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10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

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Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Beim Duschen und Waschen sicher unterstützen


So bereiten Sie die Körperpflege gut vor, erhalten möglichst viel Selbstständigkeit und erkennen, wann Unterstützung sinnvoll ist.

Eine Mutter beugt sich zu ihrer Tochter im Rollstuhl hinunter, wäscht ihr mit einem Waschhandschuh das Gesicht und spricht dabei mit ihr.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Körperpflege ist der intimste Teil der Pflege — und der, bei dem am meisten schiefgehen kann, wenn man ihn wie eine Aufgabe abarbeitet. Es gibt keine richtige Reihenfolge und keine Vorschrift, wie oft geduscht werden muss. Es gibt nur den Menschen vor Ihnen, seine Gewohnheiten, seine Kräfte an diesem Tag und seine Haut.

Diese Seite beschreibt, wie Sie so unterstützen, dass beides gewahrt bleibt: die Sicherheit und die Würde. Und sie sagt an den Stellen deutlich, wo Sie sich Hilfe holen sollten, statt es allein zu versuchen.

Gemeinsam klären, was heute möglich ist

Beginnen Sie nicht mit dem Waschlappen, sondern mit einer Frage: Was möchtest du selbst machen, wobei soll ich helfen? Das klingt selbstverständlich und wird trotzdem oft übersprungen — meistens aus Zeitnot, manchmal aus Fürsorge.

Die Antwort ist nicht jeden Tag dieselbe. Nach einer schlechten Nacht geht weniger als nach einer guten. Fragen Sie jedes Mal neu, statt einmal zu klären und dann davon auszugehen.

Halten Sie sich an die Gewohnheiten, die es schon gibt: das gewohnte Duschgel, die gewohnte Wassertemperatur, die gewohnte Reihenfolge, morgens oder abends. Das sind keine Marotten. Für einen Menschen, der vieles nicht mehr selbst bestimmen kann, ist jede erhaltene Gewohnheit ein Stück Boden unter den Füßen.

Wenn jemand nicht gewaschen werden will

Ablehnung ist selten Sturheit. Häufiger steckt etwas dahinter, das sich nicht von selbst sagt:

  • Schmerz — Bewegen tut weh, und Waschen heißt Bewegen.
  • Kälte — nass und ausgezogen frieren ältere Menschen schnell und lange.
  • Scham — besonders, wenn das eigene Kind hilft oder das Geschlecht ein anderes ist.
  • Erschöpfung — Duschen ist körperliche Arbeit, auch für den, der gewaschen wird.
  • Demenz — die Situation wird nicht mehr eingeordnet; fremde Hände am Körper wirken bedrohlich.

Druck macht es in jedem dieser Fälle schlimmer — und beim nächsten Mal noch schlimmer, weil die Erinnerung bleibt. Verschieben Sie, teilen Sie auf, waschen Sie heute nur das Nötigste. Eine Katzenwäsche am Waschbecken ist besser als eine Dusche, die als Kampf endet.

Wenn die Abwehr bleibt, ist das kein Versagen, sondern ein Grund, jemanden dazuzuholen. Bei einer fremden Pflegekraft lassen manche Menschen zu, was sie bei den eigenen Kindern nicht zulassen — das ist verbreitet und nichts, wofür sich jemand schämen müsste.

Die Körperpflege sicher vorbereiten

Der größte Teil der Sicherheit entsteht, bevor Wasser läuft.

  • Raum warm machen. Deutlich wärmer, als Sie es für sich selbst bräuchten.
  • Alles griffbereit legen — aber den Raum nicht vollstellen. Jeder Gegenstand am Boden ist eine Stolperstelle.
  • Boden trocken halten, während und nach der Pflege. Ein Handtuch auf einer Wasserpfütze rutscht mit.
  • Wassertemperatur gemeinsam prüfen, am Unterarm oder Handrücken, nicht an der Hand.
  • Türen zu, Vorhang zu. Auch wenn niemand sonst in der Wohnung ist.
  • Nur abschnittsweise entkleiden und den Rest mit einem Handtuch bedeckt lassen. Das hält warm und wahrt die Intimsphäre — beides zugleich.

Bei Gefühlsstörungen an Händen oder Füßen — etwa bei Diabetes oder nach einem Schlaganfall — ist die Wassertemperatur besonders heikel: Wer zu heißes Wasser nicht spürt, meldet sich nicht. Prüfen Sie in diesem Fall immer selbst.

Hilfsmittel: erst prüfen lassen, dann anschaffen

Duschhocker, Duschstuhl, Haltegriff, rutschhemmende Auflage, Badewannenlifter — das sind gute Dinge, aber nicht pauschal. Was passt, hängt vom Menschen und vom Bad ab, und ein Griff an der falschen Stelle ist gefährlicher als keiner, weil man sich darauf verlässt.

