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Antibiotika verstehen und sicher anwenden


Warum sie bei Erkältungen nicht helfen, worauf es bei den Abständen ankommt — und was Durchfall danach bedeutet.

Eine Person hakt auf einem Einnahmeplan einen Tag ab, daneben steht eine Packung.
Aktualisiert am 26.09.2026

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Kurz erklärt

Antibiotika wirken gegen Bakterien — und nur gegen Bakterien. Gegen Viren richten sie nichts aus. Erkältungen, die allermeisten Halsentzündungen, Grippe und die üblichen Bronchitiden werden von Viren verursacht. Ein Antibiotikum verkürzt sie nicht um einen Tag.

Das ist keine Sparsamkeit der Praxis, sondern schlicht die Wirkungsweise. Und es hat zwei Folgen, die auch den Einzelnen betreffen: Jede unnötige Gabe belastet den Darm — und sie trägt dazu bei, dass Bakterien unempfindlich werden. Unempfindliche Keime sind kein abstraktes Problem; sie treffen genau die Menschen, die später eine schwere Infektion bekommen und wenig auszuhalten haben.

Umgekehrt gilt: Wenn ein Antibiotikum verordnet ist, hat das einen Grund, und dann gehört es zuverlässig und über die verordnete Dauer gegeben.

Welche Medikamentengruppen kommen typischerweise vor?

  • Penicilline (Amoxicillin, Amoxicillin mit Clavulansäure, Penicillin V) — die häufigste Gruppe, gut verträglich, oft bei Atemwegs- und Hautinfektionen.
  • Cephalosporine (Cefuroxim, Cefaclor) — verwandt mit den Penicillinen.
  • Makrolide (Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin) — sie kommen unter anderem dann in Frage, wenn Penicillin nicht geht. Ob sie passen, hängt aber von der Infektion ab, von der Resistenzlage und davon, welcher Art die Allergie war — eine automatische Ausweichlösung sind sie nicht. Innerhalb der Gruppe gibt es deutliche Unterschiede: Clarithromycin und Erythromycin haben viele Wechselwirkungen, etwa mit Statinen und Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen. Azithromycin hat davon weniger. Auf den Herzrhythmus können sie alle wirken.
  • Fluorchinolone (Ciprofloxacin, Levofloxacin) — stark wirksam, aber mit ernsten möglichen Nebenwirkungen an Sehnen, Nerven und Psyche. Sie werden deshalb nur eingesetzt, wenn es gute Gründe gibt, und bei älteren Menschen besonders zurückhaltend. Was dabei zu beachten ist, steht im Kasten weiter unten.
  • Nitrofurantoin und Fosfomycin — bei unkomplizierten Blasenentzündungen; sie wirken vor allem in der Harnblase und sind deshalb nicht für jede Harnwegsinfektion geeignet. Bei Nitrofurantoin spielt die Nierenfunktion eine Rolle, und bei längerer oder wiederholter Anwendung sind sehr selten Lunge und Leber betroffen: neu aufgetretene Atemnot oder Husten sowie eine Gelbfärbung von Haut oder Augen gehören sofort abgeklärt.
  • Cotrimoxazol, Clindamycin, Doxycyclin — je nach Erreger und Ort der Infektion.

Von der Packung zum Zusammenhang

Beispiele zur Orientierung, keine vollständige Liste. Handelsnamen können sich ändern; maßgeblich ist der Wirkstoff.
Handelsname (Beispiel)WirkstoffGruppeWorauf achten
Amoxi-clavulan, AugmentanAmoxicillin + ClavulansäurePenicillinDurchfall häufig
Elobact, CefuroxCefuroximCephalosporinzum Essen
Zithromax, KlacidAzithromycin, ClarithromycinMakrolidWechselwirkungen prüfen
Ciprobay, TavanicCiprofloxacin, LevofloxacinFluorchinolonSehnenbeschwerden melden
Nitrofurantoin-ratiopharm, MonurilNitrofurantoin, FosfomycinHarnwegsmittelbei Blasenentzündung
DoxyhexalDoxycyclinTetracyclinSonne meiden, viel Wasser, nicht im Liegen

