Druckstellen und Wundliegen vorbeugen
So beobachten Sie gefährdete Haut, fördern Bewegung und entwickeln mit Fachpersonen eine passende Druckentlastung.

Transparenz
Wie dieser Beitrag entstanden ist
Geschrieben und fachlich verantwortet unter der Leitung von Susanne Brinkmann, examinierte Pflegefachkraft, in Zusammenarbeit mit Hendrik Dohmeyer, Pflegeberater nach § 7a SGB XI.
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- KI entscheidet nichts. Jede Zahl, jede Frist und jede rechtliche Aussage prüfe ich selbst, bevor sie hier steht.
Dekubitus ist das Fachwort; im Alltag heißt es Wundliegen oder Druckgeschwür. Gemeint ist eine Schädigung von Haut und tieferem Gewebe, die entsteht, wenn dieselbe Stelle zu lange gedrückt wird.
Es beginnt fast immer harmlos: eine Rötung, die man für einen Abdruck vom Laken hält. Es kann aber sehr schnell gehen — bei einem geschwächten Menschen manchmal in wenigen Stunden. Und es heilt langsam, oft über Monate.
Ein Satz vorweg, der wichtiger ist als alles andere auf dieser Seite: Ein Dekubitus entsteht auch bei sorgfältiger Pflege. Bei sehr kranken, sehr unbeweglichen oder sterbenden Menschen lässt er sich manchmal nicht verhindern, so gut man es auch macht. Wenn Sie einen entdecken, ist das kein Beweis dafür, dass Sie etwas falsch gemacht haben — es ist ein Grund anzurufen. Aus Scham zu schweigen ist das Einzige, was die Sache wirklich schlimm macht.
Wie es entsteht
Zwei Kräfte wirken zusammen:
- Druck. Wo Knochen dicht unter der Haut liegt, wird das Gewebe zwischen Knochen und Unterlage zusammengepresst. Blut kommt nicht mehr durch, das Gewebe bekommt keinen Sauerstoff.
- Scherkräfte. Wenn jemand im Bett nach unten rutscht, bleibt die Haut am Laken kleben, während das Gewebe darunter mitwandert. Das zerrt an den kleinen Gefäßen — oft schädlicher als reiner Druck.
Begünstigt wird beides durch Feuchtigkeit (Schweiß, Urin), durch Mangelernährung und Gewichtsverlust, durch Durchblutungsstörungen — und dadurch, dass jemand den Druck nicht mehr spürt oder nicht mehr auf ihn reagieren kann. Der gesunde Mensch verlagert nachts hundertmal sein Gewicht, ohne es zu merken. Genau das fällt weg.
Wer besonders gefährdet ist
- Menschen, die sich kaum noch selbst bewegen — das ist der mit Abstand wichtigste Punkt
- Bettlägerigkeit, aber auch langes Sitzen im Sessel oder Rollstuhl
- Lähmungen und fehlendes Gefühl in einem Körperteil
- schwere Erkrankung, Fieber, starke Schwäche
- Medikamente, die stark müde oder ruhig machen
- ein früherer Dekubitus — die Stelle bleibt dauerhaft anfällig
- starker Gewichtsverlust
Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, schätzt eine Pflegefachkraft ein — dafür gibt es fachliche Verfahren. Fragen Sie danach, wenn jemand zunehmend liegt oder sitzt; es ist Teil jeder guten Pflegeplanung und kostet nichts extra.
Welche Stellen Sie ansehen sollten
Überall dort, wo Knochen dicht unter der Haut liegt. Was gefährdet ist, hängt von der Position ab:
- Auf dem Rücken liegend: Kreuzbein und Steißregion, Fersen, Hinterkopf, Schulterblätter, Ellenbogen.
- Auf der Seite liegend: Hüftknochen, äußerer Knöchel, Ohr, Schulter, die Innenseiten der Knie, wo sie aufeinanderliegen.
- Im Sitzen: Sitzbeinhöcker, Steißbein, Fersen — Sitzen erzeugt auf kleiner Fläche sehr hohen Druck.
Kreuzbein und Fersen sind die beiden häufigsten Stellen. Die Ferse wird dabei am leichtesten übersehen — sie steckt unter der Decke, und es tut lange nicht weh.
