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10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

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Ausreichend essen und trinken


So fördern Sie Appetit, Selbstständigkeit und eine sichere Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme.

Eine ältere Frau bereitet am Küchentisch eine Mahlzeit zu, eine Angehörige steht hinter ihr und legt ihr die Hand auf die Schulter.
Aktualisiert am 18.09.2026

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Warum jemand wenig isst oder trinkt

Bevor man etwas ändert, lohnt der Blick auf den Grund. Er ist selten „kein Hunger“ und fast immer etwas, das sich angehen lässt:

  • Der Mund. Druckstellen von der Prothese, wunde Stellen, Pilzbefall, Karies, trockener Mund. Der häufigste übersehene Grund überhaupt — und der am leichtesten zu behebende.
  • Das Durstgefühl lässt im Alter nach. Wer nicht trinkt, hat oft schlicht keinen Durst — nicht keine Lust.
  • Medikamente können Appetit, Geschmack und Speichelfluss verändern.
  • Schmerzen, Übelkeit, Verstopfung. Wer Bauchdruck hat, isst nicht.
  • Traurigkeit, Einsamkeit, Depression. Allein essen schmeckt anders.
  • Demenz: Das Essen wird nicht mehr als Essen erkannt, die Reihenfolge geht verloren, das Besteck ist zu kompliziert, oder es fehlt schlicht die Erinnerung an die letzte Mahlzeit.
  • Die Hände oder die Augen. Wer den Deckel nicht aufbekommt oder den Teller nicht sieht, isst weniger — ganz ohne Appetitproblem.
  • Schluckprobleme. Wer sich einmal verschluckt hat, meidet danach oft unbewusst das Trinken.

Was davon zutrifft, gehört in die Arztpraxis — nicht in die eigene Vermutung. Aber Ihre Beobachtung ist der Anfang.

Was den Appetit zurückbringt

  • Lieblingsspeisen und vertraute Zeiten. Was jemand sein Leben lang gern gegessen hat, wirkt stärker als jede Nährwerttabelle. Auch Süßes darf dazugehören — wer kaum isst, soll essen, was er mag.
  • Kleine Portionen auf großen Tellern. Ein überladener Teller entmutigt. Lieber öfter etwas Kleines: fünf kleine Mahlzeiten sind leichter als drei große.
  • Gesellschaft. Setzen Sie sich dazu und essen Sie mit, wenn es geht. Das ist keine Nettigkeit, sondern wirkt.
  • Ruhe. Fernseher aus, kein Gespräch über schwierige Dinge, nicht drängeln. Für einen Menschen mit Demenz ist ein lauter Raum eine Überforderung, die den Appetit sofort beendet.
  • Riechen und sehen. Duft von frischem Kaffee oder Gebratenem weckt mehr als jede Aufforderung.
  • Selbst machen lassen, so viel wie geht. Auch wenn es länger dauert und kleckert. Wer gefüttert wird, verliert Appetit und Fähigkeiten zugleich.
  • Fingerfood, wenn Besteck zu schwierig wird: belegte Brotstücke, Gemüsesticks, Frikadellen, Obststücke. Damit essen Menschen mit Demenz oft wieder selbstständig — und unterwegs, wenn sie nicht sitzen bleiben können.
  • Kontraste helfen beim Sehen: heller Teller auf dunkler Unterlage, kein gemustertes Geschirr. Kartoffelbrei auf weißem Teller ist für ein nachlassendes Auge fast unsichtbar.
  • Hilfsmittel ausprobieren: Teller mit erhöhtem Rand, rutschfeste Unterlage, verdicktes Besteck, leichter Becher mit zwei Henkeln. Vieles davon kann verordnet werden — fragen Sie danach.

Trinken erleichtern

  • Sichtbar und erreichbar. Ein volles Glas im Blickfeld wird getrunken, eine Flasche in der Küche nicht. Mehrere Trinkorte einrichten: Sessel, Bett, Balkon.
  • Anbieten statt auffordern. „Möchtest du etwas trinken?“ wird oft verneint. Ein eingeschenktes Glas in die Hand gegeben, wird meist genommen.
  • Was schmeckt, zählt. Wasser ist nicht das Maß aller Dinge. Tee, Saftschorle, Brühe, Milchkaffee, Kakao — auch Suppe, Joghurt, Pudding, Wassermelone und Gurke bringen Flüssigkeit.
  • Zu jeder Tablette ein Glas. Das sind über den Tag mehrere Gelegenheiten, die ohnehin anstehen.
  • An Rituale koppeln: zur Tagesschau, nach dem Toilettengang, wenn Besuch kommt.
  • Das richtige Gefäß: leicht, mit Henkel, nicht zu groß. Ein Schnabelbecher ist nicht automatisch die Lösung — er kann den Kopf in den Nacken zwingen und das Verschlucken begünstigen. Erst fragen, dann kaufen.

