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Druckstellen und Wundliegen vorbeugen


So beobachten Sie gefährdete Haut, fördern Bewegung und entwickeln mit Fachpersonen eine passende Druckentlastung.

Zwei Hände in Einmalhandschuhen legen einen Verband um die Ferse einer im Bett liegenden Person.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Dekubitus ist das Fachwort; im Alltag heißt es Wundliegen oder Druckgeschwür. Gemeint ist eine Schädigung von Haut und tieferem Gewebe, die entsteht, wenn dieselbe Stelle zu lange gedrückt wird.

Es beginnt fast immer harmlos: eine Rötung, die man für einen Abdruck vom Laken hält. Es kann aber sehr schnell gehen — bei einem geschwächten Menschen manchmal in wenigen Stunden. Und es heilt langsam, oft über Monate.

Ein Satz vorweg, der wichtiger ist als alles andere auf dieser Seite: Ein Dekubitus entsteht auch bei sorgfältiger Pflege. Bei sehr kranken, sehr unbeweglichen oder sterbenden Menschen lässt er sich manchmal nicht verhindern, so gut man es auch macht. Wenn Sie einen entdecken, ist das kein Beweis dafür, dass Sie etwas falsch gemacht haben — es ist ein Grund anzurufen. Aus Scham zu schweigen ist das Einzige, was die Sache wirklich schlimm macht.

Wie es entsteht

Zwei Kräfte wirken zusammen:

  • Druck. Wo Knochen dicht unter der Haut liegt, wird das Gewebe zwischen Knochen und Unterlage zusammengepresst. Blut kommt nicht mehr durch, das Gewebe bekommt keinen Sauerstoff.
  • Scherkräfte. Wenn jemand im Bett nach unten rutscht, bleibt die Haut am Laken kleben, während das Gewebe darunter mitwandert. Das zerrt an den kleinen Gefäßen — oft schädlicher als reiner Druck.

Begünstigt wird beides durch Feuchtigkeit (Schweiß, Urin), durch Mangelernährung und Gewichtsverlust, durch Durchblutungsstörungen — und dadurch, dass jemand den Druck nicht mehr spürt oder nicht mehr auf ihn reagieren kann. Der gesunde Mensch verlagert nachts hundertmal sein Gewicht, ohne es zu merken. Genau das fällt weg.

Wer besonders gefährdet ist

  • Menschen, die sich kaum noch selbst bewegen — das ist der mit Abstand wichtigste Punkt
  • Bettlägerigkeit, aber auch langes Sitzen im Sessel oder Rollstuhl
  • Lähmungen und fehlendes Gefühl in einem Körperteil
  • schwere Erkrankung, Fieber, starke Schwäche
  • Medikamente, die stark müde oder ruhig machen
  • ein früherer Dekubitus — die Stelle bleibt dauerhaft anfällig
  • starker Gewichtsverlust

Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, schätzt eine Pflegefachkraft ein — dafür gibt es fachliche Verfahren. Fragen Sie danach, wenn jemand zunehmend liegt oder sitzt; es ist Teil jeder guten Pflegeplanung und kostet nichts extra.

Welche Stellen Sie ansehen sollten

Überall dort, wo Knochen dicht unter der Haut liegt. Was gefährdet ist, hängt von der Position ab:

  • Auf dem Rücken liegend: Kreuzbein und Steißregion, Fersen, Hinterkopf, Schulterblätter, Ellenbogen.
  • Auf der Seite liegend: Hüftknochen, äußerer Knöchel, Ohr, Schulter, die Innenseiten der Knie, wo sie aufeinanderliegen.
  • Im Sitzen: Sitzbeinhöcker, Steißbein, Fersen — Sitzen erzeugt auf kleiner Fläche sehr hohen Druck.

Kreuzbein und Fersen sind die beiden häufigsten Stellen. Die Ferse wird dabei am leichtesten übersehen — sie steckt unter der Decke, und es tut lange nicht weh.

Und ein Punkt, an den fast niemand denkt: Auch Geräte und Zubehör machen Druck. Der Sauerstoffschlauch hinter dem Ohr, das Katheterrohr unter dem Bein, ein Gipsrand, eine Falte im Laken, der Verschluss der Inkontinenzhose. Sehen Sie dort ebenfalls nach.

Druck wirksam entlasten

Das Wirksamste ist immer die eigene Bewegung. Alles andere kommt danach.

