Katheter und Stoma sicher versorgen
Orientierung zu Hygiene, Alltag und Warnzeichen — mit klarer Trennung zwischen Harnblasenkatheter und Darm- oder Urostoma.

Transparenz
Wie dieser Beitrag entstanden ist
Geschrieben und fachlich verantwortet unter der Leitung von Susanne Brinkmann, examinierte Pflegefachkraft, in Zusammenarbeit mit Hendrik Dohmeyer, Pflegeberater nach § 7a SGB XI.
- KI hilft beim Recherchieren von Quellen, beim Ordnen von Gedanken und dabei, Behördendeutsch verständlich zu machen.
- KI entscheidet nichts. Jede Zahl, jede Frist und jede rechtliche Aussage prüfe ich selbst, bevor sie hier steht.
Diese Seite behandelt zwei Dinge, die oft in einem Atemzug genannt werden und wenig miteinander zu tun haben: den Harnblasenkatheter und das Stoma. Sie stehen deshalb getrennt — erst der eine Bereich, dann der andere.
Nicht auf dieser Seite: Tracheostoma (Luftröhre), PEG-Sonde (Ernährung) und zentrale Venenkatheter. Das sind eigene Themen mit eigenen Regeln — übertragen Sie nichts von hier darauf.
Und was für beide Bereiche gilt: Wechsel, Einlage und alles, was in den Körper hineingeht, lernt man nicht aus einem Text. Was hier steht, ist der Alltag drumherum — und der ist es, der über Komplikationen entscheidet.
Teil A: Der Harnblasenkatheter
Drei Arten, die sich in Zuständigkeit und Handhabung unterscheiden:
- Der Dauerkatheter durch die Harnröhre — liegt dauerhaft, wird von Fachpersonal gewechselt.
- Der suprapubische Katheter — durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeins gelegt. Der Wechsel gehört ausschließlich in ärztliche oder speziell geschulte Hände.
- Der Einmalkatheter — wird zum Entleeren eingeführt und gleich wieder entfernt. Viele Menschen machen das selbst; angeleitet wird es einzeln.
Alltag und Hygiene
- Hände vor und nach jedem Kontakt waschen. Der wirksamste Einzelpunkt gegen Infektionen.
- Das geschlossene System geschlossen lassen. Jede unnötig geöffnete Verbindung ist ein Eintrittsweg für Keime. Nur öffnen, wenn es vorgesehen ist.
- Der Schlauch darf nicht knicken und nicht ziehen. Zug am Katheter tut weh und schädigt auf Dauer das Gewebe. Deshalb wird er fixiert — mit dem dafür vorgesehenen Band, nicht mit Pflaster quer über den Bauch.
- Der Beutel hängt unterhalb der Blase — sonst läuft Urin zurück. Und er darf nie den Boden berühren. Beim Umsetzen oder Aufstehen daran denken: Der Beutel wird nicht kurz aufs Bett gelegt.
- Rechtzeitig entleeren, bevor er randvoll ist, und nach der Einweisung, die Sie zum System bekommen haben.
- Die Austrittsstelle — bei suprapubischen Kathetern die Stelle an der Bauchdecke — wird nach dem persönlichen Plan versorgt.
Was Sie nicht tun: keine Spülungen auf eigene Faust, keine Desinfektionsmittel in den Beutel, kein Abklemmen zum „Blasentraining“, keine eigenmächtigen Wechselintervalle. Für all das gibt es Gründe, warum es angeordnet werden muss.
Warnzeichen beim Katheter
- Fieber oder Schüttelfrost
- Schmerzen im Unterbauch oder an der Austrittsstelle
- neue Verwirrtheit — bei älteren Menschen häufig das erste und manchmal einzige Zeichen eines Harnwegsinfekts
- kein Urinfluss, obwohl der Schlauch nicht geknickt und der Beutel richtig platziert ist
- Blut im Urin oder eine Blutung an der Austrittsstelle
- Urin läuft daneben statt in den Beutel
- gerötete, nässende oder wunde Austrittsstelle
Zwei Punkte, die besonders wichtig sind.
Erstens: Ein suprapubischer Katheter, der herausgerutscht ist, wird niemals selbst wieder eingeführt. Der Kanal durch die Bauchdecke schließt sich innerhalb weniger Stunden. Rufen Sie sofort an — je nach Erreichbarkeit Praxis, Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder die Klinik, in der der Katheter gelegt wurde. Das ist dringend, auch nachts.
Und wie überall gilt: Die 112 ist für den Notfall da — bei hohem Fieber mit Schüttelfrost und schwerer Beeinträchtigung, bei Bewusstseinsstörung oder wenn jemand plötzlich schwer krank wirkt. Ein Harnwegsinfekt kann bei älteren Menschen sehr schnell bedrohlich werden.
Zweitens: Trüber Urin oder ein strenger Geruch allein sind kein Infekt. Bei einem Dauerkatheter sind im Urin fast immer Bakterien nachweisbar, ohne dass jemand krank ist. Behandelt wird nach Beschwerden — Fieber, Schmerzen, Verwirrtheit —, nicht nach Aussehen oder Geruch. Wer nach jedem trüben Urin ein Antibiotikum gibt, macht die Sache auf Dauer schlimmer.
