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Asthma: das Spray, das man nicht spürt


Warum das Dauerspray die eigentliche Behandlung ist — und was es bedeutet, wenn das Bedarfsspray oft gebraucht wird.

Zwei Inhalatoren liegen auf einem Tisch, eine Person erklärt einer anderen den Unterschied.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Asthma ist eine dauerhafte Entzündung der Atemwege. Auf diesem Boden verkrampfen sich die Bronchien bei bestimmten Reizen — Pollen, kalte Luft, Infekte, Anstrengung, Rauch. Dann wird die Luft knapp, oft mit pfeifendem Ausatmen.

Daraus ergeben sich zwei völlig verschiedene Aufgaben — und ihre Verwechslung ist der häufigste Fehler bei Asthma überhaupt:

  • Die Entzündung dämpfen. Das leistet Kortison zum Inhalieren. Man spürt davon nichts — es verhindert nur, dass etwas passiert.
  • Den Krampf lösen, wenn er da ist. Das leistet ein schnell wirkender Bronchienöffner, innerhalb von Minuten und deutlich spürbar.

Entscheidend ist, wie beides zusammengehört. Nach dem heutigen Stand gehört zu jeder Asthmabehandlung eine Kortisonkomponente — ein Bedarfsspray allein, ohne Kortison, ist keine dauerhafte Lösung, auch wenn es sich gut anfühlt. Umgesetzt wird das auf zwei Wegen:

  • Entweder täglich ein Kortisonspray, und daneben ein schnell wirkendes Bedarfsspray für den Notfall.
  • Oder ein einziges Gerät mit Kortison und Formoterol, das sowohl regelmäßig als auch bei Bedarf benutzt wird — bei manchen Menschen sogar ausschließlich bei Bedarf.

Beides ist fachlich richtig. Für den einzelnen Menschen gilt aber nur eines davon, und welches, steht im persönlichen Aktionsplan. Ohne diesen Plan lässt sich im Haushalt nicht entscheiden, was gerade zu tun ist — deshalb ist er kein Papierkram, sondern die Grundlage.

Weil das eine wirkt und das andere sich wie Wirkung anfühlt, passiert oft dies: Das Bedarfsspray wird zum Hauptmedikament, das Kortisonspray schleicht sich aus dem Alltag. Die Entzündung läuft dann unbehandelt weiter — und die Anfälle werden häufiger, nicht seltener.

Merksatz für den Pflegealltag: Wer immer öfter zum Bedarfsspray greift, hat ein Gespräch offen. Zunehmender Verbrauch, nächtliche Beschwerden oder das Überschreiten dessen, was im persönlichen Plan steht, sind Warnzeichen — kein Zeichen guter Selbsthilfe. Wie viele Anwendungen zu viel sind, hängt allerdings vom Behandlungsschema ab: Bei einem Plan mit Kortison und Formoterol im selben Gerät zählt der Bedarf anders als bei einem reinen Salbutamol-Spray. Auch diese Grenze steht im Aktionsplan.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Kortison zum Inhalieren (Budesonid, Beclometason, Fluticason) — die Grundlage jeder Asthmabehandlung. Es wirkt nur, wenn es nach dem festgelegten Plan angewendet wird, und nicht sofort spürbar.
  • Kombinationen aus Kortison und einem lang wirkenden Bronchienöffner (Formoterol, Salmeterol, Vilanterol) in einem Gerät. Bei manchen Behandlungsplänen wird dieselbe Kombination auch als Bedarfsspray eingesetzt — dann gibt es nur ein Gerät für beides. Welches Vorgehen gilt, steht im persönlichen Plan; es sollte im Haushalt eindeutig bekannt sein.
  • Kurz wirkende Bedarfssprays (Salbutamol) — lösen den Krampf schnell, behandeln aber die Entzündung nicht. Als alleinige Dauerbehandlung ohne Kortison sind sie beim Asthma nicht vorgesehen.
  • Ein lang wirkender Bronchienöffner wird beim Asthma nie allein gegeben, sondern immer zusammen mit Kortison — deshalb sitzen beide in einem Gerät.
  • Montelukast als Tablette, ergänzend. Es kann die Stimmung und das Verhalten verändern — Albträume, Unruhe, Reizbarkeit, gedrückte Stimmung, bei Kindern auch auffällige Verhaltensänderungen. Das ist bekannt und ausdrücklich als Risiko benannt. Wenn so etwas neu auftritt, gehört es zeitnah ärztlich abgeklärt, nicht erst beim nächsten Routinetermin.
  • Kortison als Tablette für einige Tage bei einer schweren Verschlechterung.
  • Biologika als Spritze bei schwerem Asthma, alle paar Wochen, betreut von einer Fachpraxis.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich sind Wirkstoff und Rolle.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffRolleWann
Pulmicort, BudiairBudesonidKortison zum Inhalierentäglich, danach Mund spülen
Symbicort, FosterKortison + FormoterolDauer-, teils auch Bedarfsspraynach persönlichem Plan
Viani, RelvarKortison + Salmeterol bzw. VilanterolDauerspraytäglich
Sultanol, SalbuHEXALSalbutamolBedarfsspraybei Luftnot
SingulairMontelukastTablette, ergänzendtäglich, meist abends