Und ein Punkt, an den fast niemand denkt: Auch Geräte und Zubehör machen Druck. Der Sauerstoffschlauch hinter dem Ohr, das Katheterrohr unter dem Bein, ein Gipsrand, eine Falte im Laken, der Verschluss der Inkontinenzhose. Sehen Sie dort ebenfalls nach.

Der Fingertest — der einzige Test, den Sie brauchen
Sie sehen eine gerötete Stelle. Drücken Sie mit dem Finger sanft darauf und nehmen Sie ihn wieder weg.
Wird die Stelle unter dem Finger kurz weiß und rötet sich dann wieder? Dann ist die Durchblutung noch da. Entlasten, weiter beobachten.
Bleibt sie rot, obwohl Sie drücken? Das ist eine nicht wegdrückbare Rötung — der erste Grad eines Dekubitus. Die Stelle muss ab sofort völlig druckfrei bleiben, und es gehört heute jemand angerufen: Pflegedienst oder Hausarztpraxis.
Bei dunkler Haut ist der Test schwerer zu lesen. Achten Sie dann stärker auf Wärme, Verhärtung, eine violette oder bläuliche Verfärbung und darauf, ob die Stelle sich anders anfühlt als die Umgebung.
Hendrik Dohmeyer Pflegeberater nach § 7a SGB XI
Druck wirksam entlasten
Das Wirksamste ist immer die eigene Bewegung. Alles andere kommt danach.
- Zur Eigenbewegung anregen — auffordern, sich mal anders hinzusetzen, das Gewicht zu verlagern, sich mit den Armen kurz hochzudrücken. Selbst wenige Zentimeter helfen.
- Position gemeinsam ändern statt jemanden umzulegen. Und danach fragen, ob es bequem ist — was drückt, wird nicht durchgehalten.
- Die gefährdete Stelle völlig frei lagern. Nicht weniger belasten, sondern gar nicht. Bei Fersen heißt das: so betten, dass sie die Unterlage nicht berühren.
- Herunterrutschen vermeiden. Ein zu stark aufgestelltes Kopfteil lässt den Körper langsam nach unten wandern — das erzeugt genau die Scherkräfte, die am meisten schaden.
- Falten glattziehen. Laken, Nachthemd, Inkontinenzmaterial. Eine Falte unter dem Kreuzbein wirkt wie eine Kante.
Wie oft die Position wechseln muss, steht hier bewusst nicht. Sie werden überall „alle zwei Stunden“ lesen — diese Regel gilt fachlich als überholt. Der richtige Abstand hängt vom Risiko ab, vom Hautbild, von der Unterlage, davon wie viel jemand selbst bewegt, und davon was er überhaupt aushält. Bei einem Menschen können vier Stunden reichen, bei einem anderen sind zwei zu lang. Das gehört eingeschätzt, nicht geraten — und daraus wird dann ein Plan, der zu diesem einen Menschen passt.
Haut schützen und aufs Essen achten
- Sauber und trocken halten. Feuchte Haut hält Druck schlechter aus. Bei Inkontinenz zeitnah wechseln — mehr dazu auf Inkontinenz würdevoll versorgen.
- Sanft waschen, gründlich trocknen, besonders in den Falten. Nicht reiben.
- Nicht massieren. Weder gerötete Stellen noch gefährdete Stellen „zur Durchblutung“. Das war früher üblich und gilt heute als schädlich: Das Gewebe ist bereits geschädigt, Reiben verstärkt es.
- Keine Franzbranntwein-Einreibungen und keine austrocknenden Mittel auf gefährdete Haut.
Und das Essen. Wer zu wenig isst und trinkt, und besonders wer ungewollt Gewicht verliert, ist deutlich gefährdeter — dem Körper fehlt das Material zum Reparieren. Ein ungewollter Gewichtsverlust gehört deshalb angesprochen, in der Hausarztpraxis oder beim Pflegedienst. Nahrungsergänzungsmittel auf eigene Faust sind nicht die Antwort; was gebraucht wird, hängt vom Einzelfall ab und wird fachlich festgelegt.