  • Zur Eigenbewegung anregen — auffordern, sich mal anders hinzusetzen, das Gewicht zu verlagern, sich mit den Armen kurz hochzudrücken. Selbst wenige Zentimeter helfen.
  • Position gemeinsam ändern statt jemanden umzulegen. Und danach fragen, ob es bequem ist — was drückt, wird nicht durchgehalten.
  • Die gefährdete Stelle völlig frei lagern. Nicht weniger belasten, sondern gar nicht. Bei Fersen heißt das: so betten, dass sie die Unterlage nicht berühren.
  • Herunterrutschen vermeiden. Ein zu stark aufgestelltes Kopfteil lässt den Körper langsam nach unten wandern — das erzeugt genau die Scherkräfte, die am meisten schaden.
  • Falten glattziehen. Laken, Nachthemd, Inkontinenzmaterial. Eine Falte unter dem Kreuzbein wirkt wie eine Kante.

Wie oft die Position wechseln muss, steht hier bewusst nicht. Sie werden überall „alle zwei Stunden“ lesen — diese Regel gilt fachlich als überholt. Der richtige Abstand hängt vom Risiko ab, vom Hautbild, von der Unterlage, davon wie viel jemand selbst bewegt, und davon was er überhaupt aushält. Bei einem Menschen können vier Stunden reichen, bei einem anderen sind zwei zu lang. Das gehört eingeschätzt, nicht geraten — und daraus wird dann ein Plan, der zu diesem einen Menschen passt.

Haut schützen und aufs Essen achten

  • Sauber und trocken halten. Feuchte Haut hält Druck schlechter aus. Bei Inkontinenz zeitnah wechseln — mehr dazu auf Inkontinenz würdevoll versorgen.
  • Sanft waschen, gründlich trocknen, besonders in den Falten. Nicht reiben.
  • Nicht massieren. Weder gerötete Stellen noch gefährdete Stellen „zur Durchblutung“. Das war früher üblich und gilt heute als schädlich: Das Gewebe ist bereits geschädigt, Reiben verstärkt es.
  • Keine Franzbranntwein-Einreibungen und keine austrocknenden Mittel auf gefährdete Haut.

Und das Essen. Wer zu wenig isst und trinkt, und besonders wer ungewollt Gewicht verliert, ist deutlich gefährdeter — dem Körper fehlt das Material zum Reparieren. Ein ungewollter Gewichtsverlust gehört deshalb angesprochen, in der Hausarztpraxis oder beim Pflegedienst. Nahrungsergänzungsmittel auf eigene Faust sind nicht die Antwort; was gebraucht wird, hängt vom Einzelfall ab und wird fachlich festgelegt.

Matratzen und Sitzkissen

Es gibt Matratzen, Auflagen und Sitzkissen, die den Druck besser verteilen — von einfachen Schaumstoffvarianten bis zu Systemen mit Luftkammern, die sich wechselnd füllen.

Zwei Dinge dazu:

  • Sie ersetzen weder Bewegung noch Beobachtung. Eine gute Matratze verlängert die Zeit bis zum nächsten Positionswechsel — sie hebt ihn nicht auf. Genau dieser Irrtum kostet die meisten Dekubitus.
  • Auswahl und Einstellung gehören in Fachhände. Ein Wechseldrucksystem, das auf das falsche Gewicht eingestellt ist, wirkt nicht. Zur Lieferung gehört eine Einweisung — nehmen Sie sie an.

Von Ringkissen — den Sitzringen mit Loch in der Mitte — wird heute abgeraten. Sie nehmen den Druck an einer Stelle weg und erzeugen ihn ringsherum umso stärker. Dasselbe gilt für improvisierte Lösungen wie gefüllte Handschuhe oder ein hartes Kissen unter die Ferse.

Warnzeichen

Heute anrufen — beim Pflegedienst oder in der Hausarztpraxis — bei:

  • einer Rötung, die auf Druck nicht weiß wird
  • einer Stelle, die sich wärmer, kälter oder härter anfühlt als die Umgebung
  • violetter oder bläulicher Verfärbung
  • Schmerz oder Brennen an einer Auflagestelle
  • einer Blase
  • jeder offenen Stelle, auch einer kleinen

Behandeln Sie eine offene Stelle nicht selbst. Keine Salbe, kein Puder, kein Pflaster aus der Schublade, keine Hausmittel. Wundversorgung ist eine ärztlich verordnete Leistung — sie wird von Fachleuten gemacht, und die Kosten dafür laufen in der Regel über die Krankenkasse.

