Zum Inhalt springen
10 Jahre Pflege-Dschungel, 2017 bis 2027 — zur Jubiläumsaktion Pflege-Dschungel. Orientierung. Begleitung.

Unabhängige Orientierung durch Pflegeversicherung,
Reform, Prävention und konkrete Pflegesituationen.

Publikation · CAREkonkret

Wie aktive Prozessbegleitung die Prävention verankert

Erschienen in CAREkonkret · Ausgabe 47 / 21.11.2025 · Serie „Game-Changer Prävention“ (Teil 2) · von Hendrik Dohmeyer

Die Prävention in der häuslichen Pflege steht vor einem Paradigmenwechsel: Es geht nicht mehr nur um Empfehlungen, sondern um deren aktive, begleitete Umsetzung.

Original-Artikel als PDF
Artikel „Wie aktive Prozessbegleitung die Prävention verankert
Aktualisiert am 18.09.2026

Beitrag teilen

Für Instagram und TikTok gibt es keinen Teilen-Link – dort fügen Sie die Adresse selbst ein. Auf dem Handy führt „Mit einer App teilen“ direkt zu allen installierten Apps.

Keine Daten ohne Ihr Zutun: Diese Seite lädt nichts von Facebook, LinkedIn oder WhatsApp. Erst wenn Sie auf einen der Knöpfe tippen, öffnet sich der jeweilige Dienst.

00:00 / 07:49

Vorgelesen von einer synthetischen Stimme.

kompakt – der Beitrag für eilige Leser:innen

Prävention darf kein einmaliger Hinweis bleiben, sondern muss aktiv begleitet werden. Pflegeberatung und Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle – mit sieben konkreten Gesundheitsthemen für den Pflegealltag.

Dieser Beitrag erschien im November 2025 (Teil 2 der Serie) und bezieht sich auf das Pflegekompetenzgesetz und geplante Regelungen. Der Gesetzgebungsstand kann sich seither geändert haben.

„Lebensqualität, Gesundheitszustand und vorhandene Ressourcen können entscheidend verbessert werden, wenn Betroffene frühzeitig Zugang zu Präventionsleistungen erhalten und dabei aktiv unterstützt werden.“ – Dieser Satz aus der Gesetzesbegründung des Pflegekompetenzgesetzes verdeutlicht: Prävention darf kein einmaliger Hinweis bleiben, sondern muss als fortlaufender Prozess verstanden werden.

Das Transtheoretische Modell (TTM) zeigt, dass Verhaltensänderungen mehrere Phasen durchlaufen – von der Absichtslosigkeit über Vorbereitung und Handlung bis zur Aufrechterhaltung. Eine einmalige Empfehlung im Rahmen einer § 7a- oder § 37 Abs. 3-Beratung kann Impulse setzen, reicht aber oft nicht aus, um Ambivalenzen bei Pflegebedürftigen oder Angehörigen zu überwinden. Die Hauptaufgabe der Fachkräfte wird künftig darin liegen, den Übergang von der Empfehlung zur Umsetzung zu begleiten.

Klare Strukturen für die Prozessbegleitung

Damit aktive Prozessbegleitung gelingt, braucht es klare Strukturen. Pflegeberater:innen und Pflegefachpersonen im Rahmen der Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 werden eine Schlüsselfunktion übernehmen. Sie können nicht nur den Präventionsbedarf erheben, sondern auch Folgetermine zur Verlaufskontrolle und Motivation vereinbaren. Da umfangreiche Leistungsanpassungen der großen Pflegereform erst mittelfristig greifen werden, sind pragmatische Zwischenlösungen entscheidend.

Ein zentraler Ansatz ist die Nutzung des Entlastungsbetrags (§ 45b SGB XI) auch für präventive Begleitmaßnahmen durch Pflegeberater:innen. Eine bundesweite Klarstellung oder Sondergenehmigung würde ein wichtiges Signal setzen und Prävention finanzierbar machen. Ebenso sollten Schulungen nach § 45 SGB XI gezielt genutzt werden, um Präventionsthemen zu vertiefen und Betroffene in die Handlungsphase des TTM zu führen. Auch ambulante Dienste könnten präventive Elemente in ihre Sachleistungen integrieren, wenn die Rahmenbedingungen optimiert würden.

Pflegefachpersonen werden so zu Partner:innen des Wandels – sie beobachten Fortschritte, motivieren zur Selbsttätigkeit und geben Rückmeldung. Ergänzend können Alltagsbegleiter:innen oder Nachbarschaftshelfer:innen geschult werden, um niedrigschwellige präventive Unterstützung anzubieten.

