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Allergien: Medikamente im Alltag


Warum rezeptfrei nicht harmlos heißt, wie ein Nasenspray richtig angewendet wird — und was ins Notfallset gehört.

Eine Person benutzt ein Nasenspray am Waschbecken, daneben liegt eine Tablettenpackung.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Bei einer Allergie hält das Abwehrsystem einen harmlosen Stoff für gefährlich — Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengift, ein Nahrungsmittel. Es schüttet daraufhin unter anderem Histamin aus, und das verursacht die bekannten Beschwerden: Jucken, Niesen, laufende Nase, tränende Augen, Quaddeln.

Die Behandlung setzt an drei Stellen an: Das Histamin blockieren (Antihistaminika), die Entzündung dämpfen (Kortison, meist örtlich) und, wo es geht, das Abwehrsystem umgewöhnen (Hyposensibilisierung). Dazu kommt für einige Menschen ein Notfallset.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Neuere Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin, Desloratadin, Fexofenadin) — sie machen im Schnitt weniger müde als die alten und sind die übliche Wahl. Meist einmal täglich. „Macht nicht müde“ stimmt trotzdem nicht für alle: Besonders Cetirizin kann spürbar schläfrig machen. Fexofenadin gilt als eines der wenigsten dämpfenden. Wie jemand reagiert, ist individuell — probieren Sie es aus, bevor Sie sich ans Steuer setzen, nicht danach.
  • Ältere Antihistaminika (Dimetinden, Diphenhydramin, Clemastin) — rezeptfrei zu haben und deshalb für harmlos gehalten. Bei älteren Menschen sind sie es nicht: Sie machen stark müde und können Verwirrtheit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Probleme beim Wasserlassen und Stürze auslösen. Sie stehen in der PRISCUS-Liste der im Alter ungünstigen Mittel.
  • Kortison als Nasenspray (Mometason, Fluticason, Budesonid) — bei Heuschnupfen das wirksamste Mittel überhaupt. Es wirkt nicht sofort, sondern braucht einige Tage regelmäßiger Anwendung.
  • Augentropfen mit Antihistaminikum oder Cromoglicinsäure.
  • Hyposensibilisierung — als Spritze oder Tablette über mehrere Jahre. Das einzige Verfahren, das die Allergie selbst behandelt und nicht nur die Beschwerden.
  • Das Notfallset bei schweren Allergien: Adrenalin-Fertigspritze, ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat zum Einnehmen. Diese drei sind nicht gleichrangig: Bei einer schweren allergischen Reaktion ist das Adrenalin das entscheidende Mittel. Antihistaminikum und Kortison wirken viel zu langsam — sie sind eine Ergänzung, kein Ersatz, und schon gar kein Grund zu warten.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffGruppeWorauf achten
Zyrtec, Cetirizin-ratiopharmCetirizinneueres Antihistaminikumkann müde machen — Fahrtüchtigkeit prüfen
Lorano, AeriusLoratadin, Desloratadinneueres Antihistaminikumeinmal täglich
Fenistil, VivinoxDimetinden, Diphenhydraminälteres Antihistaminikumim Alter ungünstig
Nasonex, AvamysMometason, FluticasonKortison-Nasenspraybraucht Tage, Sprührichtung
Beispiele: Fastjekt, Jext, EmeradeAdrenalinNotfallspritzeOberschenkel, danach 112 — Modell in der Apotheke erfragen

Für den Pflegealltag wichtig

Das Nasenspray richtig anwenden — daran scheitert es meistens:

  • Vorher die Nase putzen, Kopf leicht nach vorn neigen, nicht in den Nacken legen.
  • Worauf es ankommt, ist die Richtung: die Spitze nach außen zur seitlichen Nasenwand richten — weg von der dünnen Scheidewand in der Mitte. Dort entstehen sonst Krusten und Nasenbluten, und deshalb setzen viele das Spray wieder ab. Ein bewährter Trick dafür: mit der rechten Hand ins linke Nasenloch sprühen und umgekehrt, dann zeigt die Spitze von selbst in die richtige Richtung. Wer es anders bequemer findet, macht es anders — entscheidend ist die Richtung, nicht die Hand.
  • Beim Sprühen sanft einatmen, nicht kräftig hochziehen — sonst landet der Wirkstoff im Rachen statt in der Nase.
  • Dranbleiben. Bei Kortison-Nasensprays spürt man manchmal schon früher etwas; die volle Wirkung braucht aber meist mehrere Tage regelmäßiger Anwendung. Wer nach zwei Tagen aufhört, hat sie nie wirken sehen.
  • Abschwellende Nasensprays (Xylometazolin, Oxymetazolin) sind etwas anderes und helfen sofort — aber nur wenige Tage am Stück. Danach schwillt die Nase durch das Spray selbst an. Bei Allergien sind sie nicht die Lösung.
  • Bei älteren Menschen die rezeptfreien Mittel prüfen. Wenn jemand nach Beginn eines Allergiemittels verwirrt wird, unsicher geht oder Wasser nicht mehr lassen kann, liegt der Zusammenhang oft genau dort — und wird selten vermutet, weil es ja „nur etwas Rezeptfreies“ ist. Rezeptfrei heißt nicht harmlos — diese Mittel sind apothekenpflichtig, und die Apotheke ist genau der Ort, an dem sich das in fünf Minuten klären lässt.
  • Vorsicht beim Autofahren, besonders in den ersten Tagen und bei den älteren Mitteln.
  • Allergiepass mitführen und bei jedem Arzt- und Zahnarztbesuch vorzeigen.
  • Auslöser meiden, wo es geht: bei Pollen abends duschen und Haare waschen, Straßenkleidung nicht ins Schlafzimmer, nachts Fenster zu. Wann Lüften günstig ist, richtet sich nach dem aktuellen Pollenflug und dem Wetter, nicht nach einer festen Regel für Stadt und Land — die alte Faustregel trägt nicht zuverlässig. Es gibt kostenlose Pollenflug-Vorhersagen für die eigene Region; danach lassen sich Lüften, Spaziergänge und Haarewaschen planen.