Sofort ärztlich abklären lassen bei Fieber, zunehmenden Schmerzen, üblem Geruch oder wenn sich die Umgebung der Wunde rötet und erwärmt — das können Zeichen einer Infektion sein.

Was Sie notieren sollten

Ein paar Zeilen auf Papier reichen und sind für die Fachleute mehr wert, als man denkt:

  • Datum und Uhrzeit der Beobachtung
  • Wo genau — Ferse links, Kreuzbein, Hüfte rechts
  • Wie es aussieht — Rötung, wegdrückbar oder nicht, Größe ungefähr, Blase, offen
  • Ob es wehtut und ob die Person etwas dazu sagt
  • Welche Positionen tagsüber eingenommen wurden

Ein Foto mit dem Telefon hilft zusätzlich, weil sich Veränderungen sonst schwer vergleichen lassen. Führen Sie diese Notizen im eigenen Heft — es sind Gesundheitsangaben und gehören Ihnen, nicht einer Internetseite.

Professionelle Unterstützung

  • Pflegefachkraft oder Pflegedienst — schätzt das Risiko ein, sieht die Haut regelmäßig an, leitet die Positionierung an, kümmert sich um Hilfsmittel und dokumentiert.
  • Hausarztpraxis — für die Verordnung von Wundversorgung und Hilfsmitteln.
  • Spezialisierte Wundversorgung — es gibt Pflegefachkräfte mit eigener Wundqualifikation; fragen Sie danach, wenn eine Wunde nicht heilt.
  • Sanitätshaus — für Auswahl, Lieferung und Einweisung bei Matratzen und Kissen.
  • Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — unabhängig, kostenfrei. Was dort passiert.

Und noch einmal ausdrücklich: Die Vorbeugung eines Dekubitus ist nicht Ihre alleinige Verantwortung. Sobald jemand überwiegend liegt oder sitzt, gehört fachliche Einschätzung dazu — regelmäßig, nicht einmalig.

Dekubitusrisiko fachlich einschätzen lassen

Häufige Fragen

Wie oft muss umgelagert werden?

Darauf gibt es keine allgemeine Antwort, und die überall zu lesende Regel „alle zwei Stunden“ gilt fachlich als überholt. Der richtige Abstand hängt vom Risiko ab, vom Hautbild, von der Unterlage, von der Eigenbewegung und davon, was jemand aushält — bei einem Menschen reichen vier Stunden, bei einem anderen sind zwei zu lang. Lassen Sie das einschätzen und daraus einen Plan machen, der zu diesem Menschen passt. Wichtiger als der Takt ist, dass die gefährdete Stelle wirklich frei liegt.

Was bedeutet „wegdrückbare Rötung“?

Drücken Sie sanft mit dem Finger auf die gerötete Stelle. Wird sie kurz weiß und rötet sich danach wieder, ist die Durchblutung erhalten — entlasten und weiter beobachten. Bleibt sie unter dem Finger rot, spricht man von einer nicht wegdrückbaren Rötung; das ist bereits der erste Grad eines Dekubitus. Dann muss die Stelle vollständig druckfrei bleiben, und es sollte noch am selben Tag jemand hinzugezogen werden. Bei dunkler Haut ist der Test schwer zu lesen — achten Sie dort auf Wärme, Verhärtung und bläuliche Verfärbung.

Welche Matratze ist die richtige?

Das hängt vom Risiko, vom Gewicht, von der Eigenbewegung und vom Hautbild ab — deshalb steht hier keine Empfehlung. Es gibt einfache druckverteilende Auflagen und Systeme mit wechselnd gefüllten Luftkammern; welches passt, entscheiden Pflegefachkraft, Hausarztpraxis und Sanitätshaus gemeinsam. Wichtig ist die Einstellung: Ein Wechseldrucksystem auf dem falschen Gewicht wirkt nicht. Zur Lieferung gehört eine Einweisung. Und keine Matratze macht Bewegung und Hautbeobachtung überflüssig.

Darf man gerötete Stellen massieren?

Nein. Das war früher üblich und gilt heute als schädlich: Das Gewebe unter einer geröteten Stelle ist bereits geschädigt, und Reiben verstärkt den Schaden. Dasselbe gilt für Einreibungen mit austrocknenden Mitteln wie Franzbranntwein. Was hilft, ist Entlastung — die Stelle vollständig frei legen — und eine sanfte, gründlich getrocknete Haut.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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