Matratzen und Sitzkissen
Es gibt Matratzen, Auflagen und Sitzkissen, die den Druck besser verteilen — von einfachen Schaumstoffvarianten bis zu Systemen mit Luftkammern, die sich wechselnd füllen.
Zwei Dinge dazu:
- Sie ersetzen weder Bewegung noch Beobachtung. Eine gute Matratze verlängert die Zeit bis zum nächsten Positionswechsel — sie hebt ihn nicht auf. Genau dieser Irrtum kostet die meisten Dekubitus.
- Auswahl und Einstellung gehören in Fachhände. Ein Wechseldrucksystem, das auf das falsche Gewicht eingestellt ist, wirkt nicht. Zur Lieferung gehört eine Einweisung — nehmen Sie sie an.
Von Ringkissen — den Sitzringen mit Loch in der Mitte — wird heute abgeraten. Sie nehmen den Druck an einer Stelle weg und erzeugen ihn ringsherum umso stärker. Dasselbe gilt für improvisierte Lösungen wie gefüllte Handschuhe oder ein hartes Kissen unter die Ferse.
Warnzeichen
Heute anrufen — beim Pflegedienst oder in der Hausarztpraxis — bei:
- einer Rötung, die auf Druck nicht weiß wird
- einer Stelle, die sich wärmer, kälter oder härter anfühlt als die Umgebung
- violetter oder bläulicher Verfärbung
- Schmerz oder Brennen an einer Auflagestelle
- einer Blase
- jeder offenen Stelle, auch einer kleinen
Behandeln Sie eine offene Stelle nicht selbst. Keine Salbe, kein Puder, kein Pflaster aus der Schublade, keine Hausmittel. Wundversorgung ist eine ärztlich verordnete Leistung — sie wird von Fachleuten gemacht, und die Kosten dafür laufen in der Regel über die Krankenkasse.
Sofort ärztlich abklären lassen bei Fieber, zunehmenden Schmerzen, üblem Geruch oder wenn sich die Umgebung der Wunde rötet und erwärmt — das können Zeichen einer Infektion sein.
Was Sie notieren sollten
Ein paar Zeilen auf Papier reichen und sind für die Fachleute mehr wert, als man denkt:
- Datum und Uhrzeit der Beobachtung
- Wo genau — Ferse links, Kreuzbein, Hüfte rechts
- Wie es aussieht — Rötung, wegdrückbar oder nicht, Größe ungefähr, Blase, offen
- Ob es wehtut und ob die Person etwas dazu sagt
- Welche Positionen tagsüber eingenommen wurden
Ein Foto mit dem Telefon hilft zusätzlich, weil sich Veränderungen sonst schwer vergleichen lassen. Führen Sie diese Notizen im eigenen Heft — es sind Gesundheitsangaben und gehören Ihnen, nicht einer Internetseite.
Professionelle Unterstützung
- Pflegefachkraft oder Pflegedienst — schätzt das Risiko ein, sieht die Haut regelmäßig an, leitet die Positionierung an, kümmert sich um Hilfsmittel und dokumentiert.
- Hausarztpraxis — für die Verordnung von Wundversorgung und Hilfsmitteln.
- Spezialisierte Wundversorgung — es gibt Pflegefachkräfte mit eigener Wundqualifikation; fragen Sie danach, wenn eine Wunde nicht heilt.
- Sanitätshaus — für Auswahl, Lieferung und Einweisung bei Matratzen und Kissen.
- Pflegeberatung nach § 7a SGB XI — unabhängig, kostenfrei. Was dort passiert.
Und noch einmal ausdrücklich: Die Vorbeugung eines Dekubitus ist nicht Ihre alleinige Verantwortung. Sobald jemand überwiegend liegt oder sitzt, gehört fachliche Einschätzung dazu — regelmäßig, nicht einmalig.
Was in den Beratungsgesprächen immer wieder vorkommt
- Massieren. Der häufigste gut gemeinte Fehler — es war früher Standard und schadet nachweislich.
- Die Fersen vergessen. Sie liegen unter der Decke, tun lange nicht weh und sind die zweithäufigste Stelle.
