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ADHS: Medikamente begleiten


Was diese Mittel tun und was nicht — und worauf Sie bei Appetit, Schlaf und dem Nachmittag achten sollten.

Ein Elternteil und ein Kind sitzen am Küchentisch, davor liegen ein Kalender und eine Medikamentenpackung.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Kurz erklärt

Bei ADHS arbeiten die Netzwerke im Gehirn, die Aufmerksamkeit steuern, Impulse bremsen und Handlungen planen, anders. Das ist keine Frage von Erziehung oder Anstrengung.

Die Medikamente verstärken die Wirkung bestimmter Botenstoffe in genau diesen Netzwerken. Sie machen nicht ruhig im Sinne von gedämpft — sie erleichtern es, bei einer Sache zu bleiben und zwischen Impuls und Handlung einen Moment einzuschieben. Kinder beschreiben es manchmal als „es ist nicht mehr so laut im Kopf“.

Zwei Dinge gehören dazu gesagt: Das Medikament heilt nichts und lernt nichts. Es öffnet ein Fenster, in dem Struktur, Übung, schulische Unterstützung und ein verständnisvolles Umfeld greifen können. Und: Auch Erwachsene haben ADHS — die Behandlung endet nicht mit der Schulzeit.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Methylphenidat — das am längsten eingesetzte Mittel. Es gibt es als schnell wirkende Form (wirkt einige Stunden) und als Retardform (gibt den Wirkstoff über den Tag ab). Welche Form gewählt wird, hängt vom Tagesablauf ab, nicht von der Schwere. Wichtig zu wissen: Auch innerhalb der Retardformen unterscheiden sich die Präparate erheblich — darin, wie der Wirkstoff freigesetzt wird, und darin, ob sie zum Essen genommen werden müssen oder nicht. Zwei Mittel mit demselben Wirkstoff sind deshalb nicht ohne Weiteres austauschbar.
  • Lisdexamfetamin — wird erst im Körper in die wirksame Form umgewandelt und wirkt dadurch lang und gleichmäßig.
  • Atomoxetin — kein Betäubungsmittel, wirkt über den ganzen Tag, braucht aber mehrere Wochen bis zur vollen Wirkung. Eine Möglichkeit, wenn die anderen nicht vertragen werden. Zwei Dinge gehören dabei beobachtet: Neue Gedanken an den Tod oder eine deutliche Verhaltensänderung — besonders bei Kindern und Jugendlichen und besonders am Anfang — gehören sofort angesprochen. Und eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin oder starke Schmerzen im rechten Oberbauch noch am selben Tag: Sehr selten kann die Leber Schaden nehmen. Puls und Blutdruck werden auch hier kontrolliert.
  • Guanfacin — ebenfalls kein Betäubungsmittel. Es senkt Puls und Blutdruck und macht häufig müde; Schwindel und in seltenen Fällen eine kurze Ohnmacht kommen vor, besonders am Anfang und beim schnellen Aufstehen. Puls und Blutdruck werden deshalb regelmäßig kontrolliert. Und ein Punkt, der leicht übersehen wird: Guanfacin darf nicht abrupt abgesetzt werden — der Blutdruck kann dann deutlich in die Höhe schnellen. Beendet wird es schrittweise und nach ärztlichem Plan, auch wenn es gerade nicht zu helfen scheint.

Zum Rezept: Methylphenidat und Lisdexamfetamin unterliegen dem Betäubungsmittelrecht. Praktisch heißt das: Das Rezept lässt sich nicht schnell per Telefon nachreichen, es hat eine begrenzte Gültigkeit, und das Medikament darf niemandem sonst gegeben werden — auch nicht dem Geschwisterkind mit denselben Schwierigkeiten. Ferien, Reisen und Feiertage gehören deshalb vorher geplant. Für Auslandsreisen gibt es eine Bescheinigung, die die Praxis ausstellt.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffFormWorauf achten
Ritalin, MedikinetMethylphenidatje nach Zubereitung schnell wirkend oder retardiertForm auf der Packung prüfen
Concerta, Medikinet retard und adultMethylphenidatRetardformEinnahmevorgaben je Präparat verschieden
ElvanseLisdexamfetaminlang wirkendmorgens geben
StratteraAtomoxetinkein BetäubungsmittelWirkung erst nach Wochen, Stimmung beobachten
IntunivGuanfacinkein BetäubungsmittelPuls und Blutdruck im Blick, nie abrupt absetzen