Das Notfallset — wenn es verordnet ist, muss der Umgang sitzen: Die Adrenalin-Spritze wird außen in den Oberschenkel gesetzt, notfalls durch die Kleidung. Anschließend gilt: immer 112 rufen, auch wenn es der Person danach besser geht. Eine schwere allergische Reaktion kann nach Stunden zurückkommen. Das Set gehört überallhin mitgenommen, wird nicht im heißen Auto gelagert, und das Ablaufdatum sollte im Kalender stehen. Lassen Sie sich die Anwendung mit einem Übungsgerät zeigen — im Ernstfall zum ersten Mal die Anleitung zu lesen, funktioniert nicht.

Bei einer schweren allergischen Reaktion: nicht aufstehen lassen

Das ist der Satz, der am wenigsten bekannt ist und am meisten zählt. Wer bei einer schweren allergischen Reaktion aufsteht oder losläuft — zur Toilette, zur Tür, zum Auto —, riskiert einen Kreislaufstillstand. Halten Sie die Person also da, wo sie ist, und lagern Sie sie nach dem, was im Vordergrund steht:

  • Kreislauf schwach, blass, schwindelig: flach hinlegen und die Beine anheben.
  • Atemnot im Vordergrund: mit erhöhtem Oberkörper sitzen lassen — das ist die Ausnahme vom Flachlegen.
  • Bewusstlos, aber atmet normal: stabile Seitenlage.
  • In der Schwangerschaft: auf die linke Seite lagern.
  • Keine normale Atmung: sofort mit der Wiederbelebung beginnen.

Und in jedem dieser Fälle: Adrenalin nach dem persönlichen Notfallplan und die 112. Wenn die Beschwerden anhalten, ist eine zweite Adrenalingabe möglich — aber nur, wenn der Notfallplan sie vorsieht und Sie darin eingewiesen wurden.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Müdigkeit — bei den neueren Mitteln selten, bei den älteren die Regel.
  • Mundtrockenheit, besonders bei den älteren Mitteln.
  • Nasenbluten oder Krusten unter dem Kortisonspray — fast immer eine Frage der Sprührichtung.
  • Verwirrtheit oder Gangunsicherheit bei älteren Menschen nach Beginn eines Allergiemittels.
  • Zunehmende Atemnot oder pfeifendes Ausatmen — dann ist mehr im Spiel als Heuschnupfen.
  • Beschwerden trotz Behandlung unverändert — Anlass, die Anwendung zu überprüfen.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Luftnot, pfeifendes Atmen, Engegefühl im Hals, Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht, Quaddeln am ganzen Körper, Schwindel oder Kreislaufschwäche — schwere allergische Reaktion. Notfallspritze anwenden und 112. Zur Lagerung siehe den Kasten weiter oben — und das Wichtigste daraus: die Person nicht aufstehen und nicht gehen lassen.
  • Nach einem Insektenstich rasch zunehmende Schwellung mit Unwohlsein.
  • Anhaltendes Erbrechen mit Hautausschlag nach einem Nahrungsmittel.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Neue Atemnot oder pfeifendes Ausatmen.
  • Verwirrtheit oder ein Sturz nach Beginn eines Allergiemittels.
  • Anhaltendes Nasenbluten unter dem Spray.
  • Die Notfallspritze wurde benutzt — auch dann immer ärztlich vorstellen.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Das Kortisonspray wirkt nicht — Anwendung überprüfen lassen.
  • Ältere rezeptfreie Allergiemittel werden regelmäßig genommen.
  • Das Ablaufdatum des Notfallsets naht.
  • Niemand wurde in die Anwendung eingewiesen.
  • Es fehlt ein Allergiepass.
  • Eine Hyposensibilisierung wurde nie besprochen.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Ist dieses Mittel eines der älteren, die im Alter ungünstig sind?
  • Können Sie zeigen, wie das Nasenspray richtig angewendet wird?
  • Ab wann sollte es wirken, und wie lange sollen wir es geben?
  • Ist ein Notfallset nötig — und wer weist uns ein?
  • Was tun wir nach dem Einsatz der Notfallspritze?
  • Wäre eine Hyposensibilisierung sinnvoll?
  • Verträgt sich das Mittel mit allem anderen auf dem Plan?
Quellen und Anlaufstellen

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  • Asthma — Dauer- und Bedarfsmedikation unterscheiden, Inhalation begleiten und Warnzeichen eines schweren Anfalls erkennen.
  • Neurodermitis — Basispflege und verordnete Entzündungshemmer unterscheiden, richtig anwenden und Infektionszeichen erkennen.
  • Kortison — Tabletten, Inhalation und Cremes unterscheiden — mit Anwendung, Mundpflege, Infektionszeichen und Langzeitkontrollen.
  • Polypharmazie — Medikationsplan, Doppelverordnungen, Wechselwirkungen, Nierenfunktion und Sturzrisiko strukturiert für Gespräche vorbereiten.
Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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