Hilfe bei der Katheterversorgung
Teil B: Darm- und Urostoma
Ein Stoma ist ein künstlich angelegter Ausgang. Drei Formen, mit sehr unterschiedlichem Alltag:
- Kolostoma — Ausgang des Dickdarms. Der Stuhl ist meist geformter, es wird seltener entleert.
- Ileostoma — Ausgang des Dünndarms. Der Ausfluss ist dünnflüssig, kommt häufiger und greift die Haut stärker an. Hier gehen außerdem mehr Flüssigkeit und Salze verloren — das ist der Grund, warum bei einem Ileostoma andere Regeln fürs Trinken gelten können.
- Urostoma — Ausgang für den Urin. Es läuft ständig, deshalb wird meist ein Beutel mit Ablasshahn und nachts ein größerer Beutel genutzt.
Welches System jemand hat, wie es zugeschnitten und gewechselt wird, erklärt die Stomatherapie — speziell ausgebildete Pflegefachkräfte, die es genau dafür gibt. Fragen Sie nach ihnen, in der Klinik oder über die behandelnde Praxis.
Versorgung vorbereiten
- Alles bereitlegen, bevor die alte Versorgung abgeht — inklusive Abwurfbeutel.
- Ungestört und mit Privatsphäre. Das ist kein Nebenaspekt: Für viele Menschen ist das Stoma das, was sie am meisten beschämt.
- Haut sanft mit Wasser reinigen und gründlich trocknen. Keine Seife mit Rückfettung, kein Desinfektionsmittel, kein Alkohol — nichts davon verträgt sich mit dem Hautschutz, und die Platte hält dann nicht.
- Haare um das Stoma vorsichtig kürzen, nicht rasieren, wenn es Ihnen so gezeigt wurde.
- Die Versorgung faltenfrei anlegen und mit der warmen Hand kurz andrücken — Wärme verbessert die Haftung deutlich.
- Der Ausschnitt muss passen: zu groß, und der Ausfluss greift die Haut an; zu klein, und er schnürt das Stoma ein. Maße stehen hier bewusst nicht — sie ändern sich, gerade in den ersten Monaten nach der Operation.
Wie oft gewechselt wird, hängt vom System und vom Menschen ab. Eine allgemeine Regel gibt es nicht, und ein zu häufiger Wechsel schadet der Haut ebenso wie ein zu seltener.
Warnzeichen beim Stoma
Lassen Sie sich zu Beginn zeigen, wie das Stoma normalerweise aussieht — Farbe, Form, wie weit es hervorsteht. Nur dann können Sie eine Veränderung erkennen. Es ist übrigens normal, dass es feucht glänzt und bei Berührung leicht blutet; es hat keine Schmerzempfindung.
Fachlichen Rat holen bei:
- zunehmend wunder Haut rund um das Stoma
- wiederholter Undichtigkeit — sie ist fast immer ein Hinweis, dass die Versorgung nicht mehr passt
- deutlicher Farbveränderung: blass, dunkel oder bläulich statt rosig
- starker oder anhaltender Blutung
- Schwellung, Einziehung oder wenn das Stoma deutlich weiter hervortritt
- Schmerzen
Ein Notfall ist es, wenn über längere Zeit nichts mehr kommt und gleichzeitig Bauchschmerzen, ein aufgeblähter Bauch oder Erbrechen auftreten. Das kann ein Darmverschluss sein. Bei starken Bauchschmerzen mit Erbrechen und hartem, aufgetriebenem Bauch rufen Sie die 112 — sonst noch am selben Tag die behandelnde Praxis oder außerhalb der Sprechzeiten den Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Essen, Trinken und Alltag
Es gibt keine Stoma-Diät, und pauschale Trink- oder Essensregeln stehen hier bewusst nicht: Was sinnvoll ist, hängt von der Stomaart ab, von der Grunderkrankung und von Herz und Nieren. Bei einem Ileostoma gelten oft ganz andere Regeln als bei einem Kolostoma. Das gehört mit der Stomatherapie besprochen.
Was sich dagegen allgemein sagen lässt: Duschen ist möglich, mit und ohne Versorgung, je nach System. Kleidung muss nicht besonders sein, ein zu enger Bund am Stoma sollte aber vermieden werden. Reisen geht — mit ausreichend Material im Handgepäck, niemals nur im Koffer. Und Sexualität ist kein Tabuthema, sondern eines, das in der Stomaberatung ausdrücklich besprochen werden darf.
Packen Sie eine kleine Tasche für unterwegs — eine Wechselversorgung, ein Beutel für Gebrauchtes, Tücher. Wer sie dabei hat, geht wieder aus dem Haus, und darum geht es.
Es gibt außerdem Selbsthilfegruppen für Menschen mit Stoma. Für viele ist der Austausch mit jemandem, der dasselbe erlebt, hilfreicher als jede Broschüre.
Wer Ihnen hilft
- Stomatherapie — für alles rund ums Stoma: Zuschnitt, Produkte, undichte Versorgung, wunde Haut.