Zur Menge: Hier steht bewusst keine Literzahl. Für Menschen mit Herzschwäche oder Nierenerkrankung ist die allgemein empfohlene Menge oft zu viel und kann schaden. Fragen Sie in der Arztpraxis nach der persönlichen Trinkmenge und schreiben Sie sie sichtbar auf. Wenn es keine Vorgabe gibt, gilt: eher regelmäßig und über den Tag verteilt als viel auf einmal.

Beobachten, ohne zu kontrollieren

Ein Protokoll ist kein Dauerzustand. Es lohnt sich, wenn ein Verdacht im Raum steht — für ein bis zwei Wochen, dann wird es ausgewertet und wieder beendet.

Ess- und Trinkplan zum Ausdrucken. Bewusst ohne Soll-Spalte — ein vorgedrucktes Ziel erzeugt Druck.
TagMorgensMittagsNachmittagsAbendsAufgefallen
      
      
      
      

Worauf es sonst zu achten lohnt: Sitzt die Kleidung lockerer als vor einem halben Jahr? Wird der Ring weiter? Lässt die Kraft nach? Ist der Mund trocken, die Zunge belegt? Kommt weniger und dunklerer Urin? Ist jemand ungewöhnlich müde oder verwirrt?

Wiegen ist der verlässlichste Hinweis — aber nur unter gleichen Bedingungen: morgens, nach dem Wasserlassen, in ähnlicher Kleidung, auf derselben Waage, in einem vereinbarten Abstand. Wie oft, sagt die Praxis. Tägliches Wiegen ohne Anlass macht Druck und bringt nichts.

Nicht verlässlich ist der bekannte Hautfaltentest. Bei älterer Haut bleibt die Falte oft stehen, ohne dass Flüssigkeit fehlt — und umgekehrt. Verlassen Sie sich lieber auf Trinkmenge, Urin, Kraft und Wachheit.

Wenn das Schlucken schwerfällt

Schluckstörungen sind häufig — nach einem Schlaganfall, bei Parkinson, bei Demenz, bei Multipler Sklerose, manchmal auch ohne bekannte Ursache. Sie sind gefährlich, weil Speisen und Getränke in die Lunge geraten und dort eine Entzündung auslösen können. Und sie werden oft spät bemerkt, weil sie sich unauffällig zeigen:

  • Husten oder Räuspern während oder kurz nach dem Essen und Trinken.
  • Eine gurgelige, feuchte Stimme nach dem Schlucken.
  • Mahlzeiten dauern immer länger, es wird immer wieder nachgeschluckt.
  • Speisereste bleiben in der Backentasche liegen.
  • Getränke werden gemieden, besonders dünnflüssige.
  • Wiederkehrende Lungenentzündungen oder unklares Fieber.
  • Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund.

Bei diesen Zeichen gehört eine Untersuchung her — Logopädie, HNO oder Neurologie, je nach Ursache. Erst danach wird entschieden, ob Getränke angedickt werden, welche Konsistenz passt und welche Hilfsmittel sinnvoll sind. Dicken Sie nichts auf eigene Faust an und stellen Sie das Essen nicht selbst auf Brei um: Falsch gewählt, kann beides das Problem verschlimmern.

Was Sie ohne Anleitung tun können und sollten:

  • Aufrecht sitzen lassen, so gerade wie möglich, und nach der Mahlzeit noch eine Weile aufrecht bleiben.
  • Ruhe und Zeit. Nicht ablenken, nicht ansprechen, während geschluckt wird.
  • Kleine Bissen, kleine Schlucke, und erst den nächsten, wenn der Mund leer ist.
  • Nie im Liegen und nie bei Schläfrigkeit anreichen. Wer nicht wach genug ist, kann nicht sicher schlucken. Dann wird nichts gegeben — auch keine Tablette mit Wasser.
  • Nach dem Essen den Mund kontrollieren und pflegen. Reste im Mund sind ein Risiko für die Nacht.

