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10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

Unabhängige Orientierung durch Pflegeversicherung,
Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Coaching mit KI


Am besten bereitet man sich mit einem Menschen vor, der die Begutachtung kennt. Wenn das nicht möglich ist, ist ein KI-Werkzeug die zweitbeste Lösung — und deutlich besser als gar keine Vorbereitung. Ich zeige Ihnen, wie Sie es sinnvoll nutzen, was es kann und wo seine Grenzen liegen.

Eine ältere Frau sitzt am Esstisch mit Handy, Notizblock und aufgeklapptem Laptop und tippt konzentriert.
Aktualisiert am 18.09.2026

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Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

Wofür sich das wirklich lohnt

Der größte Fehler in der Begutachtung ist nicht fehlendes Wissen, sondern das Beschönigen — und dagegen hilft Üben. Ein KI-Werkzeug ist dafür erstaunlich gut geeignet: Es hat unendlich Geduld, es urteilt nicht, und Sie können dasselbe Gespräch dreimal führen, bis die Antworten sitzen.

  • Das Gespräch proben. Die KI stellt die Fragen, Sie antworten — und merken selbst, wo Sie ausweichen oder etwas kleinreden.
  • Den Tagesablauf ordnen. Sie erzählen einen gewöhnlichen Tag, die KI sortiert ihn nach den sechs Lebensbereichen. Dabei fällt auf, was Sie vergessen haben.
  • Aus „geht schlecht“ konkrete Sätze machen. Statt „sie kann sich kaum noch waschen“ wird daraus, was genau nicht mehr geht und welche Hilfe nötig ist.
  • Einen Widerspruch vorbereiten. Sie schildern, was im Gutachten steht und was Sie anders erlebt haben — die KI hilft, daraus eine gegliederte Begründung zu machen.

Der einfachste Weg: der Prompt aus dem Pflege-Cockpit

Wer den Pflegegrad-Rechner im Pflege-Cockpit nutzt, muss nichts selbst formulieren. Das Werkzeug gibt die Einschätzung als fertig vorbereiteten Text aus, den Sie mit einem Klick kopieren und in Ihr KI-Werkzeug einfügen. Alle sechs Bereiche mit ihren Punkten sind dann bereits enthalten — die KI weiß also, worüber gesprochen wird, und Sie können sofort mit den Fragen anfangen.

Den Rechner selbst können Sie in der Basisversion dauerhaft kostenlos nutzen. Die Prompt-Erstellung gehört zu Pflege-Cockpit Plus. Im günstigsten Tarif kostet das gut sechs Euro im Monat — dafür bekommen Sie neben dieser Funktion eine ganze Reihe weiterer Werkzeuge, die den Pflegealltag spürbar leichter machen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die nächsten fünf Schritte — von der Einschätzung bis zum fertigen Dokument, das Sie mit zum Termin nehmen können.

Schritt 1: Die heutige Einschätzung erstellen

Sie gehen die sechs Module durch und wählen je Kriterium die Stufe, die heute zutrifft. In diesem Beispiel liegt zusätzlich ein früheres Gutachten vor — dann steht die neue Punktzahl gleich neben der alten. Genau so lässt sich der Rechner auch für einen Höherstufungsantrag nutzen: Er zeigt die Entwicklung, statt nur einen Stand.

Schritt 2: Den Prompt erzeugen

Aus allen Modulen und Kriterien baut das Cockpit einen zusammenhängenden Text — den Prompt. Vorher erscheint ein Hinweis, wie er zu verwenden ist: Sie dürfen ihn jederzeit ergänzen, sollten dabei aber keine Personendaten eintragen. Was das Cockpit erzeugt, ist bereits anonym und neutral formuliert.

Dann entscheiden Sie, aus wessen Sicht der Text geschrieben sein soll. Das macht einen erheblichen Unterschied: Eine pflegende Angehörige muss erklären, was sie übernimmt — eine antragstellende Person muss beschreiben, was ihr selbst nicht mehr gelingt. Beides sind dieselben Tatsachen, aber nicht dieselben Sätze.

Schritt 3: In das KI-Werkzeug einfügen

Ein Klick kopiert den Text in die Zwischenablage. Sie öffnen Ihr KI-Werkzeug — hier ChatGPT — und fügen ihn in das Eingabefeld ein. Mehr ist nicht zu tun; alle sechs Bereiche mit ihren Punkten stehen bereits darin.

Sie haben noch nie mit KI gearbeitet?