Sieben Themen für Gesundheit und Lebensqualität

Der Erfolg der Prozessbegleitung hängt entscheidend von der Kompetenzerweiterung der Pflegefachpersonen und Berater:innen ab. Diese sieben Themen fördern Gesundheit und Lebensqualität in der häuslichen Pflege:

  1. Muskelkraft: reduziert Sarkopenie, erhält Beweglichkeit, beugt Stürzen vor, stärkt Selbstständigkeit.
  2. Bewegung: fördert Kreislauf, Muskulatur und seelisches Wohlbefinden.
  3. Ernährung: unterstützt Immunsystem, Energie und Regeneration.
  4. Stress und Resilienz: reduziert Belastung und stärkt innere Widerstandskraft.
  5. Wechseljahre: hilft, körperliche und emotionale Balance zu bewahren.
  6. Familiäre Konflikte: fördert Kommunikation zu pflegerelevanten Themen und beugt Überforderung vor.
  7. Gesunder Schlaf: verbessert Erholung, Stabilität und Leistungsfähigkeit.

Coaching, digitale Tools und Motivation

Prävention durch Angehörige bedeutet zugleich, dass sie Pflegebedürftige aktiv coachen, motivieren und anleiten können. Das „Coach-the-Coach“-Prinzip beschreibt diesen Gedanken: Fachkräfte befähigen Angehörige, selbst kleine Veränderungen im Alltag anzustoßen und zu stabilisieren. So entsteht ein partnerschaftlicher Lernprozess – vom professionellen Begleiter über den Angehörigen bis zur pflegebedürftigen Person.

Digitale Tools (DiPA, Videoberatung) können die Prozessbegleitung effizient unterstützen. Sie helfen, aktuelle Präventionsangebote zu listen, und ermöglichen eine kontinuierliche Begleitung – auch zwischen den professionellen Besuchsterminen, indem sie Fortschritte dokumentieren und die Etablierung von Routinen sichern.

Die größte Herausforderung bleibt die Verhaltensänderung. Fachkräfte müssen daher nicht nur informieren, sondern motivieren – durch gezielte Kommunikation und empathische Begleitung. Eine zentrale Rolle spielt das Motivational Interviewing (MI), eine wissenschaftlich fundierte Gesprächsmethode, die Ambivalenzen respektiert, Eigenmotivation stärkt und gezielt „Change Talk“ fördert. In Verbindung mit dem TTM lässt sich MI gezielt an die jeweilige Veränderungsphase anpassen. So entsteht eine individuelle, nachhaltige Begleitung, die weit über reine Informationsvermittlung hinausgeht.

Pflegefachpersonen sollten zu Navigator:innen werden, die die vielfältigen Präventionsangebote von Kassen, Kommunen und Verbänden kennen, bewerten und vermitteln können – sowohl online als auch vor Ort.

Pflegende Angehörige stärken

Pflegende Angehörige sind die größte Ressource unseres Pflegesystems – und zugleich seine verletzlichste. Sie tragen enorme Verantwortung und Belastung, sichern aber Tag für Tag die häusliche Versorgung. Ihr gesundheitliches Wohl ist systemrelevant: Nur wenn sie gesund bleiben, bleibt auch die Pflege stabil. Angesichts der Babyboomer-Generation, die in großem Umfang selbst pflegebedürftig wird oder Angehörige pflegt, droht ohne gezielte Prävention eine Überforderungsspirale. Umso wichtiger ist es, diese zentrale Gruppe frühzeitig zu stärken – durch niedrigschwellige, alltagsnahe Präventionsangebote.

„Wären pflegende Angehörige mit ihrem jährlichen Leistungsbeitrag von über 200 Mrd. Euro arbeitsrechtlich im SGB XI verankert, wären Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) längst selbstverständlich.“ Hier besteht Nachholbedarf: Der neue § 5 Abs. 1a SGB XI sollte in der anstehenden großen Pflegereform um entsprechende Unterstützungsoptionen ergänzt werden.

Prävention Beratung §7a/§37.3 Pflegende Angehörige

← Alle Beiträge von Hendrik Dohmeyer

Weitere Beiträge von Hendrik Dohmeyer

2026

Titelseite: Eine Höherstufung noch 2026 beantragen?PflegepartnerEine Höherstufung noch 2026 beantragen?Titelseite: Noch sind Änderungen möglichPflegepartnerNoch sind Änderungen möglichTitelseite: Pflegeleistungen am Telefon? Vorsicht!PflegepartnerPflegeleistungen am Telefon? Vorsicht!Titelseite: Wenn Kurzzeitpflege das Mittel der Wahl istPflegepartnerWenn Kurzzeitpflege das Mittel der Wahl istTitelseite: Die große Reform nimmt Gestalt anPflegepartnerDie große Reform nimmt Gestalt an