Für den Pflegealltag wichtig

  • Genau so lange einnehmen, wie es verordnet ist — nicht früher aufhören, weil es besser geht, und nicht auf eigene Faust verlängern. Nach ein bis zwei Tagen fühlt sich fast jeder besser; das sagt nichts darüber, ob die Behandlung fertig ist. Wie lange behandelt wird, hängt von der Infektion ab, nicht von einer alten Faustregel: Viele Behandlungen sind heute bewusst deutlich kürzer als früher, andere brauchen länger. Wenn Dauer oder Diagnose unklar sind oder Nebenwirkungen auftreten, ist das ein Grund nachzufragen — nicht, selbst zu entscheiden.
  • Reste nicht aufheben und niemals an andere weitergeben. Wohin Übriggebliebenes gehört, ist von Ort zu Ort verschieden: Apotheken nehmen Arzneimittel zurück, müssen es aber nicht überall. Die Packungsbeilage und die Gemeinde sagen, was vor Ort gilt. Niemals in die Toilette oder den Abfluss, und bis zur Entsorgung kindersicher aufbewahren.
  • Die Abstände einhalten — so, wie sie verordnet sind. Hier steckt eine Falle: „Dreimal täglich“ und „alle acht Stunden“ sind nicht dasselbe. „Alle acht Stunden“ heißt rund um die Uhr, also auch nachts. „Dreimal täglich“ verteilt die Gaben über den Tag. Was gilt, steht auf dem Etikett und in der Gebrauchsinformation; im Zweifel fragen Sie in der Apotheke nach konkreten Uhrzeiten. Die Regel dahinter: möglichst gleichmäßig über den vorgesehenen Zeitraum verteilen — nicht alle drei zwischen Frühstück und Abendbrot. Ein Wecker hilft.
  • Bei einigen Mitteln zählt, womit sie eingenommen werden. Sicher ist: Magnesium-, Calcium-, Eisen- und Zinkpräparate sowie Mittel gegen Sodbrennen vom Typ der Antazida binden den Wirkstoff, und es kommt zu wenig an. Das betrifft Doxycyclin ebenso wie die Fluorchinolone. Wie groß der nötige Abstand ist und wie es sich mit Milchprodukten und Mahlzeiten verhält, ist von Präparat zu Präparat verschieden — dafür lohnt der Blick in die Packungsbeilage oder die Frage in der Apotheke.
  • Doxycyclin braucht zusätzlich zwei Handgriffe: mit reichlich Wasser einnehmen, im Sitzen oder Stehen — und danach nicht sofort hinlegen. Bleibt die Tablette in der Speiseröhre liegen, kann sie dort eine schmerzhafte Reizung verursachen. Für die Abendgabe heißt das: nicht die letzte Handlung vor dem Zubettgehen.
  • Wechselwirkungen prüfen lassen, besonders bei Gerinnungshemmern, Statinen und Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen. Die Apotheke macht das in einer Minute.
  • Durchfall während oder nach der Behandlung ist häufig und meist harmlos. Achtung ist geboten, wenn er heftig ist, mehrfach täglich auftritt, mit Fieber oder Bauchschmerz einhergeht oder Blut enthält — auch noch Wochen danach. Dann kann eine besondere Darmentzündung dahinterstecken, die behandelt werden muss.
  • Bei Fluorchinolonen gilt eine eigene Regel — siehe den Kasten unten. Sie ist die wichtigste Stelle dieser Seite.
  • Echte Allergie von Nebenwirkung unterscheiden. Übelkeit oder Durchfall sind Nebenwirkungen. Eine Allergie zeigt sich als Hautausschlag mit Quaddeln, Juckreiz, Schwellung oder Luftnot. Der Unterschied ist wichtig, weil eine falsch vermerkte „Penicillinallergie“ ein Leben lang die besten Mittel ausschließt. Was tatsächlich aufgetreten ist, gehört genau beschrieben — und in den Allergiepass.
  • Bei Frauen an Scheidenpilz denken, bei allen an Mundsoor — nach einer Antibiotikabehandlung häufig und gut behandelbar.

Fluorchinolone: bei Sehnenschmerzen nicht weiter einnehmen

Ciprofloxacin, Levofloxacin und verwandte Mittel können Sehnen schädigen — am häufigsten die Achillessehne, manchmal an beiden Beinen zugleich. Im schlimmsten Fall reißt sie. Deshalb gilt hier ausnahmsweise nicht „beobachten und beim nächsten Termin ansprechen“:

Bei den ersten Schmerzen oder einer Schwellung an einer Sehne: die Stelle schonen, die nächste Dosis nicht mehr nehmen und unverzüglich in der Praxis anrufen. Die Entscheidung, wie es weitergeht, trifft die Ärztin oder der Arzt — aber die Pause beginnt sofort, nicht nach dem Rückruf. Beschwerden können auch noch Wochen nach dem Ende der Behandlung auftreten.

Ebenso unverzüglich abklären lassen:

  • Neues Brennen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in Händen oder Füßen — Zeichen einer Nervenschädigung, die bleiben kann.
  • Ausgeprägte Verwirrtheit, Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit oder gedrückte Stimmung, die neu aufgetreten sind.
  • Plötzliche starke Schmerzen in Brust, Bauch oder Rücken — dann die 112.

Typische Beschwerden — was beobachten?

  • Übelkeit, Bauchdrücken, weicher Stuhl — häufig und meist vorübergehend.
  • Hautausschlag — immer melden, damit geklärt wird, ob es eine Allergie ist.
  • Pilzbefall in Mund oder Scheide.
  • Sonnenempfindlichkeit unter Doxycyclin und einigen anderen.
  • Sehnenschmerzen unter Fluorchinolonen.
  • Verwirrtheit bei älteren Menschen — sie kann von der Infektion kommen, aber auch vom Medikament.
  • Keine Besserung nach einigen Tagen — dann stimmt etwas nicht, das gehört gemeldet.