Für den Pflegealltag wichtig

  • So geben, wie es verordnet ist — und zur gleichen Zeit. Meist ist das morgens; zu spät gegeben, reicht die Wirkung in den Abend und stört das Einschlafen. Ob mit oder ohne Essen, steht auf der Packung und ist von Präparat zu Präparat verschieden: Manche Retardformen müssen ausdrücklich zu oder nach einer Mahlzeit genommen werden, andere nicht. Diese Angabe ist keine Feinheit — sie entscheidet mit darüber, wie viel ankommt.
  • Den Nachmittag verstehen. Wenn die Wirkung nachlässt, wirken manche Kinder für ein bis zwei Stunden unruhiger und gereizter als vor der Behandlung. Das kann das Nachlassen der Wirkung sein — es ist dann keine Verschlechterung und lässt sich über die Wahl der Form oder den Zeitpunkt oft entschärfen. Es kann aber auch etwas anderes dahinterstecken: eine Menge, die nicht passt, zu wenig Schlaf, Hunger nach einem Tag ohne Appetit, oder eine zweite Erkrankung. Schreiben Sie deshalb mit — mit Uhrzeit — und bringen Sie es in die Praxis mit, statt es selbst zu deuten.
  • Retardformen nicht zerkleinern oder mörsern. Ob eine Kapsel geöffnet oder eine Tablette geteilt werden darf, steht in der Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats — bei manchen ist es erlaubt, bei den meisten nicht. Lassen Sie es sich für das konkrete Mittel von der Apotheke bestätigen, bevor Sie es tun.
  • Appetit und Gewicht beobachten. Appetitverlust ist die häufigste Nebenwirkung. Was hilft: ein kräftiges Frühstück, bevor die Wirkung einsetzt, und ein zweites Abendessen, wenn sie nachlässt. Gewicht und Größe werden in der Praxis regelmäßig kontrolliert — das ist der Punkt, an dem gemessen und nicht geschätzt wird.
  • Einschlafen im Blick behalten. Feste Abendrituale, Bildschirme früh aus. Wenn es trotzdem nicht klappt, ist der Einnahmezeitpunkt ein Thema für die Praxis.
  • Puls und Blutdruck gehören zu den Kontrollen dazu.
  • Ob das Mittel noch gebraucht wird, wird regelmäßig überprüft — in der Praxis. Eine geplante Einnahmepause kann dabei ein Weg sein, ist es aber nicht für jeden und nicht für jedes Präparat. Das entscheidet die behandelnde Fachperson; eine Pause „mal in den Ferien“ auf eigenen Entschluss gehört nicht dazu.
  • Sicher aufbewahren. Diese Mittel werden unter Jugendlichen weitergegeben. Ein abschließbarer Platz ist kein Misstrauen, sondern Sorgfalt.
  • Rückmeldung aus der Schule einholen. Lehrkräfte sehen die Wirkung über den Tag oft klarer als das Zuhause am Abend.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Appetitverlust, vor allem mittags — die häufigste Nebenwirkung.
  • Einschlafprobleme.
  • Bauchweh oder Kopfschmerzen in den ersten Wochen.
  • Gereiztheit oder Weinerlichkeit am Nachmittag, wenn die Wirkung nachlässt.
  • Ein gedämpftes, „ausgeschaltetes“ Wirken — das ist nicht das Ziel und gehört gemeldet; oft ist es eine Frage der Einstellung.
  • Tics — kommen vor; ob sie mit dem Mittel zusammenhängen, klärt die Praxis.
  • Höherer Puls, höherer Blutdruck.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Brustschmerz, Ohnmacht oder starkes Herzrasen.
  • Krampfanfall.
  • Schwere Verwirrtheit, Halluzinationen oder starke Angstzustände.
  • Verdacht auf eine Überdosis oder darauf, dass ein anderes Kind die Tabletten genommen hat.
  • Unmittelbare Gefahr für das eigene Leben: ein konkreter Plan, verfügbare Mittel, eine Handlung, die bevorsteht — oder wenn Sie die Sicherheit nicht gewährleisten können. Dann die Person nicht allein lassen und die 112 rufen. Gefährliche Gegenstände oder Medikamente nur wegnehmen, wenn Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Deutlicher Gewichtsverlust oder anhaltende Appetitlosigkeit.
  • Gedanken an den Tod oder Äußerungen über Lebensmüdigkeit ohne unmittelbare Gefahr. Das gehört noch am selben Tag fachlich abgeklärt — Kinder- und Jugendpsychiatrie, Hausarztpraxis oder der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Zum Reden gibt es zusätzlich die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenfrei; sie ersetzt bei akuter Gefahr aber nicht den Notruf.
  • Starke Stimmungsveränderungen nach Beginn oder Erhöhung.
  • Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin oder starke Schmerzen im rechten Oberbauch unter Atomoxetin.
  • Anhaltende Schlaflosigkeit.
  • Neue Tics.
  • Das Medikament ist ausgegangen und das Rezept fehlt.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Der Nachmittag ist regelmäßig schwierig.
  • Die Wirkung reicht nicht über den Schultag.
  • Kontrollen von Gewicht, Größe, Puls und Blutdruck stehen aus.
  • Ferien oder eine Reise stehen an — Rezept und Bescheinigung rechtzeitig klären.
  • Es gibt keine Unterstützung neben dem Medikament: Elterntraining, Schule, Therapie.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Wie lange soll die Wirkung reichen — bis Schulschluss oder bis in die Hausaufgaben?
  • Was tun wir, wenn eine Gabe vergessen wurde?
  • Darf diese Kapsel geöffnet werden?
  • Was tun wir gegen den fehlenden Appetit?
  • Wie oft werden Gewicht, Größe, Puls und Blutdruck kontrolliert?
  • Wie und wann überprüfen wir, ob das Mittel noch gebraucht wird — und wäre eine Einnahmepause hier überhaupt geeignet?
  • Was gilt bei Ferienreisen, auch ins Ausland?
  • Welche Unterstützung gibt es neben dem Medikament?
Quellen und Anlaufstellen

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Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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