- Der Matratze vertrauen. „Wir haben doch die gute Matratze“ — sie verlängert die Zeit, sie ersetzt nichts.
- Das Kopfteil dauerhaft hoch stellen. Bequem beim Fernsehen, aber der Körper rutscht langsam nach unten und schert das Gewebe.
- Aus Scham nicht anrufen. Der einzige wirklich gefährliche Fehler auf dieser Liste.
- Eine kleine offene Stelle selbst versorgen. Mit dem Pflaster aus der Schublade fängt der lange Verlauf an.
Häufige Fragen
Wie oft muss umgelagert werden?
Darauf gibt es keine allgemeine Antwort, und die überall zu lesende Regel „alle zwei Stunden“ gilt fachlich als überholt. Der richtige Abstand hängt vom Risiko ab, vom Hautbild, von der Unterlage, von der Eigenbewegung und davon, was jemand aushält — bei einem Menschen reichen vier Stunden, bei einem anderen sind zwei zu lang. Lassen Sie das einschätzen und daraus einen Plan machen, der zu diesem Menschen passt. Wichtiger als der Takt ist, dass die gefährdete Stelle wirklich frei liegt.
Was bedeutet „wegdrückbare Rötung“?
Drücken Sie sanft mit dem Finger auf die gerötete Stelle. Wird sie kurz weiß und rötet sich danach wieder, ist die Durchblutung erhalten — entlasten und weiter beobachten. Bleibt sie unter dem Finger rot, spricht man von einer nicht wegdrückbaren Rötung; das ist bereits der erste Grad eines Dekubitus. Dann muss die Stelle vollständig druckfrei bleiben, und es sollte noch am selben Tag jemand hinzugezogen werden. Bei dunkler Haut ist der Test schwer zu lesen — achten Sie dort auf Wärme, Verhärtung und bläuliche Verfärbung.
Welche Matratze ist die richtige?
Das hängt vom Risiko, vom Gewicht, von der Eigenbewegung und vom Hautbild ab — deshalb steht hier keine Empfehlung. Es gibt einfache druckverteilende Auflagen und Systeme mit wechselnd gefüllten Luftkammern; welches passt, entscheiden Pflegefachkraft, Hausarztpraxis und Sanitätshaus gemeinsam. Wichtig ist die Einstellung: Ein Wechseldrucksystem auf dem falschen Gewicht wirkt nicht. Zur Lieferung gehört eine Einweisung. Und keine Matratze macht Bewegung und Hautbeobachtung überflüssig.
Darf man gerötete Stellen massieren?
Nein. Das war früher üblich und gilt heute als schädlich: Das Gewebe unter einer geröteten Stelle ist bereits geschädigt, und Reiben verstärkt den Schaden. Dasselbe gilt für Einreibungen mit austrocknenden Mitteln wie Franzbranntwein. Was hilft, ist Entlastung — die Stelle vollständig frei legen — und eine sanfte, gründlich getrocknete Haut.
Wer für diesen Text geradesteht
Dieser Pflegetipp entstand unter der fachlich-redaktionellen Leitung von Susanne Brinkmann in Zusammenarbeit mit Hendrik Dohmeyer.

Fachlich-redaktionelle Leitung
Susanne Brinkmann
Examinierte Pflegefachkraft, seit 2010 im ambulanten Dienst in Bremen — rund 44.500 Pflegeeinsätze. Nebenberuflich Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI sowie Schulungen in der Häuslichkeit nach § 45 SGB XI.

Redaktion
Hendrik Dohmeyer
Pflegeberater nach § 7a SGB XI. Schreibt die Texte und ordnet ein, was rechtlich dahintersteht.
Diese Seite gibt allgemeine Orientierung. Sie ersetzt keine pflegefachliche Anleitung und keine ärztliche Beurteilung im Einzelfall.
Wie geht es weiter?
- Sicher aufstehen, umsetzen und mobilisieren — Bewegung ist die beste Vorbeugung
- Inkontinenz würdevoll versorgen — Feuchtigkeit ist der zweite Risikofaktor
- Beim Duschen und Waschen unterstützen — der beste Moment, die Haut anzusehen
- Pflegeberatung nach § 7a — unabhängig, kostenfrei