Lassen Sie sich das ansehen, bevor Sie kaufen: von einer Pflegefachkraft, im Beratungsbesuch, in der Wohnberatung. Es kostet Sie nichts außer einem Termin, und Sie wissen danach, ob das Bad überhaupt der richtige Ort ist oder ob eine Wäsche am Waschbecken für eine Weile sicherer wäre.

Beim Waschen unterstützen

Das Folgende ist eine Orientierung, keine Vorschrift. Wenn jemand es seit sechzig Jahren anders macht, macht er es anders.

  1. Sagen, was kommt. Nicht wortlos anfassen — auch und gerade bei Demenz. Hände waschen, bevor Sie beginnen.
  2. Nur den Bereich freimachen, der gerade dran ist. Der Rest bleibt bedeckt.
  3. Anreichen statt abnehmen. Den Waschlappen in die Hand geben, die Zahnbürste hinhalten. Vieles geht noch, wenn es erreichbar ist.
  4. Sanft reinigen. Wenig Produkt, nicht schrubben. Ältere Haut ist dünner und trockener; was zu gründlich gemeint ist, reizt.
  5. Gründlich abtrocknen — tupfen, nicht reiben. Besonders zwischen den Zehen, unter der Brust, in Leisten- und Bauchfalten. Feuchte Hautfalten sind der Anfang vieler Probleme.
  6. Gemeinsam ankleiden und danach kurz nachfragen, wie es geht. Nicht nur, ob alles sauber ist.

Zur Intimpflege gehört mehr, als hier hineinpasst — sie bekommt einen eigenen Pflegetipp. Bis dahin gilt die einfachste Regel: immer von vorn nach hinten, und wenn es geht, macht die Person es selbst.

Beim Duschen unterstützen

Duschen ist angenehmer als eine Wäsche am Becken — und riskanter. Die kritischen Momente sind nicht das Waschen, sondern der Einstieg und der Ausstieg.

  • Sitzen lassen, wenn Stehen unsicher oder anstrengend ist. Ein Duschhocker nimmt der ganzen Sache die Spannung.
  • Den Strahl ankündigen und erst auf die Füße oder Beine richten, nicht auf Kopf oder Brust.
  • Shampoo und Duschgel vollständig abspülen. Reste jucken, und Kratzen verletzt dünne Haut.
  • Wer sturzgefährdet ist, bleibt nicht allein im Bad. Auch nicht kurz, auch nicht mit der Bitte zu rufen.
  • Bei Schwindel, Blässe oder Übelkeit sofort unterbrechen: Wasser aus, hinsetzen, zudecken, dableiben. Erst wenn es wieder geht, weitermachen — oder eben nicht.

Wie man jemanden sicher aus dem Bett in den Rollstuhl und in die Dusche bringt, lässt sich nicht aus einem Text lernen. Das ist keine Vorsicht der Redaktion, sondern Erfahrung: Beim Umsetzen verletzen sich beide — der, der gehoben wird, und der, der hebt. Wenn der Stand unsicher ist, eine Seite gelähmt oder das Gewicht hoch, lassen Sie sich die Handgriffe einmal zeigen. Ein Pflegedienst macht das, eine Schulung in Ihrer eigenen Wohnung ebenfalls.

Haut und Allgemeinzustand beobachten

Bei der Körperpflege sehen Sie den ganzen Menschen — sonst nie. Nutzen Sie das. Achten Sie auf:

  • neue Rötungen, besonders über Knochen: Steißbein, Fersen, Hüften, Ellenbogen
  • offene oder nässende Stellen, auch kleine
  • Schwellungen, vor allem einseitige an Bein oder Fuß
  • Juckreiz, Schuppung, gerötete Hautfalten
  • auffällige Blässe, Kaltschweißigkeit, Verwirrtheit
  • Schmerz bei Bewegungen, die vorher nicht wehgetan haben

Stellen Sie keine Diagnose und behandeln Sie nichts auf eigene Faust. Notieren Sie, was Sie gesehen haben, mit Datum — im Zweifel mit einem Foto. Und geben Sie es weiter: an den Pflegedienst, an die Hausarztpraxis. Eine Rötung, die nach dem Aufstehen nicht innerhalb einer halben Stunde verschwindet, gehört noch am selben Tag besprochen.

