Kompressionsstrümpfe richtig an- und ausziehen
So erleichtern Sie die tägliche Anwendung, vermeiden Falten und erkennen Probleme mit Sitz, Haut oder Durchblutung.

Transparenz
Wie dieser Beitrag entstanden ist
Geschrieben und fachlich verantwortet unter der Leitung von Susanne Brinkmann, examinierte Pflegefachkraft, in Zusammenarbeit mit Hendrik Dohmeyer, Pflegeberater nach § 7a SGB XI.
- KI hilft beim Recherchieren von Quellen, beim Ordnen von Gedanken und dabei, Behördendeutsch verständlich zu machen.
- KI entscheidet nichts. Jede Zahl, jede Frist und jede rechtliche Aussage prüfe ich selbst, bevor sie hier steht.
Kompressionsstrümpfe gehören zu den Hilfsmitteln, die am häufigsten falsch benutzt werden — und am häufigsten in der Schublade landen, weil das Anziehen zu mühsam ist. Beides lässt sich beheben, und meistens mit denselben zwei Handgriffen: der richtige Zeitpunkt und die passende Anziehhilfe.
Drei Sorten, die ständig verwechselt werden
Das ist der wichtigste Abschnitt dieser Seite, weil hier die meisten Fehler beginnen:
- Der medizinische Kompressionsstrumpf wird ärztlich verordnet und einzeln angemessen — der Umfang wird an mehreren Stellen des Beins genommen. Er übt unten mehr Druck aus als oben und unterstützt so die Muskelpumpe. Er ist für Menschen gedacht, die sich bewegen.
- Der Anti-Thrombose-Strumpf — der weiße, den man aus dem Krankenhaus kennt — ist etwas anderes. Er ist für Menschen gedacht, die überwiegend liegen. Wer wieder auf den Beinen ist, braucht keinen ATS, sondern gegebenenfalls einen medizinischen Kompressionsstrumpf. Diese beiden zu verwechseln ist der häufigste Fehler überhaupt.
- Der Stützstrumpf aus Drogerie oder Kaufhaus ist kein Medizinprodukt in diesem Sinn. Er tut müden Beinen gut. Eine verordnete Kompression ersetzt er nicht.
Wenn Sie unsicher sind, welchen Sie vor sich haben: Schauen Sie in die Verordnung oder fragen Sie im Sanitätshaus. Es ist keine dumme Frage — die Strümpfe sehen sich ähnlicher, als sie sind.
Vor dem Anziehen
- Der richtige Strumpf am richtigen Bein. Bei zwei unterschiedlich angemessenen Strümpfen unbedingt markieren — ein Punkt Nagellack innen am Bund reicht.
- Material ansehen: Laufmaschen, dünne Stellen, ausgeleierter Bund. Ein Strumpf ohne Spannung sieht aus wie ein Strumpf und wirkt wie eine Socke.
- Haut ansehen — Rötungen, offene Stellen, Druckstellen von gestern.
- Ringe abnehmen, Fingernägel prüfen. Kompressionsgestrick ist empfindlich, und ein Riss macht den Strumpf unbrauchbar.
- Der Zeitpunkt: morgens, möglichst vor dem Aufstehen. Wer erst mittags anzieht, zieht über ein bereits geschwollenes Bein — dann sitzt der Strumpf falsch und drückt an den falschen Stellen. Wenn die Verordnung etwas anderes sagt, gilt die Verordnung.
- Creme nur, wenn sie zum Material passt. Fett kann das Gestrick angreifen. Am besten abends eincremen, morgens den Strumpf anziehen.
- Verordnete Wundauflagen bleiben drunter und werden nicht wegen des Strumpfs weggelassen.
An- und Ausziehen
Eine Schrittfolge steht hier nicht — sie hängt vom Strumpftyp ab, und die Anleitung des Herstellers liegt jeder Lieferung bei. Diese Grundsätze gelten aber für alle:
- Nicht ruckartig ziehen. Kompressionsgestrick reißt nicht, aber es verrutscht — und dann sitzt es falsch.
- Nach und nach verteilen statt in einem Zug hochzuziehen.
- Nicht umkrempeln. Der eingerollte Wulst wirkt wie ein Gummiband und schnürt genau dort ein, wo er nicht darf. Das ist der häufigste Anwendungsfehler.
- Die Ferse muss sitzen. Wenn die Fersentasche verrutscht ist, stimmt der ganze Strumpf nicht mehr.
- Falten glattstreichen, nicht glattziehen.
- Der obere Abschluss darf nicht einschneiden und soll nicht rutschen.
- Beim Ausziehen die Haut noch einmal ansehen — Abdrücke, die nach kurzer Zeit verschwinden, sind normal; Abdrücke, die bleiben, sind es nicht.
Pflege und Haltbarkeit
- Nach der Anleitung des Herstellers waschen — sie liegt bei und steht meist auch im Bund. Waschtemperaturen und Mittel stehen hier bewusst nicht: Sie unterscheiden sich je nach Material, und falsch gewaschen verliert der Strumpf seine Spannung.
- Nicht auf die Heizung und nicht in den Trockner, außer der Hersteller erlaubt es ausdrücklich.
- Zwei Paar im Wechsel — eines am Bein, eines in der Wäsche. Das ist üblich und gehört zur Verordnung dazu; fragen Sie danach, wenn Sie nur eines haben.