Warnzeichen

Sofort 112: Verdacht auf Ersticken — jemand bekommt keine Luft mehr, kann nicht mehr sprechen oder husten, wird blau. Dann den Notruf absetzen und die Maßnahmen anwenden, die Sie gelernt haben. Wenn Sie das nie geübt haben, ist ein Erste-Hilfe-Kurs die bessere Vorbereitung als jeder gelesene Absatz — falsch angewendet kann hier auch etwas kaputtgehen.

Zeitnah ärztlich klären:

  • Ungewollter Gewichtsverlust — die Kleidung sitzt lockerer.
  • Appetitmangel, der länger als ein paar Tage anhält.
  • Wiederholtes Verschlucken, Husten beim Trinken, gurgelige Stimme.
  • Erbrechen oder Durchfall, besonders bei alten Menschen — Flüssigkeit geht schnell verloren.
  • Deutlich weniger Urin, dunkler Urin, trockener Mund zusammen mit Schwäche.
  • Neue Verwirrtheit — bei älteren Menschen oft das erste Zeichen von Flüssigkeitsmangel oder Infekt. Siehe Verwirrtheit und akute Veränderungen erkennen.
  • Schmerzen im Mund, wackelnde oder drückende Prothese.
  • Fieber ohne erkennbaren Grund.

Wer hier hilft

  • Die Hausarztpraxis klärt Ursachen und stellt Verordnungen aus.
  • Zahnarztpraxis — bei jedem Verdacht auf Mund- oder Prothesenprobleme. Hausbesuche sind möglich.
  • Logopädie bei Schluckstörungen: untersucht, berät und übt. Wird ärztlich verordnet.
  • Ernährungsberatung, wenn Gewicht oder Mangel ein Thema sind.
  • Ein Pflegedienst kann das Risiko einschätzen, beim Anreichen anleiten und beobachten.
  • Essen auf Rädern oder ein Mittagstisch in der Nachbarschaft entlasten den Alltag — und bringen Gesellschaft mit.
  • Alltagshilfen über den Entlastungsbetrag können beim Einkaufen, Kochen und gemeinsamen Essen unterstützen.

Häufige Fragen

Wie viel soll mein Angehöriger trinken?

Das lässt sich nicht allgemein sagen, und deshalb steht hier keine Zahl. Bei Herzschwäche oder Nierenerkrankung ist die übliche Empfehlung oft zu viel und kann schaden; bei anderen Menschen ist sie zu wenig. Lassen Sie sich in der Arztpraxis eine persönliche Menge nennen und schreiben Sie diese sichtbar auf — an den Kühlschrank, nicht in den Kopf. Wenn es keine Vorgabe gibt, ist regelmäßiges Anbieten über den Tag wichtiger als jede Zielmenge.

Was tun, wenn jemand einfach nichts mehr essen will?

Zuerst nach dem Grund suchen: Mund, Zähne, Schmerzen, Übelkeit, Verstopfung, Medikamente, Traurigkeit. Dann das Angebot ändern statt den Druck zu erhöhen — Lieblingsspeisen, kleine Portionen, Gesellschaft, Ruhe. Wenn es länger als ein paar Tage anhält oder Gewicht verloren geht, gehört es in die Arztpraxis. Und in der letzten Lebensphase gilt etwas anderes: Dort nimmt der Bedarf natürlicherweise ab, und Zwang zum Essen schadet mehr, als er nützt. Sprechen Sie das offen an, wenn Sie das Gefühl haben, dass es darum gehen könnte.

Woran erkenne ich Flüssigkeitsmangel?

An wenig und dunklem Urin, trockenem Mund und trockener Zunge, Schwäche, Schwindel beim Aufstehen — und vor allem an neuer Verwirrtheit, die bei alten Menschen oft das erste Zeichen ist. Der bekannte Hautfaltentest ist bei älterer Haut unzuverlässig und taugt nicht als Selbsttest. Wenn mehrere dieser Zeichen zusammenkommen, klären Sie es am selben Tag ab; Flüssigkeitsmangel kann schnell ernst werden.

Er verschluckt sich ständig — was hilft?

Zuerst eine Untersuchung, keine Umstellung auf eigene Faust. Lassen Sie das Schlucken abklären; die Verordnung für Logopädie kommt aus der Arztpraxis. Bis dahin: aufrecht sitzen, Ruhe, kleine Bissen und Schlucke, nichts geben, wenn jemand schläfrig ist, und nach dem Essen aufrecht bleiben. Andicken, Konsistenzen und Hilfsmittel wählen die Fachleute aus — falsch gewählt machen sie das Verschlucken wahrscheinlicher, nicht seltener.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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