Für den Pflegealltag wichtig

  • Wissen, welches Gerät welche Rolle hat — und es beschriften. Aber bitte nach dem persönlichen Plan und nicht nach einer allgemeinen Regel; siehe den Kasten weiter unten.
  • Den Verbrauch des Bedarfssprays mitschreiben. Ein Strich auf einem Zettel am Kühlschrank reicht. Damit wird aus einem Gefühl eine Zahl, die in der Praxis etwas bewegt.
  • Nach dem Kortisonspray den Mund ausspülen und ausspucken. Sonst drohen Heiserkeit und ein Pilzbefall im Mund.
  • Die Inhalationstechnik einmal zeigen lassen und zuschauen. Sie unterscheidet sich je nach Gerät — ausführlich beschrieben auf der Seite COPD.
  • Einen schriftlichen Aktionsplan besorgen: was zu tun ist, wenn es schlechter wird, ab wann angerufen wird, ab wann der Notruf gilt. Im Anfall kann niemand mehr nachlesen — er muss vorher hängen.
  • Auslöser notieren. Wann tritt es auf, wo, nach was? Manchmal steht die Ursache im eigenen Schlafzimmer.
  • Bedarfsspray immer griffbereit — und vor jeder Reise prüfen, ob es voll und haltbar ist.
  • Vorsicht mit Schmerzmitteln. Ein Teil der Asthmakranken verträgt ASS und verwandte Mittel schlecht. Neue rezeptfreie Schmerzmittel deshalb erst in der Apotheke ansprechen.

Aufkleber ja — aber nicht „jeden Tag“ gegen „nur bei Luftnot“

Zwei Geräte zu beschriften ist eine gute Idee. Die pauschale Aufteilung in „Dauerspray“ und „Notfallspray“ führt bei Asthma aber in die Irre, und zwar in beide Richtungen:

  • Ein Gerät mit Kortison und Formoterol kann in manchen Plänen beides sein — die tägliche Behandlung und das Mittel bei Luftnot. Ein Aufkleber „nur jeden Tag“ nimmt der Person im Anfall genau das Gerät weg, das sie brauchen würde.
  • Kombinationen mit Salmeterol oder Vilanterol sind dafür nicht gedacht. Sie wirken zu langsam und dürfen nicht zusätzlich bei Luftnot genommen werden. Ein Aufkleber „auch bei Not“ wäre hier gefährlich.

Schreiben Sie deshalb auf, was tatsächlich verordnet ist: den Namen des Präparats, wann es genommen wird, was bei Luftnot zu tun ist, wie oft das höchstens sein darf und ab wann angerufen wird. Diese Angaben stehen im Aktionsplan. Wenn es ihn nicht gibt, ist das die wichtigste Frage beim nächsten Termin.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Zunehmender Gebrauch des Bedarfssprays — das wichtigste Zeichen. Ab welcher Zahl es kritisch wird, steht im persönlichen Plan.
  • Nächtliches Husten oder Aufwachen mit Luftnot. Es gehört nicht zum Asthma dazu, sondern zeigt, dass die Behandlung nicht reicht.
  • Pfeifendes Ausatmen, auch ohne starke Luftnot.
  • Reizhusten und Heiserkeit unter Kortisonsprays — oft eine Frage der Technik oder des Spülens.
  • Zittern und Herzklopfen nach dem Bedarfsspray, meist harmlos.
  • Stimmungsveränderungen, Schlafstörungen oder Albträume unter Montelukast.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Luftnot, die sich nach dem Bedarfsspray nicht bessert.
  • Nur noch einzelne Wörter sprechen können, aufrecht sitzen und die Arme aufstützen müssen.
  • Blaue Lippen, Verwirrtheit oder auffällige Schläfrigkeit.
  • Ein Atemgeräusch, das plötzlich leiser wird, obwohl die Not zunimmt — das ist kein gutes Zeichen, sondern ein schlechtes.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Das Bedarfsspray wird deutlich öfter gebraucht als sonst.
  • Nachts wiederholt Husten oder Luftnot.
  • Ein Infekt mit zunehmender Atemnot.
  • Neue oder deutliche Veränderungen von Stimmung, Schlaf oder Verhalten unter Montelukast. Bei Selbstgefährdung, Suizidgedanken oder schwerer Verhaltensänderung nicht bis morgen warten: Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
  • Das Dauerspray ist ausgegangen.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Es ist unklar, welches Gerät wofür ist.
  • Anhaltende Heiserkeit oder weiße Beläge im Mund.
  • Kein schriftlicher Aktionsplan im Haus.
  • Leichte Schlaf- oder Stimmungsveränderungen unter Montelukast, die schon länger bestehen und keine Belastung darstellen.
  • Die letzte Lungenfunktionsprüfung liegt lange zurück.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Welches Gerät ist das Dauerspray, welches das Bedarfsspray — und gilt hier das eine Gerät für beides?
  • Ab wie vielen Anwendungen des Bedarfssprays sollen wir uns melden?
  • Können wir einen schriftlichen Aktionsplan bekommen?
  • Können Sie zusehen, wie hier inhaliert wird?
  • Muss nach diesem Spray der Mund gespült werden?
  • Welche rezeptfreien Schmerzmittel sind bei diesem Asthma unbedenklich?
  • Wären eine Schulung oder eine Lungensportgruppe möglich?
Quellen und Anlaufstellen

Verwandte Inhalte

  • COPD — Welche Inhalatorgruppen es gibt, warum die Technik entscheidend ist und wann Atemnot zum Notfall wird.
  • Kortison — Tabletten, Inhalation und Cremes unterscheiden — mit Anwendung, Mundpflege, Infektionszeichen und Langzeitkontrollen.
  • Allergien — Antihistaminika und Nasensprays unterscheiden und Müdigkeit, Anwendungstechnik sowie schwere allergische Warnzeichen beachten.
  • Polypharmazie — Medikationsplan, Doppelverordnungen, Wechselwirkungen, Nierenfunktion und Sturzrisiko strukturiert für Gespräche vorbereiten.
Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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