Dann ist das hier ein guter Anlass, es einmal auszuprobieren. Zu jedem der Werkzeuge gibt es auf YouTube und anderswo aktuelle Erklärvideos — meist genügt eines von zehn Minuten, um den Anfang zu machen.

Alle folgenden Anbieter haben eine kostenlose Variante, die für unseren Zweck vollkommen ausreicht. Sie können die App auf Handy oder Rechner laden — oder einfach im Browser arbeiten, ganz ohne Installation.

  • ChatGPT von OpenAI — das bekannteste, in unseren Bildern oben zu sehen
  • Claude von Anthropic — gilt als besonders sorgfältig bei langen Texten
  • Gemini von Google — auf vielen Android-Handys schon vorhanden
  • Le Chat von Mistral AI aus Frankreich — der europäische Anbieter, mit Verarbeitung in der EU
  • Copilot von Microsoft — in Windows und Edge oft schon eingebaut

Die Verweise öffnen sich in einem neuen Fenster. Für alle gilt, was weiter unten steht: keine Namen, keine Versichertennummern, keine Adressen.

Schritt 4: Die Antwort lesen

Die KI ordnet die Angaben und formuliert daraus Sätze, die im Begutachtungsgespräch tragen. Auch hier bleiben die beiden Perspektiven getrennt.

Schritt 5: Das fertige Dokument

Am Ende steht eine Unterlage, die Sie ausdrucken und mitnehmen können. Hier sind beide Fassungen als Beispiel — sie stammen aus demselben Rechnerergebnis und unterscheiden sich nur in der Perspektive.

Beispiel herunterladen (PDF, 102 KB)

Beispiel herunterladen (PDF, 101 KB)

Eine Arbeitsunterlage, keine Einstufung

Diese Dokumente sind Ihre eigene Vorbereitung. Sie sind kein Gutachten, keine Zusage und kein Antrag. Welcher Pflegegrad anerkannt wird, entscheidet die Pflegekasse auf Grundlage der Begutachtung — nicht ein Rechner und kein Sprachmodell.

Lesen Sie deshalb, was herauskommt, und streichen Sie, was nicht stimmt. Eine KI formuliert flüssig und liegt trotzdem manchmal daneben. Was Sie mitnehmen, muss Ihre Schilderung sein — nicht die schönere Version davon.

Und wenn es irgend geht: Zeigen Sie das Dokument Ihrer Pflegeberaterin oder Ihrem Pflegeberater. Zu zweit durchgegangen wird aus einer Arbeitsunterlage eine belastbare Vorbereitung — die Fachperson erkennt sofort, was trägt, was zu unbestimmt ist und was fehlt.

Die Beratung nach § 7a kostet Sie nichts; sie wird aus den Beiträgen der Pflegeversicherung bezahlt und steht Ihnen zu. Wer diese Arbeit schätzt, sollte sie auch nutzen — als Gegenüber, das mitdenkt und widerspricht, ist eine erfahrene Beratungsperson durch kein Werkzeug zu ersetzen.

Ohne Cockpit: drei Fragen, die tragen

Es geht auch ohne. Öffnen Sie irgendein KI-Werkzeug und beginnen Sie mit einer dieser Aufforderungen — der Rest ergibt sich im Gespräch.

Was Sie nicht eingeben sollten

Alles, was Sie in ein KI-Werkzeug tippen, verlässt Ihr Gerät und liegt bei einem fremden Unternehmen — oft außerhalb Europas. Es geht dabei um Gesundheitsdaten, und die gehören zu den empfindlichsten Angaben überhaupt. Das spricht nicht gegen die Nutzung, aber es gibt eine einfache Regel:

Ohne Namen geht alles genauso gut

Lassen Sie Namen, Geburtsdatum, Anschrift und Versichertennummer weg. Schreiben Sie „meine Mutter, 84 Jahre“ statt des Namens. Für die Vorbereitung ändert das nichts — die KI braucht die Situation, nicht die Person.

Prüfen Sie außerdem in den Einstellungen, ob Ihre Eingaben zum Training verwendet werden. Bei den meisten Anbietern lässt sich das abschalten.

Wo die Grenze verläuft

Ein KI-Werkzeug kennt Ihre Wohnung nicht, sieht nicht, wie das Aufstehen wirklich aussieht, und sitzt am Termin nicht neben Ihnen. Es ersetzt keine Pflegeberatung und keine fachliche Begleitung — dazu steht mehr unter Ablauf der Begutachtung.

Wie geht es weiter?

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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