Wann Sie sich Unterstützung holen sollten

Nicht erst, wenn nichts mehr geht. Sondern bei einem dieser Punkte:

  • Der Stand ist unsicher, oder Sie trauen sich das Umsetzen nicht zu.
  • Es treten Schmerzen, Luftnot oder Kreislaufprobleme auf.
  • Die Haut ist offen oder auffällig verändert.
  • Es kommt regelmäßig zu Abwehr, und die Situation belastet beide.
  • Sie kommen körperlich an Ihre Grenze — Rücken, Kraft, Ausdauer.
  • Sie hätten einfach gern, dass es Ihnen jemand einmal zeigt.

Der letzte Punkt ist der wichtigste und wird am seltensten genannt. Sich anleiten zu lassen ist kein Eingeständnis, sondern die einzige Möglichkeit, es richtig zu lernen. Niemand erwartet von einer Tochter, dass sie kann, wofür andere drei Jahre Ausbildung machen.

Körperbezogene Pflegemaßnahmen — dazu gehört die Körperpflege — können zum Leistungsangebot ambulanter Pflegedienste gehören. Ob und in welcher Höhe die Pflegekasse das übernimmt, hängt vom Pflegegrad, von der gewählten Leistungsart und von der Vereinbarung mit dem Dienst ab. Eine pauschale Auskunft dazu gibt es nicht; das gehört in ein Beratungsgespräch, in dem Ihre konkrete Situation auf dem Tisch liegt.

So holen Sie Unterstützung

  • Ambulanter Pflegedienst — für die Übernahme, für Teilübernahme („nur zweimal die Woche das Duschen“) oder für einmalige Anleitung.
  • Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — unabhängig, kostenfrei, klärt auch die Kostenfrage. Was dort passiert.
  • Schulung in der eigenen Wohnung nach § 45 SGB XI — jemand kommt zu Ihnen und zeigt die Handgriffe an Ihrem Bad, nicht an einem Modell. Wie Sie das anfordern.
  • Hausarztpraxis — bei allem, was die Haut oder den Allgemeinzustand betrifft.
  • Wohnberatung — wenn das Bad umgebaut oder mit Griffen ausgestattet werden soll.

Unterstützung bei der Körperpflege finden

Häufige Fragen

Wie oft muss ein pflegebedürftiger Mensch geduscht werden?

Es gibt keine Vorschrift. Täglich duschen trocknet ältere Haut eher aus, als dass es ihr guttut. Für viele Menschen reicht ein- bis zweimal pro Woche duschen oder baden, dazwischen eine Wäsche am Waschbecken und die tägliche Pflege von Gesicht, Achseln, Intimbereich und Füßen. Entscheidend sind Hautzustand, Gewohnheit und Wohlbefinden — nicht ein Rhythmus.

Kann jemand mit Pflegegrad überhaupt noch duschen?

In den allermeisten Fällen ja — mit der passenden Vorbereitung. Ein Pflegegrad sagt etwas über den Hilfebedarf aus, nicht darüber, was verboten wäre. Wenn Stehen unsicher ist, hilft ein Duschhocker; wenn der Einstieg das Problem ist, gibt es Lösungen dafür. Lassen Sie sich Ihr Bad ansehen, bevor Sie das Duschen aufgeben.

Was mache ich, wenn sich jemand weigert?

Nicht erzwingen. Suchen Sie nach dem Grund — Schmerz, Kälte, Scham, Erschöpfung, oder bei Demenz die Angst vor einer Situation, die nicht mehr eingeordnet werden kann. Verschieben Sie, teilen Sie die Pflege auf mehrere kleine Schritte auf, oder waschen Sie heute nur das Nötigste. Wenn die Abwehr bleibt: Bei einer fremden Pflegekraft lassen viele Menschen zu, was sie bei den eigenen Angehörigen nicht zulassen.

Welche Hilfsmittel brauche ich fürs Bad?

Das lässt sich nicht allgemein sagen, und pauschale Empfehlungen sind hier gefährlich: Ein Haltegriff an der falschen Stelle verleitet dazu, sich darauf zu verlassen. Duschhocker, Haltegriffe, rutschhemmende Auflagen und Badewannenlifter gibt es — welche davon zu Ihrem Bad und zu dem Menschen passen, sollte jemand vor Ort ansehen. Fragen Sie im Beratungsbesuch, beim Pflegedienst oder in der Wohnberatung danach.

Zahlt die Pflegekasse, wenn ein Pflegedienst das Duschen übernimmt?

Körperbezogene Pflegemaßnahmen können zum Leistungsangebot ambulanter Pflegedienste gehören. Ob und in welchem Umfang die Pflegekasse das trägt, hängt vom Pflegegrad, von der gewählten Leistungsart und von der Vereinbarung mit dem Dienst ab. Eine allgemeine Zusage gibt es nicht — das gehört in ein Beratungsgespräch, in dem Ihre Zahlen und Ihre Situation auf dem Tisch liegen.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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