- Erneuern, wenn die Spannung nachlässt. Wann das ist, sagt der Hersteller; verlassen Sie sich nicht aufs Aussehen.
Neu anmessen lassen, wenn sich das Bein verändert hat — nach einer Gewichtsab- oder -zunahme, nach einer Schwellung, nach einer Krankheit. Ein Strumpf, der einmal gepasst hat, passt nicht dauerhaft.
Warnzeichen
Strumpf ausziehen und fachlichen Rat holen bei:
- neuen Schmerzen im Bein oder Fuß
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln
- kalten, blassen oder bläulichen Zehen
- starkem Einschneiden oder tiefen Abdrücken, die bleiben
- offenen Stellen, Blasen oder wunder Haut
Das ist kein Gewöhnungsproblem und geht nicht „nach ein paar Tagen weg“. Kompression ist nicht für jeden geeignet: Bei einer ausgeprägten arteriellen Durchblutungsstörung kann sie schaden statt nützen. Genau diese Zeichen sind der Hinweis darauf.
Rasch ärztlich abklären lassen bei einer plötzlichen einseitigen Schwellung mit Schmerz — das kann eine Thrombose sein. Und sofort die 112 bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz. Mehr dazu auf Thrombosen vorbeugen und Bewegung fördern.
Wer Ihnen hilft
- Sanitätshaus — misst an, liefert, zeigt Anziehhilfen und prüft den Sitz. Der erste Ansprechpartner bei allem, was drückt oder rutscht.
- Die verordnende Praxis — für Klasse, Länge, Tragezeit und die Frage, ob Kompression überhaupt geeignet ist.
- Pflegedienst — kann das An- und Ausziehen übernehmen.
- Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — unabhängig, kostenfrei. Was dort passiert.
Das An- und Ausziehen verordneter Kompressionsstrümpfe kann als häusliche Krankenpflege verordnet werden — über die Krankenkasse, unabhängig vom Pflegegrad. Das ist vielen nicht bekannt und löst genau das Problem, an dem die Therapie sonst scheitert. Ob, wie oft und wie lange, entscheidet die Kasse im Einzelfall auf ärztliche Verordnung.
Häufige Fragen
Wann werden die Strümpfe angezogen?
In der Regel morgens, möglichst noch vor dem Aufstehen — dann sind die Beine am schlanksten und der Strumpf sitzt so, wie er angemessen wurde. Wer erst später anzieht, zieht über ein bereits geschwollenes Bein. Wenn das morgens nicht zu schaffen ist, hilft es, die Beine vorher kurz hochzulegen. Und wenn die Verordnung etwas anderes vorsieht, gilt die Verordnung — es gibt Behandlungen, bei denen andere Zeiten sinnvoll sind.
Müssen sie über Nacht anbleiben?
Darauf gibt es keine allgemeine Antwort. Bei den meisten Behandlungen werden die Strümpfe tagsüber getragen und abends ausgezogen — bei manchen ist es anders, etwa nach bestimmten Operationen oder bei bestimmten Wunden. Was für Sie gilt, steht in der Verordnung; wenn es dort nicht steht, fragen Sie in der Praxis nach und lassen Sie es sich aufschreiben. Tragen Sie sie nicht einfach länger als vorgesehen, „weil es dann mehr hilft“.
Welche Kompressionsklasse ist die richtige?
Das entscheidet die verordnende Praxis — je nach Erkrankung, Beinzustand und Verträglichkeit. Eine stärkere Klasse ist nicht automatisch besser; sie ist schwerer anzuziehen und wird deshalb oft gar nicht mehr getragen, was am Ende weniger hilft als eine leichtere, die täglich sitzt. Wenn Ihnen die verordnete Klasse zu schwer anzuziehen ist, sprechen Sie das an, statt aufzugeben — es gibt Anziehhilfen, und es gibt manchmal auch Alternativen.
Was tun bei Falten oder Druckstellen?
Falten gehören glattgestrichen, nicht glattgezogen — und ein umgeschlagener Rand wird auseinandergerollt, nicht festgeklopft. Wenn immer wieder an derselben Stelle Falten entstehen, passt der Strumpf vermutlich nicht mehr: Lassen Sie ihn im Sanitätshaus prüfen und gegebenenfalls neu anmessen. Bleiben Druckstellen nach dem Ausziehen länger sichtbar oder entstehen offene Stellen, ist das ein Fall für die Praxis — dann wird der Strumpf bis dahin nicht weitergetragen.
Zahlt die Kasse das Anziehen durch den Pflegedienst?
Das An- und Ausziehen ärztlich verordneter Kompressionsstrümpfe kann als häusliche Krankenpflege verordnet werden und läuft dann über die Krankenkasse — unabhängig vom Pflegegrad. Voraussetzung ist, dass es nicht selbst und nicht durch Angehörige geleistet werden kann. Ob, wie oft und wie lange bewilligt wird, entscheidet die Kasse im Einzelfall. Sprechen Sie es in der Praxis an; vielen ist diese Möglichkeit nicht bekannt, und genau daran scheitert sonst die ganze Behandlung.
Wie geht es weiter?
- Thrombosen vorbeugen und Bewegung fördern — wozu die Kompression gehört
- Wunden fachgerecht versorgen — beim offenen Bein gehört beides zusammen
- Alle Pflegetipps — zwanzig Anleitungen für die Pflege zu Hause
- Pflegeberatung nach § 7a — unabhängig, kostenfrei