Warnzeichen

Sofort die 112

Rufen Sie den Notruf. Nicht erst nachlesen, nicht erst in der Praxis anrufen.

  • Luftnot, Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht, Quaddeln am ganzen Körper, Kreislaufschwäche — allergische Reaktion, Notruf.
  • Hautausschlag mit Blasen, Fieber oder Beteiligung der Schleimhäute.
  • Hohes Fieber mit Schüttelfrost, Verwirrtheit oder sehr niedrigem Blutdruck — Verdacht auf eine Blutvergiftung.
  • Schwerer Durchfall zusammen mit Kreislaufschwäche, Bewusstseinsstörung, deutlichen Zeichen von Austrocknung oder sehr starken Bauchschmerzen — oder wenn ein sicherer Transport nicht möglich ist.

Noch heute abklären

Rufen Sie in der Arztpraxis an — außerhalb der Sprechzeiten beim Bereitschaftsdienst unter 116 117.

  • Keine Besserung nach mehreren Tagen oder erneute Verschlechterung.
  • Neuer Hautausschlag.
  • Schwerer wässriger Durchfall mit Blut, Fieber oder starken Bauchschmerzen bei ansonsten stabilem Zustand — das gehört noch am selben Tag beurteilt, auch am Wochenende. Und wichtig: keine Mittel gegen Durchfall wie Loperamid auf eigene Faust, solange nicht geklärt ist, was dahintersteckt. Bei dieser besonderen Darmentzündung können sie schaden.
  • Anhaltender Durchfall, auch noch Wochen nach der Behandlung.
  • Erbrechen, sodass die Tabletten nicht bleiben. Ob die Dosis angekommen ist, hängt vom Zeitpunkt und vom Präparat ab — bitte nicht einfach nachdosieren, sondern in Apotheke oder Praxis nachfragen. Dasselbe gilt für eine vergessene Einnahme: nicht durch eine doppelte ausgleichen, wenn es nicht ausdrücklich so angewiesen wurde.
  • Sehnenschmerzen oder -schwellung unter einem Fluorchinolon — dabei die nächste Dosis aussetzen, bis Sie mit der Praxis gesprochen haben. Ebenso neues Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen oder Füßen.
  • Mehrere Einnahmen wurden vergessen.

Beim nächsten Termin besprechen

Kein Notfall, aber es gehört auf den Zettel. Notieren Sie es, solange Sie es noch wissen.

  • Die Abstände lassen sich im Alltag nicht einhalten.
  • Es ist unklar, ob Milch- oder Mineralstoffpräparate stören.
  • Pilzbefall in Mund oder Scheide.
  • Es liegen Reste früherer Behandlungen im Schrank.
  • Eine vermerkte Allergie ist unklar — sie gehört überprüft.

Fragen für Arztpraxis oder Apotheke

  • Wie lange soll die Behandlung dauern, und in welchen Abständen geben wir das Mittel?
  • Vor, zu oder nach dem Essen — und was darf nicht dazu?
  • Verträgt es sich mit allem anderen auf dem Medikationsplan?
  • Was tun wir, wenn eine Einnahme vergessen wurde?
  • Ab wann sollte eine Besserung eintreten?
  • Was tun wir bei Durchfall?
  • Ist die vermerkte Allergie gesichert, oder sollte sie überprüft werden?
  • Wohin mit den Resten?
Quellen und Anlaufstellen

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Porträt von Hendrik Dohmeyer

Wer schreibt hier?

Hendrik Dohmeyer

Pflegeberater nach § 7a SGB XI · sorgender und pflegender Angehöriger · Autor beim Pflege-Dschungel

Neunzehn Jahre lang habe ich meine beiden Eltern als sorgender und pflegender Angehöriger begleitet – bis 2024. Was ich in dieser Zeit über die Pflegeversicherung wissen musste, habe ich mir mühsam selbst zusammengesucht. Genau das soll Ihnen hier erspart bleiben.

Nach einer kurzen Pause wurden leider weitere Menschen in meiner Familie pflegebedürftig und benötigen seitdem Unterstützung. Diese Situation teile ich mit vielen anderen Familien in Deutschland: Pflege kann unerwartet erneut Teil des eigenen Lebens werden.

Heute führe ich bundesweit Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI durch, engagiere mich im Vorstand des Vereins Pflegende Angehörige e. V. und schreibe seit 2021 die Kolumne „Rat und Recht“ in der Zeitschrift Pflegepartner. Was hier steht, stammt aus eigener Erfahrung und meiner täglichen Beratungspraxis – nicht aus zweiter Hand.

Mehr über Hendrik Dohmeyer

  • Beratungen nach § 37 Abs. 3
  • 19 Jahre eigene Pflegeerfahrung
  • Vorstand Pflegende Angehörige e. V.
  • Über 30 Fachbeiträge seit 2021
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