrastmittel immer sagen, dass Metformin genommen wird — und drei Dinge erfragen: ob pausiert werden soll, ab wann es wieder gegeben wird und ob vorher der Nierenwert kontrolliert wird. Schreiben Sie sich die Antwort auf. Hinterher erinnert sich niemand daran, und die Tablette bleibt entweder zu lange weg oder kommt zu früh zurück.

Was in den Plan für kranke Tage gehört

Erbrechen, Durchfall, hohes Fieber oder ein Tag, an dem kaum etwas gegessen und getrunken wird — aus diesen Situationen entstehen die meisten ungeplanten Krankenhausaufenthalte. Nicht wegen des Zuckers allein, sondern weil Flüssigkeit fehlt und einzelne Medikamente dann nicht mehr passen.

Lassen Sie sich diese Punkte schriftlich geben, solange alle gesund sind:

  • Welche Mittel pausiert werden. Bei Metformin geht es um die Nieren, bei SGLT2-Hemmern zusätzlich um die Gefahr einer Übersäuerung. Bei SGLT2-Hemmern gilt dasselbe vor einer Operation und bei längerem Fasten.
  • Ab wann sie wieder gegeben werden. Nicht schon, wenn es etwas besser geht, sondern wenn wieder normal gegessen und getrunken wird — bei Metformin zusätzlich erst, wenn die Nierenfunktion geklärt ist.
  • Wie oft der Zucker gemessen wird und ab welchem Wert Sie anrufen sollen.
  • Wie viel getrunken werden soll, soweit ärztlich nichts dagegen spricht.
  • Wen Sie außerhalb der Sprechzeiten erreichen.

Ein Blatt am Kühlschrank genügt. Es muss nur vorher dort hängen.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Verwirrtheit, Blässe, Schwitzen, Zittern, Heißhunger — an Unterzuckerung denken, besonders unter Insulin oder Sulfonylharnstoffen.
  • Starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit — Zeichen eines zu hohen Zuckers.
  • Übelkeit und Völlegefühl unter GLP-1-Mitteln, meist in den ersten Wochen.
  • Durchfall oder Bauchdrücken unter Metformin, oft vorübergehend.
  • Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz im Intimbereich unter SGLT2-Hemmern.
  • Wunden am Fuß, die nicht zugehen — immer ein Fall für die Praxis, nie abwarten.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder nicht ansprechbar — 112, nichts einflößen.
  • Eine Unterzuckerung, die sich nach der Behandlung nach Plan nicht bessert — oder bei der jemand schläfrig oder verwirrt wird, unsicher schluckt oder nicht zuverlässig beobachtet werden kann.
  • Übelkeit, Erbrechen, tiefe schnelle Atmung, obstartiger Geruch der Atemluft, Bauchschmerz — auch bei normalem oder nur leicht erhöhtem Zucker. Unter SGLT2-Hemmern kann eine gefährliche Übersäuerung ohne hohen Zuckerwert auftreten.
  • Sehr hoher Zucker zusammen mit Benommenheit und ausgetrocknetem Zustand.
  • Ein Fuß ist rot, geschwollen und überwärmt oder eine Wunde riecht — und es kommen Fieber, Schüttelfrost, Verwirrtheit, Kreislaufschwäche oder ein schwer krankes Allgemeinbefinden dazu, oder die Rötung breitet sich sichtbar aus.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Erbrechen, Durchfall oder Fieber — und niemand hat gesagt, welche Mittel dann pausiert werden.
  • Unter einem GLP-1-Mittel: anhaltendes Erbrechen, so dass kaum noch Flüssigkeit bei sich behalten wird — oder starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen. Ebenso Schmerzen im rechten Oberbauch, eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, heller Stuhl oder dunkler Urin.
  • Wiederholte Unterzuckerungen in den letzten Tagen.
  • Deutlich weniger gegessen oder getrunken als sonst.
  • Anhaltend hohe Werte über mehrere Tage.
  • Ein Fuß ist rot, geschwollen, überwärmt, oder eine Wunde riecht — auch ohne Fieber und ohne Schmerzen. Das gehört noch heute versorgt: in der Praxis, in einer diabetologischen Fußambulanz oder in der Notaufnahme. Bis dahin den Fuß entlasten, nichts aufschneiden, nichts ausdrücken.
  • Neue Wunde oder Druckstelle am Fuß.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Übelkeit unter einem GLP-1-Mittel, die über die ersten Wochen hinaus anhält, aber Essen und Trinken zulässt.
  • Wiederkehrende Pilzinfektionen im Intimbereich.
  • Die letzte Kontrolle von Augen, Nieren oder Füßen liegt über ein Jahr zurück.
  • Das Messgerät oder der Sensor macht Schwierigkeiten.
  • Es gibt keinen schriftlichen Plan für Krankheitstage.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Welche dieser Medikamente können eine Unterzuckerung auslösen?
  • Was tun wir bei Erbrechen, Durchfall oder Fieber — welches Mittel wird pausiert und ab wann wieder gegeben? Können wir das schriftlich bekommen?
  • Woran erkennen wir bei diesem Menschen eine Unterzuckerung, und was geben wir dann?
  • Wie oft soll gemessen werden, und wann sollen wir uns melden?
  • Was ist vor Untersuchungen mit Kontrastmittel zu beachten — wird Metformin pausiert, ab wann wieder gegeben, und wird vorher der Nierenwert kontrolliert?
  • Wann stehen die nächsten Kontrollen von Augen, Nieren und Füßen an?
  • Gibt es eine Schulung, an der auch Angehörige teilnehmen dürfen?
Quellen und Anlaufstellen

Verwandte Inhalte

  • Insulin und Diabetesmedikamente — Medikamente, Mahlzeiten, Messwerte und Krankheitstage zusammenbringen und Unterzuckerung erkennen.
  • Diabetes Typ 1 — Insulinarten, Mahlzeiten und Blutzucker zusammen denken und Unterzuckerung schnell erkennen.
  • Bluthochdruck — Welche Blutdrucksenker häufig eingesetzt werden, was Angehörige beobachten können und wann Schwindel oder sehr niedrige Werte abgeklärt werden sollten.
  • Polypharmazie — Medikationsplan, Doppelverordnungen, Wechselwirkungen, Nierenfunktion und Sturzrisiko strukturiert für Gespräche vorbereiten.

Aus den Pflegetipps: Blutzucker und Insulin im Alltag.

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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