2025

Titelseite: Was sich 2026 ändertPflegepartnerWas sich 2026 ändertTitelseite: 2026 wird ein WendepunktCAREkonkret2026 wird ein WendepunktTitelseite: Wohnraumanpassungen: Was die Kasse fördertPflegepartnerWohnraumanpassungen: Was die Kasse fördertTitelseite: Mit aktiver Prävention mehr LebensqualitätPflegepartnerMit aktiver Prävention mehr LebensqualitätTitelseite: Nachbarschaftshilfe: Eine wertvolle UnterstützungPflegepartnerNachbarschaftshilfe: Eine wertvolle UnterstützungTitelseite: Verhinderungspflege: Neuregelungen in 2025PflegepartnerVerhinderungspflege: Neuregelungen in 2025

2024

Titelseite: Mehr Unterstützung ab Januar 2025PflegepartnerMehr Unterstützung ab Januar 2025Titelseite: Hilfen für Menschen mit BehinderungPflegepartnerHilfen für Menschen mit BehinderungTitelseite: Verbrauchshilfsmittel: das ist neuPflegepartnerVerbrauchshilfsmittel: das ist neuTitelseite: Explosionsartiges Wachstum? Der Laie staunt!CAREkonkretExplosionsartiges Wachstum? Der Laie staunt!Titelseite: Wer nicht kämpft, hat schon verlorenPflegepartnerWer nicht kämpft, hat schon verlorenTitelseite: Neues zur Pflegegrad-Begutachtung – Teil 2PflegepartnerNeues zur Pflegegrad-Begutachtung – Teil 2Titelseite: Das ist neu bei der Pflegegrad-BegutachtungPflegepartnerDas ist neu bei der Pflegegrad-Begutachtung

2023

Titelseite: Selbstbestimmt bleiben – auch im NotfallPflegepartnerSelbstbestimmt bleiben – auch im NotfallTitelseite: So vermeiden Sie einen gerichtlichen BetreuerPflegepartnerSo vermeiden Sie einen gerichtlichen BetreuerTitelseite: Pflegereform 2024 – die ResterampePflegepartnerPflegereform 2024 – die ResterampeTitelseite: Pflegereform 2024 – zögerliche EntlastungenPflegepartnerPflegereform 2024 – zögerliche EntlastungenTitelseite: Ab sofort höhere RentenansprüchePflegepartnerAb sofort höhere RentenansprücheTitelseite: Barrierefrei in den UrlaubPflegepartnerBarrierefrei in den Urlaub

2022

Titelseite: In der Tagespflege „gut an Bord“ kommenPflegepartnerIn der Tagespflege „gut an Bord“ kommenTitelseite: Durchblick im MedizinschrankPflegepartnerDurchblick im MedizinschrankTitelseite: Wann ist die Verhinderungspflege steuerfrei?PflegepartnerWann ist die Verhinderungspflege steuerfrei?Titelseite: Willkommene Auszeit dank TagespflegePflegepartnerWillkommene Auszeit dank TagespflegeTitelseite: Unterstützung für ein angepasstes WohnumfeldPflegepartnerUnterstützung für ein angepasstes WohnumfeldTitelseite: Wegweisendes Urteil zum Thema RentePflegepartnerWegweisendes Urteil zum Thema Rente

2021

Titelseite: Kurzzeitpflege: besser langfristig planenPflegepartnerKurzzeitpflege: besser langfristig planenTitelseite: Entlastungsangebote – unbedingt nutzen!PflegepartnerEntlastungsangebote – unbedingt nutzen!Titelseite: So profitieren Sie von der PflegereformPflegepartnerSo profitieren Sie von der PflegereformTitelseite: Der erfolgreiche Weg zum PflegehilfsmittelPflegepartnerDer erfolgreiche Weg zum PflegehilfsmittelTitelseite: Wenn die Pflegeperson verhindert istPflegepartnerWenn die Pflegeperson verhindert ist

2019

Titelseite: Den Blick erweiternCAREkonkretDen Blick erweitern

2018

Titelseite: Droht eine Explosion der Kosten?CAREkonkretDroht eine Explosion der Kosten?

Alle Beiträge von Hendrik Dohmeyer ansehen

Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
Pflegegrad Pflegegrad Leistungen Leistungen Prävention Prävention Erkrankungen & Lebenslagen Erkrankungen & Lebenslagen Kurse Kurse Beratung Beratung Pflege-Cockpit Suche Weiter Download Telefontermin Termin Passt zu mir Checkliste Antrag stellen Bescheid & Widerspruch Frist Rechner Häusliche Pflege Stationäre Pflege Bewegung & Kurs Entlastung & Budget Tipp Hinweis Achtung Geprüft Pflege-Dschungel Mit KI erstellt Schließen