- Pflegedienst — kann die Versorgung übernehmen oder Sie anleiten.
- Behandelnde Praxis oder Klinik — für Wechsel des Katheters, Verordnungen und alles Medizinische.
- Sanitätshaus — für Material, Beutel und Zubehör.
- Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — unabhängig, kostenfrei. Was dort passiert.
Bestimmte Maßnahmen an Katheter und Stoma können als häusliche Krankenpflege ärztlich verordnet werden — über die Krankenkasse, unabhängig vom Pflegegrad. Aber nicht jede alltägliche Handhabung ist automatisch Behandlungspflege; was im Einzelfall verordnungsfähig ist, klären Praxis, Kasse und Pflegedienst gemeinsam.
Und ausdrücklich: Ob Sie die Versorgung selbst machen, teilen oder ganz abgeben, ist Ihre Entscheidung — keine davon ist ein Scheitern. Viele Angehörige übernehmen sie jahrelang und gut. Viele andere entscheiden sich dagegen, und auch das ist eine vernünftige Entscheidung.
Häufige Fragen zum Katheter
Wie oft muss der Urinbeutel gewechselt werden?
Das hängt vom System ab und steht in der Anleitung, die Sie dazu bekommen haben — eine allgemeine Zahl wäre hier falsch. Wichtiger als das Intervall ist ein anderer Punkt: Bei einem geschlossenen System wird der Beutel nicht öfter gewechselt als nötig, weil jedes Öffnen der Verbindung ein Eintrittsweg für Keime ist. Entleert wird dagegen regelmäßig, bevor der Beutel randvoll ist. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie beim Pflegedienst oder in der Praxis nach — und lassen Sie es sich aufschreiben.
Es kommt kein Urin mehr — was tun?
Prüfen Sie zuerst das Einfache: Ist der Schlauch geknickt, eingeklemmt oder abgedrückt? Liegt der Beutel höher als die Blase? Ist die Person zu wenig hydriert? Wenn nichts davon zutrifft und weiterhin kein Urin kommt, rufen Sie an — das gehört zeitnah abgeklärt und nicht bis zum nächsten Tag aufgeschoben. Versuchen Sie nicht, den Katheter selbst zu spülen oder zu bewegen. Kommen Bauchschmerzen, Unruhe oder Fieber dazu, ist es dringend.
Der suprapubische Katheter ist herausgerutscht — was jetzt?
Sofort anrufen, und niemals selbst wieder einführen. Der Kanal durch die Bauchdecke verengt sich innerhalb weniger Stunden und kann sich ganz schließen — dann ist ein neuer Eingriff nötig. Je nach Tageszeit: die behandelnde Praxis, der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, oder die Klinik, in der der Katheter gelegt wurde. Decken Sie die Stelle bis dahin sauber ab und notieren Sie, wann es passiert ist.
Häufige Fragen zum Stoma
Die Versorgung ist undicht — woran liegt das?
Fast immer daran, dass sie nicht mehr passt. Die häufigsten Gründe: Der Ausschnitt ist zu groß geworden, weil das Stoma sich verändert hat — das passiert besonders in den ersten Monaten nach der Operation. Oder die Haut ist nicht ganz trocken gewesen. Oder es haben sich Falten und Unebenheiten gebildet, für die es eigene Ausgleichsprodukte gibt. Wichtig: Häufiger zu wechseln löst das Problem nicht, sondern verschlechtert die Haut. Das ist der klassische Fall für die Stomatherapie.
Die Haut um das Stoma ist wund — was hilft?
Zuerst die Ursache abstellen, nicht das Symptom behandeln: Wunde Haut entsteht fast immer dadurch, dass Ausfluss darauf gelangt — also passt der Ausschnitt nicht oder die Versorgung ist undicht. Cremes und Salben aus dem Schrank helfen hier nicht, sie verhindern sogar, dass die Platte hält. Es gibt eigene Hautschutzprodukte für diesen Zweck, aber welches passt, gehört angesehen. Rufen Sie die Stomatherapie an, bevor es großflächig wird — dann ist es in Tagen behoben statt in Wochen.
Muss beim Essen etwas beachtet werden?
Eine allgemeine Stoma-Diät gibt es nicht, und pauschale Regeln wären hier fehl am Platz: Was sinnvoll ist, hängt von der Stomaart ab — bei einem Ileostoma gelten oft ganz andere Empfehlungen als bei einem Kolostoma — und dazu von der Grunderkrankung sowie von Herz und Nieren. Gerade zur Trinkmenge kann bei einem Ileostoma mehr nötig sein als sonst, bei Herz- oder Nierenerkrankung aber weniger erlaubt. Das gehört individuell besprochen, am besten mit der Stomatherapie und der behandelnden Praxis gemeinsam.
Wie geht es weiter?
- Inkontinenz würdevoll versorgen — Hautschutz und Alltag bei Ausscheidungsproblemen
- Intimpflege respektvoll übernehmen — Nähe und Schamgrenzen
- Wunden fachgerecht versorgen — wenn die Haut nicht mehr heilt
- Pflegeberatung nach § 7a — unabhängig, kostenfrei





